Postkarte mit Zeichnung der Augustenburg von Jenny Fikentscher, Druck Kunstdruckerei Künstlerbund, 1901, Pfinzgaumuseum Durlach U I 2383.
Plakat zum Jubiläumsmusikfest in der Festhalle und im Museumssaal, Druck Kunstdruckerei Künstlerbund, Oktober 1906, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS X 595.

Künstlerbund Karlsruhe

Mit Gustav Schönleber, seit 1880 Professor für Landschaftsmalerei, und Hermann Baisch, seit 1881 Professor für Tiermalerei, fand die zeitgemäße Pleinairmalerei auch Eingang in die Großherzogliche Kunstschule Karlsruhe. Von dieser neuen Art des Sehens und Arbeitens in der heimatlichen Umgebung fasziniert, bildete sich ab 1889 mit Friedrich Kallmorgen, Gustav Kampmann, Otto Fikentscher, Franz Hein, Karl Biese und anderen die Grötzinger Malerkolonie. Alle genannten Künstler waren Mitglied der Kunstgenossenschaft Karlsruhe, die sich zu Beginn der 1860er-Jahre als Ortsverein der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft konstituiert hatte. Mit der Betonung einer regionalen Kunst traten sie jedoch zum Gros der Vereinsmitglieder, das sich in seinen Bildern einem überregionalen Patriotismus verpflichtet fühlte, zunehmend in Opposition.

Während der Vorbereitungen für die Große Berliner Ausstellung anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der dortigen Akademie wurde der achtköpfigen Jury, bestehend aus Julius Bergmann, Carlos Grethe, Leopold Graf von Kalckreuth, Friedrich Kallmorgen, Robert Poetzelberger, Georg Tyrahn, Hans von Volkmann und Wilhelm Volz, unlauteres Verhalten vorgeworfen, worauf diese (bis auf Volz) und weitere 17 Künstlerkollegen am 16. April 1896 aus der Karlsruher Kunstgenossenschaft austraten.

Am 25. April gründeten die "Sezessionisten" den Künstlerbund Karlsruhe, der Anfang Juni 1896 bereits 45 Mitglieder verzeichnete, darunter Hermann Billing, Walter Conz, Hellmut und Otto Eichrodt, Otto Fikentscher, Franz Hein, Carl Hoff, Gustav Kampmann, Max Lieber, Paul von Ravenstein, Wilhelm Sauer, Viktor Weishaupt sowie die drei Malerinnen Margarethe Hormuth-Kallmorgen, Emilie Stephan und Fanny Weishaupt.

Die Anfeindungen und Behinderungen seitens des konservativen Künstlerkreises um Ferdinand Keller und Caspar Ritter veranlassten Kalckreuth, Grethe und Poetzelberger 1899, Karlsruhe und damit auch dem Künstlerbund den Rücken zu kehren und als Lehrer an die Königliche Kunstschule in Stuttgart zu wechseln. Dafür konnte Hans Thoma, seit 1899 Direktor der Karlsruher Gemäldegalerie (Kunsthalle) und Professor für Malerei an der Kunstschule, als neues Bundmitglied gewonnen werden.

Auf Betreiben von Kalckreuth und Grethe war dem Künstlerbund schon 1897 eine eigene Druckerei für Künstler-Steinzeichnungen angegliedert worden, welche Carl Langhein, Bundmitglied und Lithograf, leitete. Da die Kunstdruckerei Karlsruher Künstlerbund (KKK) sowohl exklusive handsignierte Farblithografien als auch kommerzielle Drucksachen aller Art für Industrie und Handel produzierte, profitierten die Mitglieder sowohl von einer wachsenden Popularität als auch von einem wirtschaftlichen Erfolg.

Der Bruch mit der Karlsruher Kunstgenossenschaft hinderte den Künstlerbund nicht daran, dieselben großen korporativen Ausstellungen inner- und außerhalb Deutschlands zu beschicken. Spätestens 1903 – Volkmann hatte in diesem Jahr von Hein den Vorstand übernommen – trat der Karlsruher Künstlerbund als eigenständiger Ortsverein wieder der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft bei. Im Vereinsverzeichnis der Karlsruher Adressbücher wurde er künftig unter seinem Eigennamen und als Ortsverein Karlsruhe II der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft angeführt.

Im Gegensatz zum alteingesessenen Ortsverein I der Kunstgenossenschaft wurde vom Künstlerbund aufgrund seines druckgrafischen Schaffens in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts regelmäßig in der deutschen Presse berichtet. Nach Kallmorgen, Kalckreuth, Hein, Volkmann und Max Lieber war Hans Schroedter, der Neffe von Adolf und Alwine Schroedter, 1911 erster Vorsitzender des Bundes und damit auch des Karlsruher Ortsvereins II der Kunstgenossenschaft geworden. Für externe Berichterstatter war die Kongruenz von Künstlerbund und Ortsverein II oder auch der Unterschied zwischen Karlsruher Ortsverein I und II der Kunstgenossenschaft nicht ersichtlich. So zitierte der Pforzheimer Anzeiger am 7. April 1915 die Kunstchronik des E. A. Seemann Verlags, Leipzig, welche berichtete, dass unter den bekannten deutschen Künstlern, die neuerdings dem Ruf zu den Waffen gefolgt seien, sich auch Hans Schroedter, Vorsitzender des Karlsruher Ortsvereins der Kunstgenossenschaft, befinde.

Katja Förster 2021

Quellen

Karlsruher Zeitung vom 9. Juni 1896, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/date/day/1790223?d=1896-06-09 (Zugriff am 1. August 2021); Allgemeine Zeitung [München], Jg. 103, 28. Juli 1900 (Die Jahresausstellung im Münchener Glaspalast), Karlsruher Adressbücher 1899 ff.; Emil Rudolf Weiß: Künstlerbund Karlsruhe. Der Bund und seine neuen Ziele, in: Kunst und Dekoration, Bd. 3, Oktober 1898-März 1899, S. 57-59.

Literatur

Kunst in Karlsruhe 1900-1950, hrsg. von der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, Karlsruhe 1981; Farblithographien des Karlsruher Künstlerbundes um 1900. Eine Initiative gegen den Öldruck, hrsg. von der Städtischen Galerie, Karlsruhe 1987.