Kathinka Himmelheber um 1968, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 1728.

Kathinka Himmelheber, geb. Hermann

Bibliothekarin, * 16. Mai 1898 Karlsruhe, † 9. Dezember 1977 Bad Bellingen/Lkr. Lörrach, ∞ 1926 Bernhard Himmelheber († 1967), 2 Söhne.

Kathinka Himmelheber war die Tochter des Regierungsassessors Max Herrmann, der für die Großherzoglich Badische Eisenbahnverwaltung arbeitete, und einer Schweizerin. 1905-1917 besuchte sie die Victoria-Privatschule und absolvierte anschließend bis zur Prüfung 1918 das Lehrerinnenseminar Prinzessin-Wilhelm-Stift. Ihren eigentlichen Berufswunsch verwirklichte sie anschließend mit einer Ausbildung für den mittleren Bibliotheksdienst an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe im Oktober 1918. Nach ihrer Hochzeit mit dem Architekten und Sohn des Karlsruher Möbelfabrikanten Gustav Himmelheber schied sie 1926 aus dem Bibliotheksdienst wieder aus.

1939 wurde ihr Mann Bernhard Himmelheber zur Wehrmacht einberufen. Nach der nahezu vollständigen Zerstörung der Möbelfabrik Gebrüder Himmelheber am 3. September 1942 trat Kathinka Himmelheber, die dem NS-System ablehnend gegenüberstand, wegen des zunehmenden Personalmangels als Buchhalterin in die Firma ein. Am Kriegsende leitete sie die Firma als Geschäftsführerin.

Nach Kriegsende beteiligte sie sich am demokratischen Wiederaufbau und setzte sich für die Gleichberechtigung der Frauen ein. Zusammen mit unter anderen Charlotte Anders, Frieda Goldschmidt, Elisabeth Großwendt und Luise Riegger gründete Himmelheber im Oktober 1946 die überparteiliche und überkonfessionelle Karlsruher Frauengruppe in der Überzeugung, dass Frauen fortan am öffentlichen Leben teilnehmen müssen. Als Vorsitzende der Gruppe nahm sie 1947 teil an der Gründung des Landesverbandes in Nordbaden, 1948 an der Gründung der Arbeitsgemeinschaft der überparteilichen Frauenorganisationen in der US-Zone, 1949 an der Gründung des Deutschen Frauenrings sowie an allen wichtigen Frauenkongressen der Nachkriegszeit.

Ein besonderes Anliegen war ihr die Friedenssicherung, Krieg sollte nicht mehr Mittel der Politik sein. Da einflussreiche Vertreterinnen der Frauenbewegung in der Frage der deutschen Wiederbewaffnung keine klare Position einnahmen, zog sie sich allmählich aus der Vorstandsarbeit der Karlsruher Frauengruppe zurück. Gerne nahm sie daher das Angebot an, für die Künstlerinnenorganisation GEDOK die Abteilung Kunstfreundinnen aufzubauen. Durch ihren Vater, der selbst Klavier spielte, musikalisch geprägt, interessierte sie sich im Alter für die Entwicklungen in der aktuellen Musikkultur, besuchte die Donaueschinger Musiktage und pflegte Kontakte zu Karlsruher Nachwuchskomponisten und Musikwissenschaftlern.

René Gilbert 2015

Quelle

StadtAK 8/StS 13/823-824.

Literatur

Barbara Guttmann: „Zwischen Trümmern und Träumen“ – Karlsruherinnen in Politik und Gesellschaft in der Nachkriegszeit, Karlsruhe 1997, S. 57-63 http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/frauengeschichte/truemmern (Zugriff am 22. Dezember 2015).