Leopold Karl Walter Graf von Kalckreuth

Maler, Grafiker, * 15. Mai 1855 Düsseldorf, † 1. Dezember 1928 Eddelsen bei Hamburg, ∞ 1885 Bertha Gräfin Yorck von Wartenburg, 2 Söhne, 3 Töchter.

Der Sohn des Landschaftsmalers und Direktors der Großherzoglich Sächsischen Kunstschule in Weimar begann sein Kunststudium 1875 zunächst in Weimar und setzte es dann von 1879-1885 an der Münchner Akademie fort. Angeregt durch die „Internationale Kunstausstellung“ in München 1879 setzte sich Leopold Kalckreuth mit dem französischen Impressionismus und Realismus auseinander. Unter dem nachhaltigen Eindruck der sozialkritischen Bilder von Jean-François Millet wandte er sich der Darstellung des mühevollen bäuerlichen Lebens zu. Dieser Motive wegen lebte er 1890-1895 auf dem Familiengut seiner Frau bei Klein-Oels in Schlesien.

Zuvor leitete er von 1885-1890 an der Weimarer Kunstschule die „Naturklasse“. 1895-1899 war er Professor für Malerei an der Badischen Kunstschule in Karlsruhe. Hier gründete er mit Künstlern aus Karlsruhe und Grötzingen 1896 den Karlsruher Künstlerbund. Friedrich Kallmorgen und er wurden zu dessen Vorsitzenden gewählt. In dieser Zeit wandte er sich verstärkt der Druckgrafik zu. Sein 180,5 x 200 cm großer Beitrag „Gewitterwolken“ zur Deutschen Kunstausstellung in Dresden 1899 wurde noch im selben Jahr von der Badischen Gemäldegalerie erworben. Da die Ziele und die Kunst des Künstlerbunds bei den konservativen Kräften um Ferdinand Keller auf Ablehnung stießen, verließ Kalckreuth Karlsruhe bereits 1899 wieder. Er folgte dem Ruf an die Königliche Kunstschule in Stuttgart. Hier wirkte Kalckreuth bis 1905 als Professor für Komposition, von 1900-1902 auch als Direktor. 1903 gehörte er als erster Präsident zu den Gründern des „Deutschen Künstlerbundes“ in Weimar, der den Künstlern ein nationales Forum bieten sollte. 1907 ließ er sich in Eddelsen bei Hamburg nieder.

Stilistisch ist Kalckreuth dem deutschen Impressionismus zuzuordnen. Neben die Bauern- und Landschaftsdarstellungen traten ab 1894 auch Ansichten des Hamburger Hafens, in denen er entweder die See oder die harte Tätigkeit der Werftarbeiter thematisierte. Nach 1900 rückte die Porträtmalerei ins Zentrum seines Schaffens. Es entstanden zahlreiche Bildnisse bekannter Persönlichkeiten. Zur besseren Charakterisierung des Dargestellten nahm er zuweilen den impressionistischen Pinselduktus zurück, was seinem Werk auch eine realistische Komponente verleiht.

Katja Förster 2014

Literatur

Josef August Beringer: Badische Malerei 1770-1920, Zweite überarbeitete und stark erweiterte Aufl., Karlsruhe 1922, S. 114 f.; Johannes Kalckreuth: Wesen und Werk meines Vaters. Lebensbild des Malers Graf Leopold von Kalckreuth, Hamburg 1967; Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. Katalog Neuere Meister. 19 und 20. Jahrhundert, bearb. von Jan Lauts und Werner Zimmermann, Karlsruhe 1971, S. 121 f.; Wolfgang Freiherr von Löhneysen: Kalckreuth Graf, Leopold, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 11, Berlin 1977, S. 51–53.