Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1894.

Karoline Friederike Louise Maximiliane von Günderrode

Dichterin, * 11. Februar 1780 Karlsruhe, † 26. Juli 1806 Winkel/Rheingau-Taunus-Kreis, ev.

Die ersten sechs Jahre ihres Lebens verbrachte Karoline von Günderrode in Karlsruhe. Ihr Vater hatte nach Abschluss des Karlsruher Gymnasiums an der Universität Göttingen Staatsrecht studiert und war aufgrund hervorragender Studienleistungen von Markgraf Karl Friedrich 1775 als Regierungsassessor in Karlsruhe angestellt worden. Nach seinem frühen Tod 1786 zog die Mutter mit ihren sechs Kindern, von denen Karoline das älteste war, nach Hanau, der Geburtsstadt ihres Mannes.

Die finanzielle Lage der Mutter nötigte Günderrode, 1797 in das evangelisch-lutherische Cronstetten-Hynspergische Damenstift in Frankfurt a. M., einer Einrichtung für unverheiratete, verarmte adlige Frauen, einzutreten. Die junge, wissbegierige Frau fühlte sich in der Einrichtung wie in Gefangenschaft, aus der die Lektüre und das eigene Dichten ihr einen Ausweg boten. Seit 1801 pflegte sie regen Kontakt zur Familie Brentano und anderen in und um Frankfurt lebenden Intellektuellen wie Carl von Savigny. Unter dem Pseudonym „Tian“ veröffentlichte Karoline von Günderrode 1804 ihr erstes und 1805 ihr zweites Buch jeweils mit Gedichten, Prosastücken und Dramenfragmenten. Von den Freunden wurde das Werk mit begeisternder Anerkennung aufgenommen, die öffentliche Kritik dagegen sprach einer Frau von vornherein die Fähigkeit des Dichtens ab. Aufgrund ihrer unglücklichen Liebesbeziehung zu dem verheirateten Heidelberger Altphilologen Friedrich Creuzer, den sie im August 1804 in Heidelberg kennen gelernt hatte, schied die erst 26-Jährige 1806 freiwillig aus dem Leben.

Bis heute werden Person und Werk von Karoline von Günderrode kontrovers diskutiert. Ihr Œuvre, das um Liebe, Tod und Natur kreist, ist sowohl von der Klassik als auch der Romantik geprägt. Seine Einschätzung divergiert zwischen exaltierter, erotisch überspannter, dilettantischer Schwärmerei und tief empfundener, pathetisch-heroischer, formstrenger Dichtung. Darin spiegelt sich, so die mehrheitliche Interpretation, ihr persönlicher Zwiespalt zwischen Selbstverwirklichung und zeitgebundener Geschlechterrolle. Das Schicksal der Günderrode fand seinen Niederschlag auch in belletristischer Literatur und Dramen.

Katja Förster 2014

Werk

Sämtliche Werke und ausgewählte Studien. Historisch-Kritische Ausgabe; hrsg. von Walter Morgenthaler, Bd. 1 Texte, Bd. 2 Varianten und ausgewählte Studien, Bd. 3 Kommentar, Basel, Frankfurt a. M. 1990–1991, Neuauflage 2006; Der Schatten eines Traumes. Gedichte, Prosa, Briefe, Zeugnisse von Zeitgenossen; hrsg. von Christa Wolf, München 1997 (mit einem Essay von Christa Wolf).

Literatur

Dagmar von Gersdorff: „Die Erde ist mir Heimat nicht geworden.“ Das Leben der Karoline von Günderrode, Frankfurt a. M. 2006; Markus Hille: Karoline von Günderrode, Hamburg 1999; Helga Dormann: Die Karoline von Günderrode – Forschung 1945-1995. Ein Bericht (documents/athenaeum/1996-6/dormann-helga-227/PDF/dormann.pdf); Burwick, Roswitha: Liebe und Tod in Leben und Werk der Günderode, in: German Studies Review 3 (1980), Nr. 2, S. 207-223.