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Josef Alois Krips


Josef Alois Krips

Josef Krips bei seinem Besuch in Karlsruhe im Mai 1956, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger B6/164/2.
Josef Krips bei seinem Besuch in Karlsruhe im Mai 1956, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger B6/164/2.

Dirigent, Musiker, * 8. April 1902 Wien, † 13. Oktober 1974 Genf, kath., ∞ 1. 1925 Maria Haller, geb. Rotsch; 2. 1947 Marianne (Maria, Mitzi) Weinlinger, geb. Willheim; 3. 1969 Harrietta Procházka.

Der Sohn eines jüdischen Arztes, der 1901 zum Katholizismus konvertiert war, erhielt schon früh Klavier-, Violin- und Gesangsunterricht. Anfang 1920 wurde Krips Schüler von Felix Weingartner, der seit Herbst 1919 die Wiener Volksoper leitete. 1920/21 studierte er außerdem noch Musiktheorie an der Wiener Staatsakademie für Musik und darstellende Kunst. Ab 1921 war er dann Korrepetitor (Klavierbegleiter) und ab 1922 Chorleiter und Kapellmeister an der Wiener Volksoper. Zum Herbst 1924 wurde Krips Erster Kapellmeister am Stadttheater Aussig (heute Tschechien) und zum Herbst 1925 Zweiter Kapellmeister am Stadttheater Dortmund.

Zum 1. September 1926 wechselte Krips als Erster Kapellmeister an das Badische Landestheater in Karlsruhe. Generalmusikdirektor Ferdinand Wagner, der erst seit der Spielzeit 1925/26 am Landestheater tätig war, war mit nur 28 Jahren am 21. Juli 1926 überraschend verstorben. Dass sich der erst 24-jährige Josef Krips gegen 81 Bewerber, darunter Karl Böhm, Paul von Klenau, Fritz Stiedry, George Szell, Felix Weingartner und Alexander von Zemlinsky, durchsetzte, lag vor allem daran, dass der Verwaltungsrat des Badischen Landestheaters aufgrund der angespannten Finanzlage von den prominenteren Dirigenten Abstand nahm.

Bereits am 17. Dezember 1926 wurde der zunächst auf ein Jahr abgeschlossene Vertrag mit Krips auf fünf Jahre, bis Ende August 1931, verlängert und ihm zugleich die Amtsbezeichnung Generalmusikdirektor verliehen. Damit war er der jüngste Generalmusikdirekter in Deutschland.

Krips setzte die Wagner-Tradition, die unter Hofkapellmeister Josef Strauß und Generalintendant Eduard Devrient in den 1850er-Jahren begonnen hatte, und dann unter Hermann Levi und Felix Mottl weitergeführt worden war, fort. Neben sämtlichen gängigen Komponisten dirigierte Krips häufig auch Opern von Richard Strauss (Ariadne auf Naxos, Rosenkavalier, Salome, Die Frau ohne Schatten) sowie zeitgenössische Stücke von Béla Bartók, Paul Hindemith und anderen. Bei der Karlsruher Erstaufführung von Bartóks Rhapsodie für Klavier und Orchester unter der Leitung von Krips am 11. März 1929 saß Bartók selbst am Flügel.

Im Februar 1928 war der Vertrag mit Krips bis Ende August 1936 verlängert worden. Wegen seiner halbjüdischen Herkunft wurde er am 25. April 1933 gemäß §§ 3, 7 und 15 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums auf Ende August 1933 aus dem badischen Staatsdienst entlassen. Die Nachricht erreichte ihn in Wien, wo er Anfang Mai ein Gastdirigat an der Wiener Staatsoper übernommen hatte. In den folgenden Wochen konnte er eine Anstellung als Kapellmeister an der Wiener Staatsoper zum 1. Juli 1933 erwirken, so dass er bereits zum 30. Juni 1933 seinen Posten räumte. Als Österreich im März 1938 an das Deutsche Reich angeschlossen wurde, verlor er auch diese Stelle und wurde mit Berufsverbot belegt.

Als „Entlasteter“ war Krips nach Kriegsende 1945 maßgebend am Wiederaufbau des Wiener Musiklebens beteiligt, sowohl als Dirigent der Wiener Staatsoper als auch der Wiener Philharmoniker. Nach 17 Jahren kehrte er Mitte Januar 1950 noch einmal als Gastdirigent an das Badische Staatstheater Karlsruhe zurück und wurde von Publikum und Presse begeistert gefeiert. Im selben Jahr wurde er Chefdirigent des London Symphony Orchestra, ab 1954 des Buffalo Philharmonic Orchestra und ab 1963 des San Francisco Symphony Orchestra.

Katja Förster 2026

Quellen

GLA 235/1342 (Personalakte); Amtliche Theaterzettel des Badischen Landestheaters Karlsruhe von 1926-1933 in der BLB (digitalisiert).

Literatur

Erwin Strouhal: Josef Krips, in: Gedenkbuch für die im Nationalsozialismus verfolgten Angehörigen der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, 2024; Dietrich Kröncke: Richard Strauss und die Juden. Jüdische Freunde, Dichter und Musiker. Die Jahre 1933-1949, Bd. I, S. 231 f.; Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 9. Dezember 1949 (Stadtnotizen); Badisches Staatstheater: Höhepunkt bisheriger Symphoniekonzerte. Josef Krips und Eduard Erdmann als Gäste, in: BNN vom 17. Januar 1950, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/titleinfo/6351994 (Zugriff am 3. August 2026).