Schloss Gottesaue, 1994, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Bildstelle I 6562/15.

Hochschule für Musik

Private Initiativen wie eine Schule für Bläser (1812), eine Singanstalt (1814) und ein Instrumentalverein (1826) gingen der Gründung einer Musikbildungsanstalt im Jahre 1837 voraus. Diese war zunächst zur Ausbildung leistungsfähiger Mitglieder des ebenfalls 1837 gegründeten Cäcilienvereins gedacht. Ab 1845 war sie selbständig verantwortlich für den systematischen Unterricht in Instrumental- und Vokalmusik und wurde nun städtisch bezuschusst.

1910 wurde die Anstalt in das 1884 von Heinrich Ordenstein gegründete Konservatorium integriert, ab 1929 durch den Zusammenschluss der Ausbildungsklassen mit dem Seminar für das Künstlerische Lehramt an höheren Schulen zur Badischen Hochschule für Musik wieder als eigenständige Institution weitergeführt. Im selben Jahr bezog die Schule Räumlichkeiten im ehemaligen Palais Bürklin in der Kriegsstraße 166-168. Als das Palais 1944 bei einem Luftangriff zerstört wurde, musste der Unterricht eingestellt werden. Von 1945-1955 bildeten Hochschule und Konservatorium unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Wilhelm Rumpf noch ein letztes Mal eine gemeinsame, staatlich anerkannte Anstalt in der Jahnstraße 18-20.

Ab 1955 ging die Badische Hochschule für Musik unter Direktor Walter Rehberg dann endgültig ihren eigenen Weg. Zum 1. Januar 1971 übernahm das Land Baden-Württemberg die Einrichtung, die von da an als Staatliche Hochschule für Musik firmiert. 2005 fiel die Bezeichnung "Staatliche" weg. Von 1971 bis zum Bezug des neuen Sitzes im wiederaufgebauten Renaissanceschloss Gottesaue 1989 stieg die Zahl der Studierenden von 237 auf 530 an. Der weitere Ausbauplan des Landes ab 1989 sah die Vergrößerung des Lehrkörpers um 21 hauptamtliche Stellen, den Umbau der Schlossnebengebäude, darunter den Fuchsbau, Sitz des Staatlichen Hochbauamts, Außenstelle Karlsruhe, für Hochschulverwaltung und Rektorat sowie das Marstallgebäude für die Opernschule (heute Institut für Musiktheater), und den Neubau weiterer Gebäudekomplexe mit den nötigen Konzert- und Bühnensälen und Unterrichts- und Übungsräumen vor.

Das neue Unterrichtsgebäude, benannt nach der ehemaligen Direktorin Fany Solter (1984-2001), wurde im Oktober 2012 und der neue Multimediakomplex (MUT) mit dem Wolfgang-Rihm-Forum, einem multifunktionalem Bühnensaal mit 400 Plätzen, im April 2013 der Nutzung übergeben. Eine Fläche für Freiluftkonzerte ist im Entstehen. Seit der Fertigstellung der beiden Neubauten, des so genannten CampusOne, ist der Lehrbetrieb an einem Ort vereint. Die Institute LernRadio für neue Musik und Medien sowie für Musikwissenschaft und Musikinformatik sind im MUT untergebracht. Die Kosten für die Innenausstattung des rund 30 Millionen Euro teuren CampusOne hat die Hochschule selbst mit Hilfe von Sponsoren und Benefizveranstaltungen mit internationalen Klassik-Stars (Anne-Sophie Mutter, Renée Fleming etc.) beigesteuert. Derzeit werden rund 650 Studierende von circa 67 hauptamtlichen Professoren und 185 Lehrbeauftragten unter dem Rektorat von Hartmut Höll betreut.

Katja Förster 2015

Literatur

Festschrift zur Einweihung des wiederaufgebauten Schlosses Gottesaue und zum Einzug der Staatlichen Musikhochschule am 3. November 1989, hrsg. vom Bürgerverein der Oststadt, Karlsruhe 1989; 25 Jahre Staatliche Hochschule für Musik Karlsruhe. 1971-1996. Festschrift zum 25jährigen Jubiläum der Verstaatlichung, hrsg. von der Staatlichen Hochschule für Musik Karlsruhe, Karlsruhe [1996]; http://www.hfm-karlsruhe.de (Zugriff am 11. Mai 2015).