Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1538.

Josef Strauß

Dirigent, Komponist, Violinist, * 15. Mai 1793 Brünn/Tschechien, † 1. Dezember 1866 Karlsruhe.

Obwohl Strauß als Sohn eines ehemaligen Konzertmeisters eine außergewöhnliche Begabung für das Violinspiel zeigte, wollte der Vater ihn in einem wissenschaftlichen Beruf sehen. Erst nach seinem Tod 1803 und der Übersiedlung der Mutter in die Musikmetropole Wien 1805 stand seiner Karriere als Musiker nichts mehr im Wege. Ein Soloauftritt am Theater an der Wien 1805 führte zur Anstellung des jungen Violinisten im dortigen Orchester. Unterricht in Violine, Harmonielehre und Komposition bei bekannten Musikern vervollständigte seine Ausbildung. Zwischen 1817 und seiner Berufung zum Musikdirektor der Badischen Hofkapelle durch Großherzog Ludwig I. 1824 hatte Strauß als Kapellmeister, Violinist und Komponist in Budapest, Temeswar, Hermannstadt, Brünn, Mannheim, Freiburg und Straßburg gewirkt. Ein Konzert in Karlsruhe während seines Engagements in Mannheim, bei dem er auch eigene Kompositionen dirigierte, veranlasste Großherzog Ludwig durch Kabinettsorder seinen Vertrag mit der Mannheimer Intendanz aufzulösen und ihn im März 1824 zum Direktor der Karlsruher Hofkapelle zu ernennen.

Das musikalische Niveau am Hoftheater Karlsruhe hatte durch den altersschwachen Kapellmeister Franz Danzi und den ständig kränkelnden Konzertmeister Friedrich Ernst Fesca sehr gelitten. Daher begann Strauß unmittelbar nach Amtsantritt mit der Reorganisation von Hofkapelle und Musiktheater, indem er hervorragende Instrumentalisten und Sänger nach Karlsruhe holte und den Chor regenerierte. Bereits nach wenigen Jahren konnte das Hoftheater mit den führenden Opernbühnen in Deutschland konkurrieren. Hierzu trugen vor allem die mehrjährigen Engagements von Anton Haizinger (Tenor), Josef Reichel (Bass), Beatrix Fischer-Schwarzenböck und Anna Zerr (Sopran) bei. Mit Genehmigung von Großherzog Leopold übernahm Strauß 1840 vorübergehend die Leitung der Deutschen Oper in London.

Auch wenn ihm die Doppelfunktion von Konzert- und Kapellmeister seit Mitte der 1820er-Jahre wenig Zeit zum Komponieren ließ, verfasste er in seiner 40-jährigen Theaterlaufbahn, die am 29. Mai 1864 mit der Aufführung Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte" endete, für das Karlsruher Hoftheater die Opern "Armiodan" (1826), "Zelide", "Berthold der Zähringer" (1835), "Die Schlittenfahrt von Nowgorod" (1862) und "Der Wehrwolf". Des Weiteren schuf er zwei Sinfonien, mehrere Kompositionen für Kammermusik und das "Te Deum" anlässlich der Gedächtnisfeier von Großherzog Karl Friedrich.

Katja Förster 2014

Literatur

Constant von Wurzbach-Tannenberg: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche seit 1750 in den österreichischen Kronländern geboren wurden oder darin gelebt und gewirkt haben, Bd. 39, Wien 1879, S. 359-362; Heinrich Giehne: Josef Strauß, in: Badische Biographien, Bd. 2, hrsg. von Friedrich von Weech, Heidelberg 1875, S. 328-331 https://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/periodical/titleinfo/246264 (Zugriff am 23. Dezember 2020).