Theodor Krauth

Schreiner, Architekt, Gewerbeschulrat, * 25. September 1850 Eberbach/Rhein-Neckar-Kreis, † 15. August 1900 Wattwil/Kanton St. Gallen/Schweiz, ∞ 1878 Josephine von Belli (1850-1941), 2 Söhne.

Theodor Krauth, Sohn eines Schreinermeisters, absolvierte zunächst eine Schreinerlehre und besuchte anschließend die Technische Hochschule (TH) Karlsruhe. Nach Abschluss des Studiums erhielt er eine Anstellung als Architekt bei der Kirchenbauinspektion in Heidelberg. In seiner Freizeit realisierte er Entwürfe für Wohngebäude und Gewerbeeinrichtungen. Darüber hinaus erstellte er eigene Entwürfe für Innendekorationen in Meran und Bozen (Südtirol) sowie für kunstgewerbliche Arbeiten.

Auf den Arbeitseifer Krauths aufmerksam geworden, erhielt er zum 1. November 1884 einen Ruf als Lehrer an der Baugewerkeschule in Karlsruhe. Bereits zwei Monate später wurde Krauth zum Professor ernannt. Fachkompetenz und Pflichtbewusstsein führten dazu, dass er 1890 zum Inspektor der Gewerbeschulen ernannt wurde. Es folgten die Ernennungen zum Mitglied des Badischen Oberschulrats und – unter Beförderung zum Regierungsrat – 1892 die zum ordentlichen Mitglied des neu errichteten Badischen Gewerbeschulrats. In dieser Funktion wirkte Krauth maßgeblich an der Reorganisation der badischen Gewerbeschulen mit, wobei er insbesondere für die Beschaffung von umfangreichem und systematisch ausgewähltem Vorlagenmaterial verantwortlich war, das den Schulen bisher gefehlt hatte. Der Lohn für seine Arbeit bestand in der Auszeichnung mit dem Ritterkreuz Erster Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen 1894 und der Ernennung zum Referenten für Bausachen und für den Zeichenunterricht beim Badischen Oberschulrat.

Als Praktiker bemerkte Krauth zudem das Fehlen adäquater handwerklicher Fachliteratur, ein Umstand, den er als Co-Autor (mit Franz Sales Meyer) mehrerer Standardwerke zu den Berufen Schlosser, Schreiner, Zimmermann und Steinmetz beheben konnte. Krauth starb unerwartet nach kurzer Krankheit. Sein gleichnamiger Sohn wurde später Direktor des Badischen Staatstechnikums in Karlsruhe.

René Gilbert 2015

Quelle

GLA 466-22/14710.

Werk

Aufgaben für das gewerbliche Rechnen für Gewerbeschulen, gewerbliche Fortbildungsschulen, 5. Aufl., Karlsruhe 1906; (alle weiteren Werke mit Franz Sales Meyer) Der Schlosser der Neuzeit, 100 Brüstungs- und Balkongitter sowie Treppengeländer, Ravensburg 1890; Das Schreinerbuch, in zwei Bänden, Leipzig 1890; Das Schlosserbuch, Die Kunst- und Bauschlosserei in ihrem gewöhnlichen Umfange mit besonderer Berücksichtigung der kunstgewerblichen Form, Leipzig 1891; Das Zimmermannsbuch, Die Bau- und Kunstzimmerei mit besonderer Berücksichtigung der äußeren Form, Leipzig 1892; Die Bau- und Kunstarbeiten des Steinhauers, Leipzig 1896.

Literatur

Chronik der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe für das Jahr 1900, Jg. 16, Karlsruhe 1901, S. 109, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/chronik/HF_sections/content/ZZmmyklwWw5yQB/10_Dq1_Karl_Chronik_1909.pdf (Zugriff am 20. Mai 2016); Badische Gewerbezeitung 33 (1900), S. 277 f.; Badische Fortbildungsschule 14 (1900/01), S. 161 f.; Friedrich von Weech/Albert Krieger (Hrsg.): Badische Biographien Bd. 5, Heidelberg 1906, S. 445 f., http://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/periodical/pageview/251575 (Zugriff am 20. Mai 2016).