Gabriel Leonhard von Berckholtz, um 1835, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1878 (Ausschnitt).

Gabriel Leonhard von Berckholtz

Kaufmann, * 24. August/5. September 1781 Riga/Lettland, † 1. August 1863 Schloss Ortenberg/Ortenaukreis, ev., ∞ 1807 Barbara Schröder, 6 Töchter, 2 Söhne.

Als ältester Sohn einer angesehenen baltendeutschen Kaufmannsfamilie in Riga geboren, erlernte Gabriel Leonhard von Berckholtz bereits als Kind den Kaufmannsberuf. Nach dem Tod seines Vaters, der es durch den Ostindienhandel zu Wohlstand gebracht hatte, übernahm er zunächst das väterliche Geschäft, übertrug dieses jedoch 1825 aus gesundheitlichen Gründen einem Verwandten und begab sich auf eine Europareise, die ihn in die Schweiz, nach Frankreich und nach Italien führte.

1828 kam Berckholtz mit seiner Familie nach Karlsruhe und kaufte - in der Absicht, sich hier dauerhaft niederzulassen - zwei Häuser, darunter das von Johann Friedrich Arnold erbaute Palais Berckholtz (Künstlerhaus) in der Karlstraße 44. Um das Anwesen von zu naher Bebauung freizuhalten, erwarb Berckholtz einige Zeit später das gegenüberliegende Grundstück zwischen Sophienstraße, Kriegsstraße und Karlstor und ließ es 1850 zu einem Park, dem Berckholtzschen Garten, umgestalten.

1833 ersteigerte Berckholtz vom badischen Staat die Burg Ortenberg mitsamt dem angrenzenden Weingut. 1838-1843 ließ er die Ruine durch Friedrich Eisenlohr als Schloss wieder aufbauen und bezog dieses mit seiner Familie nach dessen Fertigstellung. Seine jüngste Tochter Alexandra richtete im Malerturm ihr Atelier ein. 1838 wurde er zum ersten Ehrenbürger von Ortenberg ernannt.

In der Folgezeit betätigte sich Berckholtz verstärkt als Wohltäter, indem er den Bau der evangelischen Stadtkirche in Offenburg förderte und die dazugehörige Orgel stiftete. Außerdem verfügte er testamentarisch, dass von seinem Vermögen 20.000 Gulden an seine Bediensteten und an gemeinnützige Einrichtungen, wie die Waisenhäuser in Riga und Karlsruhe, den Armenfonds Ortenberg und den evangelischen Kirchenbaufonds Offenburg zu geben seien.

René Gilbert 2016

Literatur

Otto Kähni: Der Ortenberger Schloßherr Gabriel Leonhard von Berckholtz und die Malerin Alexandra von Berckholtz, in: Die Ortenau 37 (1957), S. 43-49; Gerhard Kabierske: Brunnen im Berckholtzschen Garten, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl., Karlsruhe 1989, S. 285-287 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7), http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmmY1PdXpuoNV/Denkm%C3%A4ler%20Brunnen%20und%20Freiplastiken%20in%20Karlsruhe%201715-1945.pdf (Zugriff am 28. Juli 2016); Volker Gegg: Schlossherr mit spendablen Allüren. Mäzen von Ortenberg, Gabriel Leonhard von Berckholtz wurde heute vor 144 Jahren zu Grabe getragen, in: Mittelbadische Presse vom 3. August 2007, http://www.bo.de/lokales/offenburg/schlossherr-mit-spendablen-allueren (Zugriff am 9. April 2016); Volker Gegg: Als der Baron ein Schloss baute. Große Gedenkfeier in Ortenberg zum 150. Todestag des Ehrenbürgers Gabriel Leonhard von Berckholtz, in: Mittelbadische Presse vom 31. Juli 2013, http://www.bo.de/lokales/offenburg/als-der-baron-ein-schloss-baute (Zugriff am 9. April 2016).