Friedrich Fehr, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 340.

Friedrich Eduard Fehr

Maler, Graphiker, * 24. Mai 1862 Werneck/Lkr. Schweinfurt, † 26. September 1927 Polling/Lkr. Weilheim-Schongau, kath., ∞ 1897 Berta Steinberg, verw. Roloff (1868-1957), kinderlos.

Nach dem Besuch des Realgymnasiums Würzburg absolvierte Friedrich Eduard Fehr, der Sohn eines Notars, 1878-1884 ein Studium an der Kunstakademie München. Durch seine Lehrer Alexander Strähuber, Gyula Benczur und Ludwig von Löfftz erhielt er eine gründliche Ausbildung in der Grundlagen-, Historien-, Portrait- und Landschaftsmalerei. Dank eines Stipendiums verbrachte Fehr die Jahre 1885-1890 in Italien, wo zahlreiche Gemälde entstanden, die in idealisierter Form den Alltag der bäuerlich-ländlichen Bevölkerung zeigen.

Zurück in Deutschland unterrichtete Fehr bis 1899 zusammen mit Ludwig Schmid-Reutte und Paul Nauen an einer privaten Malschule in München, deren Leitung er nach einiger Zeit übernahm. Zu seinen Schülern gehörten dort unter anderen Emil Nolde und Clara Rilke-Westhoff. 1899 folgte Fehr dem Ruf auf eine Professur an die Karlsruher Kunstakademie, wo er bis 1923 als Leiter der Malklasse lehrte und Alexander Kanoldt sowie Wladimir Zabotin zu seinen Schülern zählten. 1904-1919 hatte Fehr zusätzlich die Leitung der Klasse für figürliches Malen an der Karlsruher Malerinnenschule inne.

Als es 1896 aufgrund kulturpolitischer Differenzen zwischen Karlsruher Kunstschaffenden zur Gründung des Karlsruher Künstlerbundes kam, machte sich Fehr zur Vermeidung tieferer Gräben um die Kontinuität der künstlerischen Ausbildung durch seine Förderung von Lithographie und Radierung verdient. Sein eigenes künstlerisches Schaffen war in seiner Karlsruher Zeit geprägt durch eine Erweiterung seiner Sujets um Gesellschaftsszenen, Interieurs und Genreszenen im Stil niederländischer Meister. Auch strebte er in seinen Bildern die Verbindung der bis zu diesem Zeitpunkt gewöhnlich separat gemalten Darstellungen von Landschaften, Portraits und Interieurs zu einem neuen Bildtypus an. Dies fand insbesondere in seinen Soldaten- bzw. Kriegsbildern Ausdruck, die er, von der Lehrtätigkeit beurlaubt, ab 1915 an der Ostfront anfertigte. 1924 verließ er Karlsruhe und zog mit seiner Familie ins oberbayerische Polling.

Fehrs Konterfei ziert einen der Wasserspeier des Brunnens auf dem Karlsruher Stephanplatz.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 466-22/4384, J-H Sammelblatt 1 Nr. 5, 498-1/7898.

Werk

Italienische Blumenverkäuferin, Öl auf Holz 1885; Balletteuse im Atelier, Öl auf Leinwand 1890 (Museum im Kulturspeicher Würzburg); Mädchen mit Sonnenblume, Pastell auf Leinwand 1895; Dämmerung, Öl auf Leinwand 1902 (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe); Kameraden, Öl auf Leinwand 1918; Blick auf ein süddeutsches Kirchdorf, Öl auf Leinwand 1923; Wanderer im Gebirge, Öl auf Leinwand 1925; Trommelnder Kavallerist zu Pferde, Öl auf Leinwand 1927.

Literatur

Joseph August Beringer: Badische Malerei 1770-1920, Karlsruhe 1922, S. 78, 241; Ulrich Thieme (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart Bd. 11, Leipzig 1915, S. 345; Leo Mülfarth: Kleines Lexikon Karlsruher Maler, Karlsruhe 1987, S. 154; Heinz Otremba: Friedrich Fehr – ein Maler und Grafiker aus Werneck, Werneck 2006 (= Landeskundliche Schriftenreihe des Historischen Vereins Markt Werneck e.V. zur Geschichte des Oberen Werntals Bd. 14); Clemens Ottnad: Friedrich Eduard Fehr, in: Badische Biographien NF Bd. VI, hrsg. von Fred Ludwig Sepaintner, Stuttgart 2011, S. 106-108.