Ernst Friedrich Ludwig Robert

Schriftsteller, Lyriker, Redakteur, Übersetzer, * 16. Dezember 1778 Berlin, † 5. Juli 1832 Baden-Baden, jüd., seit 1819 ev., ∞ 1822 Friederike Braun, gesch. Primavesi (1795-1832), kinderlos.

Geboren unter dem Namen Liepmann Levin als drittes von fünf Kindern eines Bankiers und Juwelenhändlers, besuchte Ludwig Robert, der jüngere Bruder Rahel Varnhagens, das Französische Gymnasium in Berlin und absolvierte 1794-1796 in Breslau und Hamburg eine Lehre als Kaufmann. Ab seinem etwa 20. Lebensjahr hielt sich Robert an verschiedenen Orten auf, unter anderem in Paris, Amsterdam, Wien, Berlin, Frankfurt und im südwestdeutschen Raum, wobei er selten länger als einige Monate an einem Ort blieb.

Unter dem Einfluss seiner bekannten Schwester begann Robert 1804 mit ersten literarischen Beiträgen für den von Karl Varnhagen und Adelbert von Chamisso herausgegebenen Musen-Almanach. 1806 entschied er sich für den Beruf des Theaterschriftstellers. Eines seiner ersten Werke, die Zauberoper Die Sylphen brachte ihm den Vorwurf ein, antijüdischen Ressentiments Vorschub zu leisten. Auch in späteren Werken, darunter in dem Trauerspiel Die Tochter Jephtas und in dem Gedicht Jude und Christ, beschäftigte sich Robert mit dem Judentum in Deutschland und thematisierte dabei vor allem die Stellung der Juden als Außenseiter in der deutsch-christlichen Gesellschaft. Er arbeitete als Feuilletonist für die Intellektuellen-Zeitschrift Morgenblatt für gebildete Stände von Johann Friedrich Cotta, als Librettist für bekannte Komponisten wie Anselm Weber, Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn Bartholdy sowie als Übersetzer französischer Bühnenwerke ins Deutsche und umgekehrt. 1813/1814 weilte Robert als Attaché der russischen Gesandtschaft am württembergischen Hof in Stuttgart.

1816 kam Robert erstmals nach Karlsruhe, um seine Schwester Rahel Varnhagen zu besuchen. Hier lernte er Friederike Primavesi kennen, die Schwester des Karlsruher Verlegers Gottlieb Braun. Seit 1818 ein Paar, half Robert ihr 1820 bei der Scheidung von ihrem gewalttätigen Ehemann, einem italienischen Schmuckhändler. Zwei Jahre später heiratete er Friederike Braun, wofür er 1819 den evangelischen Glauben angenommen hatte. Unter dem Eindruck der in Karlsruhe besonders heftig aufgetretenen antisemitischen Hepp-Hepp-Unruhen verließ das Paar Baden und lebte anschließend ohne festen Wohnsitz in Dresden, Paris und Berlin.

Unterdessen waren Roberts Lustspiel Kassius und Phantasus oder Der Paradiesvogel am 16. Oktober 1821 und Friedrich Ernst Fescas Oper Omar und Leila, für die er das Libretto geschrieben hatte, am 24. und 26. August 1823 im Großherzoglichen Hoftheater Karlsruhe uraufgeführt. Weitere seiner Werke, die den Weg auf die Karlsruher Bühne fanden, waren das Lustspiel Blind und lahm und das Trauerspiel Die Macht der Verhältnisse.

Ab Herbst 1824 lebte Robert wieder überwiegend in Karlsruhe, seinen letzten Wohnsitz nahm er im Herbst 1831 in Baden-Baden. Zum Tod Goethes brachte er kurz vor seinem Tod das Festspiel Zu Goethe's Todtenfeier im Karlsruher Hoftheater auf die Bühne.

René Gilbert 2015

Werk

Die Sylphen, Oper 1806; Die Tochter Jephtas, Trauerspiel 1811; Die Macht der Verhältnisse, Trauerspiel 1815; Kämpfe der Zeit, Gedichtsammlung 1817; Blind und lahm, Lustspiel 1819; Der erste April, Lustspiel 1823; Es wird zur Hochzeit gebeten oder Die Nichtigen, Lustspiel 1823; Staberl in höheren Sphären, Posse 1826; Zu Goethe's Todtenfeier, Festspiel 1832; Der Waldfrevel, Schauspiel 1835; Ludwig Robert's Gedichte, hrsg. von Karl August Varnhagen von Ense, 2 Bde., Mannheim 1838; Ein Schicksalstag in Spanien, Schauspiel 1839; Der Väter Schuld, Erzählung 1849; Das Töchterhaus, Erzählung 1850; Die Wahrsagung, Erzählung 1850.

Literatur

Wilhelm Haape: Ludwig und Friderike Robert – eine Baden-Badener Erinnerung, Karlsruhe 1896; Wilhelm Engelbert Oeftering: Geschichte der Literatur in Baden. Ein Abriß Bd. 2, Karlsruhe 1937, S. 45-47; Miriam Sambursky: Ludwig Roberts Lebensgang, in: Bulletin des Leo Baeck Instituts NF, Nr. 52 (1976) S. 1-22; Peter Pretsch: Juden im Karlsruher Kulturleben des 19. und ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, in: Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung, hrsg. von Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt, Karlsruhe 1988, 1990², S. 345-372, hier S. 347-349 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 8) ; Nikolaus Gatter: Robert, Ernst Friedrich Ludwig, in: Neue Deutsche Biographie (NDB) Bd. 21, Berlin 2003, S. 679 f.