Hans Canon (eigentlich Johann Baptist Strašiřipka)

Maler, * 13. März 1829 Wien, † 12. September 1885 Wien, kath., seit 1882 ev., ∞ 1. 1866 Katharina Buchhold, 2. 1882 Amalie Veranneman van Watervliet, 1 Sohn.

Hans Canon besuchte 1843-1845 das Polytechnische Institut in Wien, 1845/46 die dortige Kunstakademie und 1847/48 für kurze Zeit das Atelier von Ferdinand Georg Waldmüller. Mehr aus Rastlosigkeit denn Überzeugung beteiligte er sich am Wiener Oktoberaufstand von 1848, wurde verhaftet, entkam zwar der Hinrichtung, wurde dafür aber zum Kürassier-Regiment 7 "abgestellt". 1853 quittierte er den Dienst als Leutnant und konzentrierte sich von nun an auf seine künstlerische Laufbahn. Studienreisen, autodidaktische Studien nach Künstlern des 16. und 17. Jahrhunderts sowie Anregungen und technische Ratschläge von Wiener Kollegen vermittelten ihm zunehmend eine handwerkliche und künstlerische Sicherheit, die ihm gegen Ende der 1850er-Jahre in der Porträt- und der Genremalerei erste Erfolge einbrachte. Als dritte wichtige Gattung sollte noch die Historienmalerei hinzukommen.

1862/63 verließ er Wien und ließ sich nach kurzem Aufenthalt in München in Karlsruhe nieder. An der Großherzoglichen Kunstschule, deren Ruf für die Ortswahl wohl ausschlaggebend war, konnte er ein Atelier mieten, in dem er auch Privatschüler unterrichtete. Canons altmeisterliche Maltechnik sowie die an Tizian und Rubens angelehnte barocke Figurenauffassung, deren kraftvolle Wirkung er noch durch einen der venezianischen Malerei entlehnten Kolorismus intensivierte, zogen angehende Künstler wie Ferdinand Keller, Hans Thoma und Wilhelm Trübner in ihren Bann. Auch porträtierte er Johann Wilhelm Schirmer, den Direktor der Kunstschule, noch kurz vor dessen Tod 1863.

In der Karlsruher Zeit 1863-1869 schuf Canon mit "Der Rüdenmeister" (1866), "Die Schatzgräber" (1866), "Cromwell am Sarge Königs Karl I." (1867; Skizzen zum Gemälde in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe) und "Familienglück" (1869) seine ersten Meisterwerke. Außerdem wurde er mit der künstlerischen Ausgestaltung des großherzoglichen Wartesaals im Hauptbahnhof an der Kriegsstraße beauftragt, für den er zwei monumentale Breitbilder mit von Putten umgebenen Allegorien für Eisenbahn, Telegrafie und Post sowie sechs Wandfelder mit Kinderköpfen und Eroten anfertigte.

Verschärfte Rivalitäten mit der Karlsruher Professoren- und der freien Künstlerschaft veranlassten ihn 1869 nach Stuttgart zu gehen, wo das monumentale Gemälde "Die Loge Johannis" (1873; Österreichische Galerie Belvedere, Wien) entstand, das ihm auf der Wiener Weltausstellung 1873 einen solchen Erfolg bescherte, dass er 1874 nach Wien zurückkehrte und neben Hans Makart zum führenden Porträtisten der Wiener Gesellschaft wurde.

Katja Förster 2016

Literatur

Theodor Frimmel von Traisenau: Canon, Hans, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB) 47, 1903, S. 433-441; W. Krause: Straschiripka (Strašiřipka), Johann Bapt.; Künstlername Hans Canon (1829–1885), Maler, in: Österreichisches Biographisches Lexikon (ÖBL), 1815-1950, Bd. 13, Lfg. 61, 2009, S. 359 f., http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Straschiripka_Johann-Bapt_1829_1885.xml (Zugriff am18. Februar 2016); Emerich Ranzoni: Die Canon-Ausstellung, in: Die Kunst für Alle, Jg. 1, 1886, S. 124-126, http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kfa1886/0164?sid=d20fdd3c02012a4cc9da7b5156776d28 (Zugriff am 18. Februar 2016).