Walter Born, um 1939, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS IV 68/15.

Walter Born

Staatskapellmeister, * 2. Oktober 1910 Karlsruhe, † 12. Mai 1973 Karlsruhe, kath., ∞ Ingeborg Markau, kinderlos.

Nach Abschluss seiner musikalischen Ausbildung an den Konservatorien in Karlsruhe und München kam Walter Born, Sohn eines Milchhändlers, der eigentlich Pianist werden wollte, im September 1933 als Solorepetitor an das Badische Staatstheater. Unter wechselnden Generalmusikdirektoren hielt er dem Haus seiner Heimatstadt die folgenden 40 Jahre die Treue. In seiner Anfangszeit hatte Born die musikalische Leitung der Opern und Operetten inne, von denen Die ungarische Hochzeit von Nico Dostal, Der Barbier von Sevilla von Gioachino Rossini und Die verkaufte Braut von Bedřich Smetana zu seinen häufigsten Aufführungen zählten. Ab 1941 leistete Born Heeresdienst bei der Luftgau-Flakartillerie-Schule 7 in München und beim Flakschießstab in Friedrichshafen, zuletzt im Rang eines Obergefreiten. Nach Kriegsende beteiligte er sich am Wiederaufbau des Badischen Staatstheaters und wurde 1945 zum Ersten Opernkapellmeister ernannt.

Wegen seiner Mitgliedschaft in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) von 1939-1945 wurde Born von der Spruchkammer Karlsruhe im August 1946 als Mitläufer eingestuft und zu einer Geldsühne von 300 Reichsmark verurteilt. Nach einer Überprüfung durch das Ministerium für politische Befreiung Württemberg-Baden wurde die Strafe aufgehoben und das Verfahren gegen Born im Mai 1947 eingestellt.

Neben seiner Karlsruher Bühnenarbeit wirkte Born von 1953-1961 als Studienleiter bei den Bayreuther Festspielen. Darüber hinaus hatte er Dirigentengastspiele bei den Münchener und Bamberger Philharmonikern, beim Schweizer Rundfunk und im Salzburger Mozarteum. Hinzu kamen Schallplattenaufnahmen, Operninszenierungen mit dem Stuttgarter Rundfunkorchester sowie Gastinszenierungen in Neapel, Barcelona, Nancy, Venedig und Luxemburg. 1962 folgte die Beförderung zum Staatskapellmeister.

Born war seit seiner Jugend auch ein hervorragender Pianist und begleitete Kammersängerinnen wie Hertha Töpper, Erika Köth oder Ilse Hollweg auf diesem Instrument. Gemeinsam mit der Sopranistin Marianne Schech wirkte er bei der Uraufführung der Lieder vom Baum und Wald von Joseph Haas im Bayerischen Rundfunk mit.

Während einer Aufführung der Oper Madame Butterfly erlitt Born am Dirigentenpult einen Herzinfarkt, an dem er auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 57b/19, 31, 57b/Zugang 2009-98/271, 465h/14991; StadtAK 7/Nl Zollner 583, 589.

Literatur

Franz Josef Wehinger: Walter Born, in: Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1973, hrsg. von der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger, Hamburg 1974, S.115 f.; N.N.: Ein Leben für die Karlsruher Oper. Ihr ruhender Pol in vier Jahrzehnten. Zum Tode von Staatskapellmeister Walter Born, in: BNN vom 14. Mai 1973; Joachim Draheim: Karlsruher Musikgeschichte, Karlsruhe 2004, S. 37, 142.