Johannes Valentin Reinmuth, Bild aus: Bürgerverein Knielingen (Hrsg.): 1200 Jahre Knielingen 786-1986, Karlsruhe 1985, S. 98.

Johannes Valentin Reinmuth

Theologe, * 14. August 1845 Ladenburg, † 24. Juni 1907 Ettlingen, ev., ∞ Maria Isaline Conier.

Johannes Valentin Reinmuth, Sohn eines Bäckermeisters, wurde 1867 als Pfarramtskandidat aufgenommen und erhielt 1871 seine erste Pfarrstelle in Eberstadt. 1875 wechselte er als Pfarrer nach Knielingen und arbeitete dort bis 1904 als Seelsorger. Auf ihn gehen die Einführung des ersten Kindergottesdiensts und der Bau des zweiten Kindergartens in der Neufeldstraße zurück. Mit einem außergewöhnlichen Arbeitseifer ausgestattet, übernahm er außerdem die Vorbereitung von Theologie-Studenten auf das Examen.

1880 wurde Reinmuth die Leitung des "Kirchen- und Volksblattes", das zu damaliger Zeit einzige Sonntagsblatt in Baden, übertragen. Als Anhänger der sogenannten Positiven, einer Richtung innerhalb des deutschen Protestantismus, die den theologischen und kirchenpolitischen Liberalismus ablehnten, übernahm er in den 1880er-Jahren auch die Leitung des "Korrespondenzblatts für die Evangelische Konferenz in Baden", die spätere "Kirchlich-Positive Vereinigung in Baden", sowie zeitweise die "Landpost", das damalige Organ der konservativen Partei.

Reinmuths theologisch-konservative Ansichten, insbesondere diejenigen zur kirchenrechtlichen und liturgischen Geltung des Apostolikums sowie zum Inhalt des Katechismus, brachten ihn in anhaltende Gegnerschaft zur liberalen Richtung, von der er zu einem nicht kleinen Teil als Hassfigur angesehen wurde. Ab 1893 amtierte Reinmuth zehn Jahre als Vorsitzender der Evangelischen Konferenz. 1900 erhielt er die Ehrendoktorwürde der theologischen Fakultät der Universität Greifswald.

1904 wurde er von Großherzog Friedrich I. in den Evangelischen Oberkirchenrat berufen. 1907 trat Reinmuth aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. Nach seinem Tod erhielt er ein Ehrengrab auf dem Knielinger Friedhof. Der Grabstein befindet sich heute an der Mauer bei der evangelischen Kirche. 1912 wurde in Knielingen die Reinmuthstraße nach ihm benannt.

René Gilbert 2016

Quelle

Chronik der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe für das Jahr 1907, 33. Jg., Karlsruhe 1908, S. 258 f.

Literatur

Theodor Friedrich Mayer: Johannes Valentin Reinmuth, in: Badische Biographien Bd. 6, hrsg. von Albert Krieger und Karl Obser, Heidelberg 1935, S. 616-619; Herbert Peter Henn: Die Kirche in Knielingen, in: Bürgerverein Knielingen (Hrsg.): 1200 Jahre Knielingen 786-1986, Karlsruhe 1985, S. 94-115, hier S. 98 f.; Stadt Karlsruhe (Hrsg.): Straßennamen in Karlsruhe, Karlsruhe 1994, S. 170 (= Karlsruher Beiträge Nr. 7).