Hermann Goebel, um 1935, Foto aus Begleitheft einer Ausstellung der Städtischen Galerie Karlsruhe anlässlich des 100. Geburtstags Hermann Goebels 1984/95.

Hermann Goebel

Maler, * 8. April 1885 Dormagen, † 9. März 1945 Dobel/Lkr. Calw , kath., ∞ 1910 Elise Link, 1 Sohn.

Hermann Goebel, dessen künstlerisches Talent bereits in der Schule erkannt worden war, besuchte auf Anraten seines Zeichenlehrers und mit Unterstützung seiner Eltern – sein Vater war Apotheker – nach beendeter Schulausbildung ab dem Frühjahr 1905 die Großherzoglich-Badische Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Ludwig Schmid-Reutte. 1907-1910 war er Meisterschüler von Wilhelm Trübner. 1908/09 führten ihn Studienreisen nach Italien, Frankreich und Spanien, in die Niederlande sowie nach Belgien. Nach Abschluss des Studiums bezog der eben Vermählte 1910 als freischaffender Künstler ein Wohnhaus nahe der im Neckartal gelegenen Burg Ehrenberg bei Heinsheim. In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche dem Impressionismus zuzuordnende Gemälde und Aquarelle, durch die er seinen Ruf als bedeutender südwestdeutscher Maler von Landschaften und Stillleben erwarb.

1914, kurz nachdem er (bis 1920) Mitglied der Berliner Künstlergruppe Freie Secession geworden war, wurde Goebel zum Kriegsdienst einberufen und kämpfte als badischer Leibgrenadier in Frankreich. Eine Verwundung am rechten Oberarm im Herbst 1914 führte zur Kriegsuntauglichkeit und Versetzung in die Postüberwachungsstelle Karlsruhe. Seine Kriegserfahrungen hielt er in Lithographien und Briefen fest, die in der damals führenden deutschen Kunstzeitschrift "Kunst und Künstler" veröffentlicht wurden.

Nach Kriegsende zog Goebel mit seiner Familie nach Ettlingen. 1920 wurde er als Professor und Meisterlehrer an die Badische Landeskunstschule berufen. Zwei Jahre später erfolgte der Umzug nach Karlsruhe. Goebel beschränkte sich nicht auf die Vermittlung und Weitergabe der künstlerischen Fertigkeiten an seine Schüler, zu denen Willy Huppert, Max Eichin und Willi Kümpel gehörten, sondern strebte durch das Ausprobieren neuer Techniken die Weiterentwicklung seiner eigenen Malkunst an. Neben einigen wenigen Stillleben überwiegen in Goebels späterem, expressionistisch beeinflussten Werk Landschafts- und Gartenbilder.

In den 1920er-Jahren unternahm Goebel Reisen nach Spanien, Italien, Paris und Südfrankreich, an bayerische Seen und an die Nordsee. 1927 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Badischen Secession und verblieb bis zum April 1933 in deren Vorstand, ehe er im Mai wegen künstlerischer Diskrepanzen aus der Künstlergruppe ausgeschlossen wurde. 1929–1932 amtierte Goebel als Direktor der Landeskunstschule, der er auch nach 1933 – freilich unter Zurückstufung zum einfachen Klassenlehrer – erhalten blieb. Erst 1941 erhielt Goebel seine Professur zurück. Ab Mitte der 1930er-Jahre zog es ihn in den Semesterferien regelmäßig nach Dobel, wo er eine Wochenendwohnung besaß. Nach der Zerstörung seines Ateliers in der Akademie durch einen Luftangriff im Herbst 1944, bei dem circa 50 Gemälde und 200 graphische Arbeiten vernichtet wurden, machte er Dobel auch zu seinem festen Wohnsitz.

René Gilbert 2015

Quellen

StadtAK 8/ZGS Persönlichkeiten – Goebel, Hermann; GLA 235/6020.

Werk

Junggesellenzimmer, Öl auf Leinwand 1912; Hof im Schnee, Öl auf Leinwand 1913; Badesteg am Starnberger See, Öl auf Leinwand 1924; Fronleichnamsprozession am Karlstor in Karlsruhe, Aquarell über Bleistift 1924; Gartenstück, Pastell 1929 (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe); Scheffelstraße in Karlsruhe, Öl auf Leinwand 1913; Erbgroßherzogliches Palais im Winter, Aquarell über Bleistift 1923 (Städtische Galerie Karlsruhe).

Literatur

Helga Walter-Dressler/Erika Rödiger-Diruf (Red.): Hermann Goebel 1884-1945 zum 100. Geburtstag, Städtische Galerie im Prinz-Max-Palais, Karlsruhe 1984; Leo Mülfarth: Kleines Lexikon Karlsruher Maler, Karlsruhe 1987, S. 44 f.; Willy Huppert/Bernd Ottnad: Goebel, Hermann Heinrich Josef: in: Badische Biographien NF Bd. II, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1987, S. 100–102; Antje Michaela Lechleiter: Die Künstlergruppe "Badische Secession". Geschichte, Leben und Werk ihrer Maler und Bildhauer, Frankfurt a. M. 1994, S. 169-175, S. 425, S. 507 f. (= Europäische Hochschulschriften: Reihe 28, Kunstgeschichte Bd. 193); Sylvia Bieber: Hermann Goebel – ein Landschaftsmaler der Karlsruher Schule, Karlsruhe 1997.