Carl Friedrich Lessing, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS IV 196a/2.

Carl Friedrich Lessing

Maler, Galeriedirektor, * 15. Februar 1808 Breslau, † 5. Juni 1880 Karlsruhe, ev., ∞ 1841 Ida Heuser, 4 Söhne, 1 Tochter.

Carl Friedrich Lessing, Sohn eines Juristen und Großneffe des Dichters Gotthold Ephraim Lessing, trat 1822 in die von Karl Friedrich Schinkel geleitete Berliner Bauakademie ein, entschied sich aber noch im selben Jahr nach einer Fahrt auf die Insel Rügen für eine Ausbildung zum Kunstmaler. 1822-1826 besuchte Lessing die Berliner Akademie, zuletzt das Meisteratelier von Wilhelm von Schadow. Als Schadow im Herbst 1826 als Direktor an die Düsseldorfer Akademie wechselte, folgte er dem Lehrer nach, lernte noch 1826 den gleichaltrigen Johann Wilhelm Schirmer kennen, mit dem er 1827 den "Landschaftlichen Komponierverein" gründete. Reine Landschaften, Landschaften mit Geschichtsszenen und Historienbilder bestimmten von nun an Lessings Œuvre und machten ihn in den 1830er-Jahren zu einem der gefragtesten Vertreter der "Düsseldorfer Schule". Während er in den Landschaften bis zu seiner Übersiedlung nach Karlsruhe 1858 Eindrücke seiner Reisen durch das Rheinland, die Eifel und den Harz verarbeitete, standen in den Historienbildern vor allem der Konfessionskonflikt und Investiturstreit im Vordergrund.

Die zurückgehende Auftragslage in den 1850er-Jahren veranlasste Lessing 1858, das über Schirmer vermittelte Angebot Großherzog Friedrichs I., als Nachfolger Carl Ludwig Frommels die Leitung der Großherzoglichen Gemäldegalerie und des Kupferstichkabinetts zu übernehmen, anzunehmen. Im September 1858 bezog er mit seiner Familie die Dienstwohnung im alten Akademiegebäude. Seine Verpflichtungen ließen ihm ausreichend Zeit zum Malen und Reisen. Neben Harz und Eifel, die er weiterhin bereiste, rückten nun aber auch die Karlsruher Umgebung, der Pfälzer Wald, die Vogesen, der Schwarzwald und der Breisgau in sein Blickfeld.

In Karlsruhe schuf Lessing vorrangig kleinere Landschaftsbilder, weil sie weniger Zeit beanspruchten als die monumentalen Figurenbilder und sich beim Bürgertum großer Beliebtheit erfreuten. An Figurenkompositionen sind vor allem die beiden Gemälde "Die Kreuzfahrer in der Wüste" (1860-1863) und "Martin Luthers Disputation mit Johannes Eck zu Leipzig im Jahre 1519" (1863-1867) zu nennen, die sich beide im Besitz der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe befinden.

Nach Schirmers Tod zeichnete Lessing 1863-1866 für die künstlerische Leitung der Großherzoglichen Kunstschule verantwortlich, während Ludwig Des Coudres die Geschäftsführung oblag. Als der Maler 1868 die angebotene Leitung der Düsseldorfer Akademie ablehnte, verlieh ihm der Großherzog als Zeichen des Dankes das Kommandeurkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen. Zu Lessings engerem Freundeskreis gehörten neben Schirmer und Des Coudres auch Hans Frederik Gude, sein Schwager Adolf Schrödter sowie Anton von Werner. Da sich der Künstler seit 1845 in den USA einen Markt für seine Bilder erschlossen hatte, gelangte bereits 1882 ein Großteil seines künstlerischen Nachlasses in das neu gegründete Cincinnati Art Museum in Ohio/USA.

Katja Förster 2016

Literatur

Carl Friedrich Lessing 1808-1880. Handzeichnungen aus dem Cincinnati Art Museum, Ohio/USA, hrsg. von der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, Karlsruhe 1980; Vera Leuschner: Carl Friedrich Lessing. 1808-1880. Die Handzeichnungen, Diss. Univ. Göttingen, Köln/Wien 1982; Dies.: Lessing, Carl Friedrich, in Neue Deutsche Biographie (NDB), 14 (1985), S. 348 f.