Karl Biese

Maler, Lithograph, * 19. September 1863 Wandsbek/Hamburg, † 19. November 1926 Tübingen, ev., ∞ 1896 Ellen Radde (1865–1939), 5 Kinder.

Karl Biese absolvierte nach Abschluss der Volksschule ab 1878 eine Lehre zum Anstreicher. Nach der Gesellenprüfung 1882 arbeitete der Sohn eines Vertreters als Theatermalergehilfe und besuchte die Hochschule für Maler und die Gewerbeschule. Sein künstlerisches Talent verhalf ihm 1884 zu einem Stipendium für ein Studium an der Großherzoglich Badischen Kunstschule in Karlsruhe. 1886 kehrte Biese nach Hamburg zurück, legte dort die Meisterprüfung im Malerhandwerk ab und machte sich im Folgejahr mit einem Malergeschäft selbstständig. 1892 verkaufte er dieses und ging zurück nach Karlsruhe als Meisterschüler von Gustav Schönleber, bei dem er bereits studiert hatte.

1896 gehörte Biese zu den Mitbegründern des Karlsruher Künstlerbunds, zu dessen bedeutendsten Vertretern er wegen seiner herausragenden Lithographien avancierte. 1899 bezog er zusammen mit seiner Frau und der eben geborenen einzigen Tochter das Schloss Augustenburg in Grötzingen. Als freischaffender Künstler schloss er sich der Grötzinger Malerkolonie an, welche damals Schloss Augustenburg bewohnte. Viel Wert auf seine persönliche Freiheit legend, lehnte Biese zu dieser Zeit eine Berufung an die Kunstakademie Magdeburg ab. 1902 gestaltete er das Titelblatt des Programmhefts zum Festspiel Des Landes Huldigung anlässlich des 50-jährigen Regentschaftsjubiläums Großherzog Friedrichs I. von Baden. Im folgenden Jahr zog Biese wieder in die Fächerstadt und von dort 1907 nach St. Märgen im Hochschwarzwald. Zwei Jahre später lebte er vorübergehend in seiner norddeutschen Heimat, bevor er 1911 wieder nach Süddeutschland ging und in Freudenstadt ansässig wurde. Seinen Lebensabend verbrachte Biese, der zeitlebens an schweren Depressionen litt und phasenweise arbeitsunfähig war, in Tübingen.

Biese hat sich insbesondere durch seine Landschaftsbilder einen Namen gemacht. Die Themen seiner heute überwiegend in Privatbesitz befindlichen Werke, zu denen Ölgemälde, Aquarelle und Lithographien gehören, schöpfte er aus dem ihn jeweils umgebenden Naturraum, die Gegend um Karlsruhe und Grötzingen, die norddeutsche Tiefebene und vor allem die Höhenzüge des Schwarzwalds, in den er stets zurückkehrte und dessen Landschaft ihm 1910 als Motiv für die Illustration des 15. Bands von Ernst Webers Reihe Der deutsche Spielmann. Eine Auswahl aus dem Schatz deutscher Dichtung für Jugend und Volk diente. Seine stimmungsvoll-schlichten Schneebilder der Schwarzwaldregion, die sich beim Publikum großer Beliebtheit erfreuten, brachten ihm den Beinamen Schnee-Biese ein. 1959 wurde in Grötzingen die Biesestraße nach ihm benannt.

René Gilbert 2015

Quellen

StadtAK 8/ZGS Persönlichkeiten – Biese, Karl; GLA 69 Baden, Sammlung 1995 F I Nr. 193,50; 56/1239; J-B Karlsruhe 55 und 83.

Werk

Hünengrab in der Heide, Farblithographie 1901; Parktor, Farblithographie 1908; Aufziehendes Gewitter im Schwarzwald, Farblithographie; Winterlandschaft, Aquarell auf Bleistift (alle drei Staatliche Kunsthalle Karlsruhe); Am Schloß, Farblithographie um 1908; Schlosskirche, Farblithographie um 1908 (beide Generallandesarchiv Karlsruhe); Scheidender Tag, Farblithographie 1895; Verschneites Bauerngehöft, Aquarell; Ein Mairegen im Schwarzwald, Aquarell.

Literatur

Leo Mülfarth: Kleines Lexikon Karlsruher Maler, Karlsruhe 1987, S. 26; Rudolf Theilmann: Biese, Karl: in: Badische Biographien NF, Bd. III, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1990, S. 47 f. https://www.leo-bw.de/detail/-/Detail/details/PERSON/kgl_biographien/116167319/Biese+Karl (Zugriff am 15. März 2022); Kerstin Bütow/Siegfried Rombach: Sankt Märgen – Eine Spurensuche, zehn Begegnungen, Sankt Märgen 2004, S. 79-85.