Hauptstaatsarchiv Stuttgart Q 1/37 Bü 54,
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-1260591-1 (Zugriff am 10. November 2015).

Robert Gerwig

Bauingenieur, Politiker, * 2. Mai 1820 Karlsruhe, † 6. Dezember 1885 Karlsruhe, ev., ∞ 1856 Karoline Beger, kinderlos.

Robert Gerwig, Sohn eines Ministerialrevisors, studierte nach dem Besuch des Karlsruher Lyzeums 1834-1840 Ingenieurwesen am Karlsruher Polytechnikum. Nach dem Examen trat er in den Dienst der badischen Oberdirektion für Wasser- und Straßenbau ein. Sein ganzes Berufsleben verbrachte er, mit Ausnahme einer dreijährigen Beurlaubung, bis zu seinem Tod mit dem Bau von Eisenbahnen, Straßen und Brücken in dieser Behörde. Seit 1844 in der Karlsruher Direktion tätig, wurde er in mehreren Schritten bis 1871 zum Baudirektor befördert. 1850-1857 leitete Gerwig zusätzlich als Direktor die Uhrmacherschule Furtwangen, um das in der Krise befindliche Uhrmacherhandwerk im Schwarzwald wieder zu beleben. Mit seiner Uhrensammlung legte er zudem den Grundstock für das dortige Deutsche Uhrenmuseum. Nachdem Gerwig Angebote der türkischen Eisenbahnbehörde und der schweizerischen Nordostbahn abgelehnt hatte, ließ er sich 1872-1875 für die Tätigkeit als Oberingenieur der Gotthardbahn beurlauben. Hier erwarb er sich beim komplizierten Bau des Haupttunnels große Verdienste. 1875 wieder in Karlsruhe, wurde er Leiter der technischen Abteilung der Generaldirektion der Staatseisenbahnen.

Zu den herausragenden Projekten Gerwigs zwischen Odenwald, Bodenseegebiet und der Schweiz zählt seine technische Meisterleistung, der Bau der Schwarzwaldbahn zwischen Offenburg und Singen (1865-1873). Durch Tunnelbauten und Schienenkehren kam er fast ohne Brücken aus und konnte die Steigungen so gering hielt, dass die damaligen Dampflokomotiven dort verkehren konnten. Weiter gehören dazu die Eisenbahnstrecken von Waldshut über Schaffhausen nach Singen und Konstanz und die Höllentalbahn mit dem Ravennaviadukt von Freiburg nach Neustadt (1882-1887). 1859 plante er die Rheinbrücke zwischen Waldshut und Koblenz im Aargau. Zu wichtigen von ihm geplanten Straßenbauten zählen die Verbindungen zwischen Albbruck und St. Blasien, Obersimonswald und Furtwangen sowie der Damm zur Bodenseeinsel Reichenau. Zudem war er an Korrektionen von Binnenflüssen beteiligt wie auch unter anderem an den Planungen für das städtische Wasserwerk in Karlsruhe.

Neben seiner Arbeit als Ingenieur wirkte Gerwig als Abgeordneter der Nationalliberalen Partei 1855-1857, 1863-1873 und 1875-1878 für verschiedene Wahlkreise in der badischen Ständeversammlung sowie 1875-1884 im Reichstag. Dort setzte er sich als Mitglied der Baukommission für den Bau des neuen Reichstagsgebäudes nach den Plänen von Paul Wallot ein. Ferner widmete sich Gerwig auch der Botanik und der Glaziologie.

Zahlreich waren die Auszeichnungen Gerwigs zu Lebzeiten. Neben sechs Orden anderer Staaten erhielt er von Großherzog Friedrich I. von Baden 1859 das Ritterkreuz 1. Klasse vom Zähringer Löwenorden und 1872 dessen Kommandeurkreuz. 1880 wurde er in die neu geschaffene preußische Akademie des Bauwesens berufen. Bis heute erinnern in Baden Denkmäler, Schul- und Straßenbenennungen an Robert Gerwig, in Karlsruhe seit 1891 die Gerwigstraße und seit 1987 der Robert-Gerwig-Brunnen. Sein Grabmal befindet sich in der Gruftenhalle des Hauptfriedhofs in Karlsruhe.

Manfred Koch 2015

Quellen

GLA 76/2757; KIT-Archiv 28002/141.

Werk

Die Gotthardbahn in technischer Beziehung und Rentabilitäts-Berechnung, Zürich 1865; Gutachten des Großherzoglichen Oberbauraths Gerwig über die Errichtung einer neuen Wasserleitung für die Residenzstadt Karlsruhe, Karlsruhe 1866; Notizen über den Eisenbahnbau von Engen nach Donaueschingen, Karlsruhe 1868.

Literatur

August von Würthenau: Gerwig, Robert, in: Badische Biographien, Bd. 4, hrsg. von Friedrich von Weech, Karlsruhe 1891, S. 149-153; Friedrich von Weech: Gerwig, Robert, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 49, Leipzig 1904, S. 315-317; Walter Sbrzesny: Gerwig, Robert, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 6, Berlin 1964, S. 338; Michael Tocha: Robert Gerwig und die politische Kultur des 19. Jahrhunderts, in: Badische Heimat 94 (2014), S. 280-290.