Alfred Behnle, Stadtarchiv Karlsruhe 1/POA 5774.

Alfred Behnle

Verwaltungsbeamter, Leiter des Ausgleichs- und Flüchtlingsamtes der Stadt Karlsruhe, * 27. Juni 1914, † 16. Januar 1987, ∞ 1. 1938 Edeltraud Emmerich († 1970), 2. 1971 Ursula Puhl, keine Kinder.

Aufgewachsen ist der Sohn eines Schuhmachers mit drei Geschwistern in der Karlsruher Südstadt. Er besuchte die Volks- und Handelsschule und absolvierte 1930-1932 eine kaufmännische Lehre bei einer Karlsruher Im- und Exportfirma. Es folgten in raschem Wechsel bis zum Sommer 1935 Monate der Arbeitslosigkeit, der Zugehörigkeit zum Freiwilligen Arbeitsdienst und dem Reichsarbeitsdienst sowie Beschäftigungen bei verschiedenen Karlsruher Firmen. 1935-1937 arbeitete er bei C. F. Müller als Betriebsbuchhalter und wechselte am 10. Mai 1937 als Angestellter zur Stadt Karlsruhe. Am 1. Mai dieses Jahres war er auf Vorschlag der Kreisleitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) Mitglied der Partei geworden, da er, der seit dem 8. Lebensjahr musizierte, seit 1936 der Kapelle des politischen Leiterkorps des Kreises Karlsruhe der NSDAP angehörte. Die Kreisleitung drängte auf seine Anstellung bei der Stadt. Behnle ergriff die dort gebotenen Möglichkeiten zu steter Weiterbildung unter anderem bei der Badischen Gemeindeverwaltungsschule und der Verwaltungsakademie Baden und erhielt im Oktober 1939 nach bestandenen Prüfungen die Ernennung zum Beamten.

Die Einberufung zum Heeresdienst im Juli 1940 unterbrach seine Beschäftigung bei der Stadt bis zum Mai 1945. Seinen Dienst leistete Behnle beim Heeresverpflegungsamt unter anderem mit Einsätzen an der Ostfront und zuletzt in Stuttgart, wo er bis Januar 1945 zum Oberzahlmeister aufstieg. Im April 1945 aus einem Militärlazarett entlassen, kehrte er nach Karlsruhe zurück und begann Ende Mai 1945 in der Wirtschafts- und Versorgungsverwaltung der Stadt zu arbeiten. Nur gut zwei Monate später, am 5. August ernannte ihn Oberbürgermeister Hermann Veit zum Flüchtlingskommissar, seit Anfang 1948 leitete er die städtische Flüchtlingsstelle. Behnle sollte alle nötigen Vorbereitungen treffen, um eine große Zahl von Flüchtlingen und Vertriebenen in der Stadt zu versorgen und aufzunehmen. Diese Folge der Niederlage in dem von Nazi-Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg und der Beschlüsse der am 2. August beendeten Konferenz der Siegermächte in Potsdam war eines der zentralen Probleme aller deutschen Kommunalverwaltungen. Bei dessen Bewältigung bewies sich Behnle als erfolgreicher Organisator und führender Mitverantwortlicher für eine - soweit die Nachkriegssituation dies zuließ - effiziente Struktur der Flüchtlingsaufnahme und Betreuung (unter anderem: Aufbau des Durchgangslagers Artilleriekaserne, Schaffung einer Flüchtlingsberatungsstelle, Initiierung der Vertrauensleute der Flüchtlinge, Durchführung der Kulturtage der Neubürger, Mitbegründer der Baugenossenschaft Neubürgersiedlung). Während seines Entnazifizierungsverfahrens 1946 konnte er auf Antrag der Stadtverwaltung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit im Amt bleiben. Seine Einstufung als Mitläufer wurde 1947 im Rahmen der Weihnachtsamnestie aufgehoben.

1955 erhielt die Flüchtlingsstelle wegen der Erweiterung der Aufgaben mit der Betreuung der Flüchtlinge aus der DDR die Bezeichnung Amt für Vertriebene und Flüchtlinge. Eine Bewerbung Behnles als Direktor der Städtischen Rheinhäfen blieb 1958 erfolglos. Mit der Übernahme der Leitung des Ausgleichs- und Flüchtlingsamtes 1963 blieb er bis zu seiner Pensionierung 1979 in dem Tätigkeitsbereich, in dem er in der unmittelbaren Nachkriegszeit seine Laufbahn bei der Stadtverwaltung fortgesetzt hatte. Für sein Wirken und seine Leistungen für die Flüchtlinge und Vertriebenen erhielt Behnle, der ehrenamtlich als Schöffe tätig war und viele Jahre den Bürgerverein Rüppurr leitete, 1979 das Bundesverdienstkreuz.

Manfred Koch 2019

Quellen

StadtAK 1/POA 5773-5774 (Personalakte); 8/ZGS, Persönlichkeiten (Behnle); 8/StS 13/56 (nachträglich verfasster Bericht Behnles über seine Tätigkeit als Flüchtlingskommissar und Leiter der Flüchtlingsbetreuungstelle).

Literatur

Manfred Koch: Vom Zufluchtsort zur Neuen Heimat. Flüchtlinge und Vertriebene in Karlsruhe nach dem Zweiten Weltkrieg (unveröffentlichtes Manuskript), 2019.