Übergabe der Markgrafenhütte am Fuße des Mahlbergturms, Anfang November 1962, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A9/81/1/23.
Waldfest am Mahlbergturm, August 1970, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A20/43/2/23.

Schwarzwaldverein Ortsgruppe Karlsruhe e. V.

Der 1864 in Freiburg zur Förderung des Fremdenverkehrs gegründete "Badische Verein von Industriellen und Gastwirten" wurde bereits 1867 in "Badischer Schwarzwaldverein" umbenannt. Seit 1883 entstanden an anderen Orten Sektionen davon, so auch am 3. Juni 1887 in Karlsruhe. Karlsruher Wanderfreunde, die bis dahin der 1884 gegründeten Baden-Badener Sektion angehörten, hatten zu der Gründungsversammlung im Restaurant "Zum Palmengarten" in der Herrenstraße 34 aufgerufen. 139 Mitglieder umfasste die neue Sektion, deren ersten Vorsitz Finanzrat Max Hildebrandt und zweiten Vorsitz Buchdruckereibesitzer Christian Vogel übernahmen. Die Auskunftsstelle befand sich zunächst bei Hofuhrmacher Franz Pecher in der Kaiserstraße 78, seit 1896 bei Kaufmann Franz Geuer in der Kreuzstraße 31. Zum Jahresende 1887 zählte die Sektion 219, 1892 bereits 662 und im Frühjahr 1897 über 1.000 Mitglieder.

Die Aufgaben und Ziele der Karlsruher Ortsgruppe konzentrierten sich zunächst auf die nähere Umgebung der Stadt, das Durlacher Hinterland, das Pfinztal und Walzbachtal sowie das Gebiet um Ettlingen, Malsch bis hin zum Murgtal. Durch Verbesserungen und Verbindungen vorhandener Forstwege sowie neue Weganlagen, die Anbringung von Markierungen, Aufstellung von Sitzbänken und Schaffung von Rastplätzen, Unterständen und Aussichtspunkten wurde die Gegend nach und nach als Wandergebiet erschlossen. Mit gemeinsamen Wanderausflügen seit 1887, Vorträgen seit 1888 und Spezialkarten seit 1893 wollte man das Interesse an Wandern, Landschaft und Natur fördern.

1892 wurde auf dem Steinig bei Schluttenbach nach einer Konstruktionszeichnung des Architekten Emil Schweickhardt ein 13 Meter hohes Aussichtsgerüst aufgestellt (Abbruch 1907) und 1896 auf dem Mahlberg bei Malsch nach Plänen von Eugen Bischoff, Architekt und Professor an der Großherzoglich Badischen Kunstgewerbeschule, der 26 Meter hohe Mahlbergturm errichtet, der, nachdem er im April 1945 zerstört wurde, 1962 in veränderter Form gemeinsam mit der Markgrafenhütte wiederaufgebaut wurde.

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Karlsruher Sektion, die seit 1900 im Vereinsregister eingetragen war, wurde 1912 der erste Abschnitt des Graf-Rhena-Weges, von Etzenrot bis an die Moosalbstraße bei Fischweiher, eröffnet. Das Jubiläumsfest fand im Varieté-Theater Colosseum der Brauerei Schrempp in der Waldstraße statt. Mit 1.631 Mitgliedern im Jahr 1913 war die Sektion nach Freiburg zur zweitgrößten Gruppe des Badischen Schwarzwaldvereins geworden.

Nach dem Ersten Weltkrieg, der die Vereinsarbeit weitgehend zum Erliegen gebracht hatte, veränderte sich das Wanderverhalten dahingehend, dass die Mitglieder das ganze Wochenende in der Natur verbringen wollten. Deshalb pachtete der Verein zwischen 1921 und 1924 fünf Hütten, darunter die Hohleichhütte am Rockertkopf, die Sandhütte oberhalb Sulzbachs und die Langrieshütte im hinteren Langenbachtal. Beim 40-jährigen Jubiläum 1927 zählte der Verein über 3.000 Mitglieder. Carl Schöpf, Inhaber des Modehauses Schöpf, stiftete 1929 eine nach ihm benannte Hütte am Waldrand beim Rimmelsbacher Hof.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden der Badische und der Württembergische Schwarzwaldverein zum "Schwarzwaldverein" vereinigt und gleichgeschaltet; die bisherige Jugendarbeit musste an NS-Gruppierungen abgetreten werden. Das seit 1919 von der Ortsgruppe Karlsruhe verfolgte Ziel, ein eigenes Vereinshaus zu erbauen, wurde 1934 im Oberen Gaistal bei Bad Herrenalb verwirklicht. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und in der ersten Nachkriegszeit lag das Vereinsleben brach.

Am 5. Dezember 1947 fand in der Wirtschaft Zur Bavaria in der Hirschstraße 20 in Anwesenheit zahlreicher ehemaliger Mitglieder die Neugründung der Ortsgruppe statt, die bis zum 22. Dezember bereits 1.905 Mitglieder verzeichnete. Studienrat Hans Linz, der sich für die Realisierung des seit 1953 nach ihm benannten Vereinshauses besonders eingesetzt und 1934 den ersten Vorsitz übernommen hatte, wurde in seinem Amt bestätigt. Sein Wunsch, neben dem Wanderheim auch ein Jugendheim zu errichten, konnte erst nach seinem Tod unter dem Vorsitz von Wilhelm Revenus 1955 verwirklicht werden. Das Jugendheim wurde zuerst, das Wanderheim 1977 dem Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) angeschlossen, welches allerdings beide Häuser wegen mangelnder Auslastung 1985 aufgab.

Anfang der 1970er-Jahre wurde das Vereinsprogramm erheblich erweitert, indem neben den traditionellen Fußwanderungen auch Rad- und Skisport sowie Fahrten nach Frankreich, England, Kanada, Lappland, der Schweiz und den USA angeboten wurden. Seit den letzten Jahren konzentriert sich die Sektion, die bis heute das Hans-Linz-Haus, den Mahlbergturm mit Markgrafenhütte und die Carl-Schöpf-Hütte unterhält, bei ihren Aktivitäten wieder verstärkt auf Baden-Württemberg, die Pfalz und das Elsass. Seit 1985 engagiert sie sich außerdem im Naturschutz.

Katja Förster 2016

Literatur

Badischer Schwarzwaldverein. 1887-1897. Section Karlsruhe, Karlsruhe 1897; Schwarzwaldverein e.V. Ortsgruppe Karlsruhe. 100 Jahre. Festschrift, Karlsruhe 1987; Schwarzwaldverein Karlsruhe e.V., http://www.schwarzwaldverein-karlsruhe.de (Zugriff am 19. Mai 2016).