Ansicht der Karlsruher Münze, 1975, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVa 2365.

Staatliche Münze Karlsruhe

Die Staatliche Münze Karlsruhe ist die kleinste der heute fünf bestehenden deutschen Münzprägeanstalten und als einzige noch in ihrem ursprünglichen, für diesen Zweck errichteten Gebäude untergebracht. An ihrem Bau, der sich am Zusammentreffen von Karlstraße und Stephanienstraße befindet, waren drei Architekten beteiligt: Friedrich Arnold, der bereits 1816 die ersten Pläne vorlegte, Friedrich Weinbrenner, unter dessen Verantwortung der Bau maßgeblich entstand sowie Friedrich Theodor Fischer, der nach dem Tod seines Lehrers Weinbrenner die Fertigstellung des Gebäudes übernahm. Für die räumliche Konzeption und technische Ausstattung zeichnete der spätere badische Münzrat Ludwig Kachel verantwortlich, der nach der Fertigstellung des Gebäudes – ebenso wie spätere Vorstände der Münzverwaltung – darin eine Dienstwohnung hatte und diese auch bewohnte.

Die Münze Karlsruhe nahm am 9. Februar 1827 mit der Prägung der 5-Gulden-Rheingold-Münze, die auf der Vorderseite Großherzog Ludwig von Baden und auf der Rückseite einen gekrönten altbadischen Schild mit Lorbeerzweigen zeigt, den Betrieb auf. Ihre Aufgabe bestand darin, Baden, das 1806 zum Großherzogtum erhoben und territorial enorm vergrößert worden war, mit einer ausreichenden Menge an Münzen zu versorgen. Dadurch sollten die zahlreichen ausländischen Münzen, die zu jener Zeit in Umlauf waren, durch landeseigene ersetzt werden, mit dem Ziel der weiteren Stärkung der Autonomie des noch jungen südwestdeutschen Mittelstaates. Die gesamte Münzproduktion für Baden erfolgte dabei ausschließlich in Karlsruhe.

Ab 1873 wurden in der Karlsruher Münze Pfennig-Stücke (ab 1911 Mark-Stücke) für das Deutsche Reich geprägt. 1925 kam die Produktion von Gedenkmünzen hinzu. Die Münzprägung in der Fächerstadt wurde im Zweiten Weltkrieg erst im Februar 1945 eingestellt und dank der weitgehenden Unversehrtheit des Gebäudes bereits 1946 mit 1- und 10-Pfennig-Stücken wieder aufgenommen. 1955 folgte zum 300. Geburtstag des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, dem Türkenlouis, die Wiederaufnahme der Gedenkmünzenprägung im Nennwert von 5 DM. In den kommenden Jahrzehnten folgten neben der regulären Münzproduktion für Deutschland mehrere Aufträge aus dem Ausland, darunter aus Ecuador (1964) und Syrien (1978).

Nachdem in den 1960er-Jahren eine Modernisierung des Münzgebäudes erforderlich geworden war, erfolgte bedingt durch die gestiegenen produktionstechnischen Anforderungen von 1976-1988 ein groß angelegter Umbau des Gebäudekomplexes. Während die Weinbrenner-Architektur dabei weitgehend erhalten werden konnte, musste wegen der Anpassung an neue Produktionsabläufe die ursprüngliche Raumkonzeption verändert werden. Dennoch wurde die Münzprägung in diesem Zeitraum durchgehend aufrechterhalten. In den 1970er-Jahren kam es zum sogenannten Karlsruher Münzskandal, als leitende Beamte gemeinsam mit einem Facharbeiter u. a. die 1949 in der Karlsruher Münze produzierten Fehlprägungen von 50-Pfennig-Stücken nachprägten und in Sammlerkreisen verkauften.

1998 schloss sich die Staatliche Münze Karlsruhe mit ihrem Schwesterhaus in Stuttgart zu den Staatlichen Münzen Baden-Württemberg zusammen. Seitdem werden in der Fächerstadt auch die Münzen der 2002 eingeführten europäischen Gemeinschaftswährung Euro hergestellt. Das Münzzeichen der Karlsruher Münze ist seit 1872 ein G. Das Gebäude ist Denkmal nach § 28 Übergangsregelung Denkmalschutzgesetz.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 429/1063; Datenbank der Kulturdenkmale https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/detail.php?id=02804 (Zugriff am 3. November 2017).

Literatur

Alois Schreiber: Die Münze, in: Carlsruhe in malerischen Ansichten. Von C. Frommel. Nebst historisch-topographischer Beschreibung von A. Schreiber, Carlsruhe 1827; Walther Huber: Die Münze, in: Die Stephanienstraße. Ein Stück Bau- und Kulturgeschichte aus Karlsruhe, Karlsruhe 1954, S. 95-99; Otfried Schmeiser: Die Münzstätte zu Carlsruhe, in: Numismatische Beiträge. 75 Jahre Badische Gesellschaft für Münzkunde Karlsruhe 1919-1994, hrsg. von der Badischen Gesellschaft für Münzkunde, Karlsruhe 1994, S. 40-48; Clemens Kieser: Weinbrenners letztes Bauwerk: Die Staatliche Münze, in: Vom Gulden zum Euro. 175 Jahre Münzstätte Karlsruhe, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe und den Staatlichen Münzen Baden-Württemberg durch Peter Pretsch, Karlsruhe 2002 (= Häuser- und Baugeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Band 3), S. 21-28; Adelheid Wibel: Falschgeld aus der Stephanienstraße. Der Karlsruher Münzskandal von 1975, in: Manfred Koch (Hrsg.): Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge 2008-2013, Karlsruhe 2013, S. 208-211 https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick99.de (Zugriff am 27. Dezember 2020).