Fritz Hirsch, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 1802 (Ausschnitt).

Friedrich (Fritz) Hirsch

Architekt, Kunsthistoriker, Denkmalpfleger, * 21. April 1871 Konstanz, † 18. Juli 1938 Baden-Baden, ev., ∞ Anna Bornschein, 1 Sohn, 1 Stieftochter.

Nach dem Abitur am Gymnasium in Konstanz 1889, wo sein Vater Fabrikant war, studierte Hirsch an den Technischen Hochschulen (TH) Karlsruhe und München Architektur. 1895 legte er bei Oberbaudirektor Josef Durm die Staatsprüfung ab und arbeitete dann als Baupraktikant bei der Bezirksbauinspektion in Heidelberg. Seine in Karlsruhe begonnenen kunstgeschichtlichen Studien setzte er an der Universität Heidelberg fort und wurde 1897 promoviert. Nach zweijähriger Lehrtätigkeit an der Lübecker Baugewerkeschule kehrte Hirsch 1900 nach Heidelberg zurück, wo er noch im selben Jahr zum Regierungsbaumeister ernannt wurde. 1904 wechselte er zur Bauinspektion Bruchsal und 1913 als Hochbautechnischer Referent zum Badischen Finanzministerium nach Karlsruhe, ab 1918 im Rang eines Ministerialrats und Vortragenden Rats. 1920 erhielt er als Honorarprofessor an der TH Karlsruhe einen Lehrauftrag für Architekturgeschichte und Christliche Kunst.

Aus der Verbindung seiner Profession als Architekt und als Kunsthistoriker ergaben sich zwei Tätigkeitsschwerpunkte: Zum einen die Renovierung bedeutender Baudenkmäler (unter anderem Evangelische Stadtkirche und Staatliche Münze in Karlsruhe, Schloss und Schlosskirche in Rastatt, Schloss und Schlossgarten in Schwetzingen, Schloss und Kirche St. Peter in Bruchsal). Dabei setzte er auf Quellenstudium und exaktes Erfassen des Bestandes und wurde damit wegweisend für die moderne Denkmalpflege. Hirsch gab zudem die 1907-1925 erschienene Zeitschrift für Geschichte der Architektur heraus. Ferner verfasste Hirsch mehrere baugeschichtliche Abhandlungen, worunter die über Karlsruhe eine Quelle zahlreicher stadthistorischer Details darstellt. Als Architekt hat Hirsch nur wenige Bauten entworfen, darunter in Karlsruhe das Studentenhaus der TH (1928-1930) und das Verbindungshaus der Burschenschaft Germania (heute Teutonia), der er selbst angehörte. In Bruchsal, Freiburg und Heidelberg realisierte er Klinikbauten.

Wegen der jüdischen Abstammung seiner Eltern wurde Hirsch im April 1933 nach dem "Berufsbeamtengesetz" entlassen und verlor auch seinen Lehrauftrag in Karlsruhe. Die Verlagsbestände seiner Bücher wurden beschlagnahmt und vernichtet. 1936 zog er zu seiner Stieftochter, der Schauspielerin Anneliese Born-Schoenhals, nach Baden-Baden. Geehrt wurde Hirsch unter anderem als Ehrenbürger in Bruchsal und Schwetzingen sowie 1910 mit dem Ritterkreuz I. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen.

Katja Förster 2014

Werk

Hans Morinck, Diss. Berlin und Stuttgart 1897; Das Bruchsaler Schloß im 19. Jahrhundert, Heidelberg 1906; Konstanzer Häuserbuch. Festschrift zur Jahrhundertfeier der Vereinigung der Stadt Konstanz mit dem Hause Baden. Bd. 1: Bauwesen und Häuserbau, Heidelberg 1906; 100 Jahre Bauen und Schauen. Ein Buch für jeden, der sich mit Architektur aus Liebe beschäftigt oder weil sein Beruf es so will. Zugleich ein Beitrag zur Kunsttopographie des Großherzogtums Baden unter besonderer Berücksichtigung der Residenzstadt Karlsruhe, 2 Bde., Karlsruhe 1928-1938, http://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/Drucke/content/titleinfo/2965504 (Zugriff am 22. Dezember 2015).

Literatur

Wolfgang Leiser: Hirsch, Friedrich (Fritz), Architekt, Kunsthistoriker, Denkmalpfleger, in: Badische Biographien NF, Bd. 1, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1982, S. 172-175; Eugen Mack: Geachtet und geehrt, Geächtet und vergessen. Prof. Dr. Fritz Hirsch, in: Badische Heimat, Jg. 53, 1973, S. 330-333; Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil, Bd. 1, München 1999, S. 307 f.