Karl Seckinger, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Ze 15 Badische Neueste Nachrichten, 27. Dezember 1978.

Karl Seckinger

Bildhauer, Medailleur, * 25. November 1897 Offenburg, † 23. Dezember 1978 Karlsruhe, ∞ 1929 Mathilde Precht (1906-1983), kinderlos.

Karl Seckinger wurde als Sohn eines Schneidermeisters in Offenburg geboren und verbrachte seine Schulzeit in Zürich und Straßburg. Bereits im Alter von 15 Jahren begann er an der Straßburger Kunstgewerbeschule ein Studium der Bildhauerei, das er – unterbrochen durch seine Kriegsteilnahme 1916-1918 – 1920 an der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe fortsetzte und als Meisterschüler von Georg Schreyögg 1926 abschloss. Bis zu seiner Einberufung zum Militärdienst 1939 arbeitete Seckinger als freischaffender Künstler und unternahm Studienreisen nach Mailand, Genua, Florenz, Siena, Pisa, Zürich, Paris und Le Havre.

In dieser Zeit schuf er unter anderem das Grabmal der Brauerei-Familie Max Wolf auf dem Karlsruher Hauptfriedhof (1925), das Stein-Relief am Kältetechnischen Institut der Technischen Hochschule Karlsruhe (1931) oder das Kriegerdenkmal Berghausen (1934). Fälschlich wird ihm bisweilen das Kriegerdenkmal Grötzingen (1940) - 2016 vom Gelände der Augustenburg-Gemeinschaftsschule an den Grötzinger Friedhof versetzt - zugeschrieben, das tatsächlich von Egon Gutmann stammt. Sein weiteres Frühwerk wurde, soweit es sich nicht in öffentlichem oder privatem Besitz befand, bei einem Bombenangriff 1944 zerstört.

Nachdem Seckinger 1946 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, unterrichtete er 1948-1968 die Fachrichtung Plastik an der Karlsruher Gewerbeschule. Nebenamtlich hatte er seit 1947 einen Lehrauftrag für Darstellendes Modellieren am Karlsruher Staatstechnikum inne. Seckinger, der seit 1937 in Grötzingen lebte und dort auch sein Atelier hatte, schuf in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Kunstwerke, die an öffentlichen Plätzen in Karlsruhe zu besichtigen sind, darunter die Brunnen-Gartenplastik vor dem Wohnblock in der Nebeniusstraße (1951), den Brunnen Hirtenbub mit zwei Ziegen in Grötzingen (1964), die Gartenplastik Junge und Ziege in der Nidda-Anlage in Grötzingen (1967) oder die Pietà auf dem Grötzinger Friedhof (1970).

Neben seinem bildhauerischen Werk, das vorwiegend aus Muschelkalksteinskulpturen und Bronzebüsten bestand, erwarb sich Seckinger auch einen Namen als Gestalter von Medaillen und -plaketten. Zu seinen herausragenden Arbeiten auf diesem Gebiet gehören die Bronzegussplaketten bzw. -medaillen von Johannes Gutenberg (1968), Albrecht Dürer (1971), Johann Wolfgang Goethe (1972), Heinrich von Kleist (1976) und Carl Zuckmayer (1976). Weitere Motive entnahm Seckinger, der bis zu seinem Tod künstlerisch aktiv war, der griechischen Mythologie.

Anlässlich seines 80. Geburtstags richtete das Badische Landesmuseum eine Sonderausstellung mit Werken Seckingers aus. Das Grab des Künstlers auf dem Friedhof in Grötzingen ziert ein von ihm selbst geschaffener Grabstein. 1984 wurde in Grötzingen die Karl-Seckinger-Straße nach ihm benannt.

René Gilbert 2015

Quelle

StadtAK 8/ZGS Persönlichkeiten – Seckinger, Karl.

Werk

Mädchenbildnis, Bronze 1929 (Stadt Karlsruhe); Pietà auf dem Bergfriedhof Langenbrand (heute zu Forbach) im Murgtal 1953; Mädchentorso, Bronze 1966 (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe); Der Stier und Europa, Bronzeplakette 1972; Knabe mit Flöte, Bronzerelief 1973; Assoziation, Bronzemedaille 1973; Daphnis und Chloe, Bronzemedaille 1973; Jeunesse dorée, Bronzeplakette 1978; Melodie, Bronzerelief 1978.

Literatur

Karl Seckinger: Karl Seckinger, Bildhauer. Lebensbild und Bekenntnis zur Plastik, in: Ekkhart 1973, S. 107-114; Michael Koch: "Plastik ohne Deformation" – Karl Seckinger zum 80. Geburtstag, in: Ekkhart 1978, S. 127-131; Franz Josef Wehinger: Besinnliche Ruhe und einfache Schönheit – der Karlsruher Bildhauer und Medailleur Karl Seckinger, eine Dokumentation, Karlsruhe 1979 (= Das kleine Geschenk Bd. 37); Gustav Schwander: Vor 100 Jahren wurde Karl Seckinger geboren, in: Grötzinger Heimatbrief 37 (1998), S. 62 f.