Wohnhaus des Herrn Leonhard von Berckholtz in Carlsruhe, Lithographie um 1850, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVe 163.
Innenansicht Künstlerhaus mit Festtafel, 1920er Jahre, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVe 1013.

Palais Berckholtz

Ehemals Karlstraße 44 und Sophienstraße 2.

Als 1808 die von Friedrich Weinbrenner entworfene Infanteriekaserne an der Ecke Karl- und Lange Straße (heute Kaiserstraße) fertig gestellt war, begann man die Karlstraße nach Süden zu bebauen. Die ersten Häuser entstanden an der Ostseite der Karlstraße bis zur Amalienstraße, nach 1812 dann über diese hinaus in Richtung des 1813 an die Kriegsstraße verlegten Karlstors. Die beim Tor gelegenen Bauplätze waren die letzten, die bebaut wurden. Auf dem spitzwinklig verlaufenden Grundstück an der Ecke Karl- und Herrenstraße entstand 1822/23 durch die Zimmermeister Gebrüder Kuentzle nach Plänen von Weinbrenner ein zweiflügeliges zweigeschossiges Gebäude mit abgeschrägter Ecke, die den Haupteingang aufnahm. Das gegenüberliegende Grundstück an der Ecke Karl- und Neuthorstraße (heute Sophienstraße) wurde drei Jahre später, 1826/27, durch Zimmermann Hellner nach Plänen des Weinbrenner-Schülers Friedrich Arnold erbaut und nach seiner Fertigstellung von Hofrat Möger und Fürst Alexander Constantin Salm-Salm bezogen.

Arnold gestaltete bei seinem Entwurf, der ebenfalls eine zweigeschossige Zweiflügelanlage zeigt, die Ecksituation mit einer Rotunde, die an der Außenfassade als Halbkreis mit drei vertikalen Fensterachsen in Erscheinung tritt. Die Rotunde und die jeweils ersten drei Fensterachsen der anschließenden Seitenflügel traten etwas vor die Bauflucht und wurden durch besonderen bauplastischen Schmuck – eine durchgehende Bandrustika im Erdgeschoss, ionische Pilaster zwischen den Obergeschossfenstern, die im Architrav von Rosetten überfangen werden, und ein abschließendes Konsolgesims – zu einer Einheit verbunden. In einfacher, untergeordneter Form wurden die zurückspringenden Seitenflügel entlang der Karl- und der Neuthorstraße weitergeführt.

1830 kaufte der 1781 in Riga geborene Partikulier Gabriel Leonhard von Berckholtz, der wie seine Ehefrau Barbara, geborene Schröder (1785-1859), aus einer der vornehmsten Familien der Handelsstadt entstammte und sein Vermögen mit Talghandel und Heereslieferungen gemacht hatte, von Zimmermann Hellner sowohl das Anwesen Karlstraße 26 mit dem Arnoldschen Haus als auch für seine Dienerschaft das angrenzende Grundstück Neuthorstraße 2, auf welchem Hellner ein einfaches zweigeschossiges Wohnhaus erstellt hatte. Außerdem erwarb er noch südlich der Neuthor- bis zur Kriegsstraße ein großes Stück unbebautes Gelände, das er zu einer reizvollen Gartenanlage umgestalten ließ.

Als Gabriel Leonhard von Berckholtz 1863 starb, erbte der einzige Sohn unter den fünf Kindern, Jakob Johann von Berckholtz, die beiden Häuser und den Garten am Karlstor. Jakob von Berckholtz, dessen Ehefrau Emma Offensandt mit nur 22 Jahren starb, blieb kinderlos. So ging der Besitz nach seinem Tod 1887 in den Besitz seiner zwei Jahre älteren Schwester Elisabeth über, die mit dem Bremer Kaufmann Ferdinand Offensandt (1803-1857) verheiratet gewesen war und auf dem Gut Watthalden bei Ettlingen lebte. Damit der Name von Berckholtz nicht erlosch, erhob Großherzog Friedrich I. am 6. Mai 1887 Elisabeth Offensandt-Berckholtz in den Adelsstand. Aus ihrer Ehe war ein Sohn hervorgegangen, Wilhelm von Offensandt-Berckholtz (1843-1909), Kammerherr am badischen Hof. Als dieser am 20. Januar 1909 kinderlos starb, hinterließ er zum Gedenken an seine Mutter dem Verwaltungsrat der evangelischen Diakonissenanstalt in Karlsruhe-Rüppurr sein gesamtes Vermögen. Mit der Errichtung eines Altersheims in der Weinbrennerstraße wurde 1912 die Elisabeth von Offensandt-Berckholtz-Stiftung gegründet.

Das Palais Berckholtz einschließlich des Dienerhauses wurde schon im Frühjahr 1909 vom Verein bildender Künstler Karlsruhe für 125.000 Mark als künftiges Künstlerhaus erworben. Auch der Berckholtzsche Garten am Karlstor, der durch die Stadtentwicklung nach Süden und Westen zu wertvollem Bauland geworden war, wurde noch 1909 an den Architekten Wilhelm Peter verkauft, dem eine Bebauung im Weinbrenner-Stil vorschwebte. Heute stehen darauf die Häuser Sophienstraße 1-9 und Kriegsstraße 140-148.

Katja Förster 2021

Literatur

Arthur Valdenaire: Das Karlsruher Künstlerhaus, in: Der Führer am Sonntag, Nr. 44 vom 30. Oktober 1938; Hea-Jee Im: Karlsruher Bürgerhäuser zur Zeit Friedrich Weinbrenners, Karlsruhe 2004, S. 214 f. (= Schriftenreihe Friedrich Weinbrenner und die Weinbrennerschule, Institut für Baugeschichte der Universität Karlsruhe Bd. 4).