Erwin Grosse 1969, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Autographen Grosse, Erwin 1.

Erwin Grosse

Komponist, Konzertmusiker, Musikpädagoge, * 4. Dezember 1904 Hannover, † 4. März 1982 Ettlingen, ∞ NN, 2 Töchter.

Als Sohn eines musikbegeisterten Vaters, der Angestellter bei einer Schweizer Firma war und selbst Zither spielte, bekam Erwin Grosse mit zwölf Jahren sein erstes Klavier und erhielt Klavierunterricht. Ab 1920 studierte er Violine bei Otto Leonhardt und Klavier zunächst bei Georg Steinmeyer, ab 1924 bei Johannes Schüler. 1924 gründete Grosse mit Ludwig Rust (Violine) und Martin Kohlbach (Violoncello) das Hannoversche Trio, mit dem er in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre Engagements erhielt. 1925 wurde er Ballettrepetitor und musikalischer Leiter der seinerzeit modernsten Ballettgruppe Deutschlands von Yvonne Georgi und Harald Kreutzberg an den Städtischen Bühnen Hannover. Diese Zusammenarbeit brachte Grosse mit den Werken von Igor Stravinsky, Bela Bartok und Paul Hindemith in Kontakt, die ihn in seinem eigenen kompositorischen Schaffen stark beeinflussten. In dieser Zeit entstanden mehrere bedeutende Kompositionen. Ab 1933 konnte Grosse seine Tätigkeit als Komponist nur sehr eingeschränkt ausüben. Im März 1942 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und diente auf einem U-Boot. 1946 wurde er aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen.

In der Nachkriegszeit fasste Grosse beruflich schnell wieder Fuß und beschäftigte sich ab 1948 mit Zwölfton- und serieller Musik, die in seinen folgenden Werken zur Entwicklung eines individuellen kompositorischen Stils führte. 1960 schrieb Grosse für einen Kompositionswettbewerb deutscher Musikverlage seine Kammersinfonie opus 48 und erhielt dafür unter 80 internationalen Bewerbern den Ersten Preis. In den 1960er- und 1970er-Jahren komponierte Grosse meist progressive und experimentelle Werke.

Ab 1954 unterrichtete Grosse am Badischen Konservatorium in Karlsruhe Bratsche, Klavier und Violine und wurde Leiter des Orchesters. Parallel lehrte er an der Badischen Hochschule für Musik Cembalo und später Orff-Schulwerk. 1969 ging er in den Ruhestand und zog 1971 nach Ettlingen. Dort gründeten er und seine Frau den Neuen Kunst-Zirkel Ettlingen, eine private Kultureinrichtung, in der nur für persönlich geladene Gäste neben Musikveranstaltungen auch Lesungen und Kunstausstellungen stattfanden. In seinen letzten Lebensjahren wandte sich Grosse verstärkt der Jugendmusik zu und schrieb Werke für verschiedene Ensemblebesetzungen aus Blockflöten, Stabspielen und Schlagwerk.

René Gilbert 2015

Quelle

Stadtarchiv Ettlingen - Nachlass Erwin Grosse.

Werk

Ballett-Suite op.12 (B 12) (1931); Sonate für Violine und Klavier op. 37 (1948); Vier Segmente op. 51 für Flöte und Klavier (1964); Trio für Klavier, Violine und Violoncello op. 55 (1967); Konzertante Musik für Streichorchester op. 62 (1970); Oktett für Bläser op. 74 (1979); Story einer musikalischen Entwicklung 1904-1974, Ettlingen 1974 (mit Werkverzeichnis).

Literatur

Joachim Draheim: Karlsruher Musikgeschichte, Karlsruhe 2004, S. 44 f.