Badisches Konservatorium in der Jahnstraße 20, 1980, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A40/97/1/3.

Badisches Konservatorium

Das von Heinrich Ordenstein unter dem Protektorat von Großherzogin Luise von Baden gegründete und am 15. September 1884 in der Sophienstraße 11 eröffnete "Conservatorium für Musik" richtete sich mit seinem Ausbildungsprogramm sowohl an angehende Künstler als auch an Laien. Es gliederte sich daher in zwei Ausbildungszweige, in einen professionellen für angehende Berufsmusiker und Musikpädagogen und einen elementaren für Laien.

Zum zehnjährigen Jubiläum 1894 bezog die Einrichtung einen nach Plänen von Hermann Weis auf dem Anwesen von Ordenstein in der Sophienstraße 35 errichteten Neubau, der neben Unterrichts- und Übungsräumen auch über zwei Konzertsäle, einen Orchester- und einen Chorsaal verfügte. Im selben Jahr wurde dem Großherzoglichen Konservatorium eine Theaterschule angegliedert, die den praxis- und theoriebezogenen Lehrplan um Fächer wie Vortrag, Mimik und Bühnentechnik ergänzte. Als 1910 die 1837 gegründete Musikbildungsanstalt integriert wurde, stieg die Schülerzahl auf rund 1.000 an. Im selben Jahr vermachte Ordenstein, der bis zu seinem Tode 1921 der Einrichtung vorstand, der Stadt sein Anwesen in der Sophienstraße mit Konservatorium und Wohnhaus, um den Fortbestand seines Lebenswerks zu sichern.

Unter seinem Nachfolger Heinrich Kaspar Schmid (1921-1924) rückte mit der Gründung einer Singschule die Stimmbildung in den Mittelpunkt der Ausbildung. Unter Franz Philipp, der von 1924-1941 die Einrichtung leitete, erweiterte sich das Angebot um eine Badische Orgelschule, ein Badisches Kammerorchester und einen Badischen Kammerchor sowie um ein Seminar für das Künstlerische Lehramt an höheren Schulen und ein Institut für katholische Kirchenmusik.

1929 fusionierten die Ausbildungsklassen mit dem Künstlerischen Lehramtsseminar für höhere Schulen zur Badischen Hochschule für Musik, wodurch die beiden bisherigen Ausbildungszweige zu zwei eigenen Instituten unter einer gemeinsamen Leitung wurden. Das Konservatorium für Musik wurde am 24. November 1938 der im November 1937 vom Deutschen Volksbildungswerk "Kraft durch Freude", von der Hitlerjugend und Vertretern der Reichsmusikkammer gegründeten städtischen Musikschule für Jugend und Volk einverleibt. 1942 wurde das Gebäude in der Sophienstraße bei einem Luftangriff zerstört. Von Januar 1943 bis Kriegsende war die Musikschule im Haus Solms untergebracht.

Von 1945-1955 wurden Badisches Konservatorium und Musikhochschule in der Jahnstraße 18-20 noch ein letztes Mal als eine gemeinsame, staatlich anerkannte Anstalt unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Wilhelm Rumpf geführt. Mit der Berufung von Walter Rehberg zum Direktor der Musikhochschule 1955 kam es zur endgültigen Trennung der beiden Institute. Rumpf, der seit 1945 besonders den Ausbau des Konservatoriums als Ausbildungsstätte für musikalische Laien vorantrieb, stand bis 1964 der Einrichtung vor. Nach der kommissarischen Leitung durch Eduard Volbach (1964-1968) übernahmen Alexander Furtwängler von 1968-1989 und Eva Szameitat von 1989-1995 die Leitung.

Seit 1996 steht Doris Giebeler dem Konservatorium vor, das wegen der großen Nachfrage bereits 1984 weitere Räumlichkeiten in der Kaiserallee 11 beziehen musste. Rund 90 Lehrkräfte zeichnen heute für die musikalische Bildung von mehr als 3.000 Schülern verantwortlich.

Katja Förster 2014

Quelle

Karlsruher Adressbücher 1945/46 ff. https://digital.blb-karlsruhe.de/Drucke/topic/view/485648 (Zugriff am 27. Dezember 2020).

Literatur

100 Jahre Badisches Konservatorium Karlsruhe. Festschrift zur Erinnerung an die Gründung am 15. September 1884. Zusammengestellt und redigiert von Dr. Claus Canisius, Karlsruhe 1984; Joachim Draheim: Karlsruher Musikgeschichte, hrsg. von Friedrich Georg Hoepfner, Karlsruhe 2004.