Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 665.

Johann Wilhelm Schirmer

Maler, Grafiker, * 5. September 1807 Jülich, † 11. September 1863 Karlsruhe, ev., ∞ 1841 Ida Emilie von Bardeleben, 3 Söhne, 2 Töchter.

In der väterlichen Werkstatt machte Wilhelm Schirmer eine Buchbinderlehre, der 1825-1831 ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie folgte. Dort lernte er 1826 Carl Friedrich Lessing kennen, mit dem er 1827 den „Landschaftlichen Komponierverein“ begründete. Sein künstlerisches Interesse galt von Anfang an der Landschaft. Seit 1827 unternahm er zahlreiche Studienreisen, unter anderem durch Deutschland, die Schweiz, die Normandie, Italien. Bereits seine ersten ausgestellten Landschaften fanden große Anerkennung und zogen regelmäßige Ausstellungsbeteiligungen und Verkäufe nach sich. Seit dem Winter 1830/31 lehrte er selbst Landschaftsmalerei an der Düsseldorfer Akademie, seit 1839 als ordentlicher Professor.

Im Rahmen der Ausstellungen des Rheinischen Kunstvereins waren im September 1838 und Juni 1844 jeweils ein Gemälde von ihm im Kunstverein Karlsruhe zu sehen. Im Sommer 1854 beauftragte Prinzregent Friedrich I. von Baden ihn mit dem organisatorischen Aufbau der zukünftigen Großherzoglichen Kunstschule. Die Berufung eines auswärtigen Landschaftsmalers als Direktor führte unter den badischen Künstlern zu anhaltenden Kontroversen, zumal dieser auch ehemalige Düsseldorfer Schüler, wie Ludwig Des Coudres, als Lehrer an das neu gegründete Institut holte. Vermittelt durch Schirmer unterbreitete Großherzog Friedrich I. 1857 auch dessen Düsseldorfer Weggefährten Lessing den Direktorenposten der Gemäldegalerie Karlsruhe. Unter Schirmers Schülern in Düsseldorf und Karlsruhe erlangten größere Bekanntheit unter anderem: Oswald Achenbach, Arnold Böcklin, Anselm Feuerbach, Hans Thoma, Anton von Werner.

An die großen künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolge der Düsseldorfer Jahre bis zum Sommer 1839 hatte Schirmer aber bereits nach seiner Rückkehr aus Italien im Herbst 1840 nicht mehr anknüpfen können. Die verstärkte Hinwendung zu biblischen Landschaften in den letzten Lebensjahren konnte daran nichts ändern. Die einstigen Bewunderer seiner Kunst vermissten das ursprüngliche Verhältnis zur Natur und die daraus erfolgte atmosphärische Intensität. Arbeiten des Künstlers befinden sich sowohl im Besitz der Kunsthalle Karlsruhe als auch der Städtischen Galerie Karlsruhe.

Bereits 1833 war er Mitglied der preußischen Akademie der Künste geworden. Zum Gedenken an den bedeutenden Landschaftsmaler wurde 1882 die Schirmerstraße in der Nähe der Kunstakademie Karlsruhe nach ihm benannt.

Katja Förster 2013

Werk

Die Lebenserinnerungen des Johann Wilhelm Schirmer, bearb. von Paul Kauhausen, Krefeld 1957.

Literatur

Friedrich von Weech: Schirmer, Wilhelm, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Bd. 31, Leipzig 1890, S. 312–315; A. Woltmann: Johann Wilhelm Schirmer, in: Badische Biographien, Bd. 2, Heidelberg 1875, S. 259 ff.; Siegmar Holsten (Hrsg.): Johann Wilhelm Schirmer in seiner Zeit: Landschaft im 19. Jahrhundert zwischen Wirklichkeit und Ideal (Ausstellungskatalog), Heidelberg 2002; Andrea Tietze: Schirmer, Johann Wilhelm, in: Neue Deutsche Biographie (NDB). Bd. 23, Berlin 2007, S. 9 f.; Johann Wilhelm Schirmer. Vom Rheinland in die Welt (zweibändiger Ausstellungskatalog Düsseldorf, Neuss, Bergisch Gladbach), Bd. 1: Katalog, hrsg. von Marcell Perse/Bettina Baumgärtel/Irene Haberland/Uta Husmeier-Schirlitz/Elmar Scheuren/Wolfgang Vomm, Bd 2: Autobiographische Schriften, hrsg. von Gabriele Ewenz, Petersberg 2010.