Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS I 64.

Friedrich Graf von Rhena

Diplomat, * 29. Januar 1877 Karlsruhe, † 20. November 1908 Bern, ev., verlobt seit 17. November 1908 mit Berta von Bülow.

Als einziges Kind des preußischen Generals Karl von Baden und Enkel des Großherzogs Leopold von Baden, besuchte Friedrich Graf von Rhena 1886–1895 das Gymnasium in Karlsruhe. Nach einer Italienreise 1895/96 trat er im Oktober 1896 als Leutnant in das Badische Leibgrenadierregiment Nr. 109 ein. Im September 1897 wurde er zum 2. Garderegiment zu Fuß nach Berlin versetzt. 1899 begann Rhena ein Jurastudium in Freiburg, Heidelberg und Leipzig, das er mit der ersten juristischen Staatsprüfung und mit der Promotion zum Doktor der Rechtswissenschaft abschloss.

Im September 1903 verließ Rhena das Militär als Leutnant zur Reserve und schlug die diplomatische Laufbahn ein. Im Januar 1904 wurde er als Attaché dem Auswärtigen Amt zugeteilt, von wo er zur weiteren Ausbildung an die deutsche Botschaft in London abgeordnet wurde. Nachdem er Anfang 1907 die Prüfung für den diplomatischen Dienst abgelegt hatte, wurde Rhena im Dezember desselben Jahres als Legationssekretär an die Botschaft in Bern entsandt. Im Sommer 1908 vertrat er den deutschen Gesandten in Lissabon.

Rhena starb drei Tage nach seiner Verlobung mit Berta von Bülow, der Tochter des deutschen Gesandten, in Bern durch einen Sturz aus dem Fenster. Ob es sich dabei um einen Unfall oder Selbstmord handelte blieb ungeklärt. Nachdem bereits 1906 und 1908 seine Eltern gestorben waren, hinterließ Rhena als Einzelkind ein umfangreiches Vermögen, das nach seinem Willen zur Gründung von zwei gemeinnützigen Stiftungen, der Prinz-Karl-Stiftung und der Gräflich-Rhenaschen-Stiftung verwendet wurde. Aus dem unter Verwaltung der Stadt Karlsruhe stehenden Stiftungsvermögen von jeweils 150.000 Mark sollten beide Einrichtungen zunächst die Angestellten Rhenas und später Bedürftige unterstützen.

1911 wurde die Graf-Rhena-Straße in der Karlsruher Südweststadt benannt. Die von Rhena ebenfalls finanziell bedachte Sektion Karlsruhe des Schwarzwaldvereins benannte nach ihm den Graf-Rhena-Weg, der von Ettlingen über Marxzell nach Bad Herrenalb führt.

René Gilbert 2015

Werk

Die Stellung des Reserve-Offiziers im Heer nach preußischem Militärrecht, Diss. Leipzig 1903.

Literatur

Karl Obser: Friedrich Graf von Rhena, in: Badische Biographien, Bd. 6, hrsg. von Albert Krieger und Karl Obser, Heidelberg 1935, S. 783 f.; Hans-Ulrich Graf: Ein Wanderweg wird hundert Jahre alt: Erinnerungen an Friedrich Graf von Rhena, in: Der Schwarzwald 3 (2012), Freiburg 2012, S. 13.