Ernst Schoemperlen

Automobilpionier, Unternehmer, * 9. Juni 1872 Lahr/Ortenaukreis † 12. Dezember 1960 Freiburg, ∞ 1. Maria Bürkle, 2. Lili Huber, 1 Sohn, 1 Tochter.

Nach der Mittleren Reife absolvierte Ernst Schoemperlen 1889-1892 eine Lehre in der Buchdruckerei seines Vaters in Lahr. Nach dem Einjährig-Freiwilligen Militärdienst 1892/93 vervollständigte er seine Ausbildung 1893/94 in der Buch- und Kunstdruckerei J. M. Richter in Würzburg. Seine Begeisterung für neueste technische Errungenschaften führte ihn allerdings zum Handel mit Automaten.

1897 ließ er sich in Karlsruhe nieder, wo er die Automatenhalle in der Kaiser-Wilhelm-Passage übernahm. Der Kauf eines gebrauchten Benz Velos vom Durlacher Bürgermeistersohn Carl Steinmetz 1898 und dessen gewinnbringender Wiederverkauf nach umfangreichen Reparaturen brachte ihn zu dem Entschluss, Autohändler zu werden. Vermutlich noch 1898 lernte er Carl Benz in Mannheim kennen. Ende des Jahres schloss er einen Generalvertretungsvertrag mit Bergmann Industriewerke in Gaggenau - ab 1905 Süddeutsche Automobil-Fabrik Gaggenau (SAG) -, die seit 1894 auch Automobile, bevorzugt Nutzfahrzeuge, herstellten.

Ab 1900 betrieb Schoemperlen im Hinterhof der Akademiestraße 23 eine Automobil-Centrale, die Anlaufstelle für Automobilinteressierte und Reparaturwerkstätte zugleich war. 1905 ließ er das Unternehmen ins Handelsregister eintragen und verlegte es in die Georg-Friedrich-Straße 28. 1908 trat Walter Gast als gleichberechtigter Teilhaber in die Firma ein, die von nun an als "Automobil-Centrale Schoemperlen & Gast" (S & G) firmierte und noch im selben Jahr neue Räumlichkeiten in der Amalienstraße 63 bezog. Schoemperlen war für den Werkstattbetrieb, Gast für den kaufmännischen Bereich zuständig. Durch die Verschmelzung von Benz & Cie., Mannheim mit SAG zu „Benzwerke Gaggenau, vormals SAG“ am 31. Oktober 1910 konnten S & G ihre bisherige Generalvertretung für SAG auf die Benz-Fahrzeuge in Mannheim ausweiten. Im selben Jahr wurde Schoemperlen vom Großherzoglich Badischen Bezirksamt zum amtlich anerkannten Automobil-Sachverständigen ernannt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reserveoffizier des 1. Landsturm-Infanterie-Bataillons Mosbach XIV/1 an der deutsch-französischen Front und wurde mit dem Ritterkreuz 2. Klasse mit Schwertern des Ordens vom Zähringer Löwen und dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.

Nach Kriegsende bauten er und Gast das Unternehmen weiter aus, aus dem beide 1936 ausschieden. Schoemperlen zog nach Freiburg, wo er bis zu seinem Tod, in den letzten Jahren fast vollständig erblindet, lebte. Bestattet wurde er auf dem Hauptfriedhof Karlsruhe. Als S & G 1960 im Westen von Karlsruhe einen neuen Firmenkomplex errichtete, wurde die neu angelegte Zufahrtsstraße zur Erinnerung an den ersten Automobilisten der Stadt Schoemperlenstraße benannt und seit 1988 trägt die Ernst-Schoemperlen-Stiftung seinen Namen.

Katja Förster 2015

Literatur

Sabine Lehmkühler: Geschichten aus einem bewegten Jahrhundert. Schoemperlen & Gast. 1898-1998, Karlsruhe 1998; Alois Obert: Christian Ehregott Schoemperlen, der Lahrer Druckereiunternehmer 1834-1924. Ernst Schoemperlen, der Automobilpionier 1872-1960. 90 Jahre Automobilgesellschaft Schoemperlen & Gast in Karlsruhe. 60 Jahre Niederlassung in Offenburg, in: Geroldsecker Land, 32, 1990, S. 82-91.