Offizielle Einweihung des Rheinhafens am 27. Mai 1902, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XI 1386.
Luftaufnahme vom Rheinhafen nach Südosten, um 1910, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 3 XVI/1a.
Teilansicht des Südbeckens vor 1914, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVa 367.
Luftbildaufnahme vom Rheinhafen, 1983, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVf 432.

Rheinhafen Karlsruhe

Als Karlsruhe im Jahr 1715 gegründet wurde, lag es gut sieben Kilometer vom Rhein entfernt, es verfügte über keinen eigenen Hafen, nach dem man aber schon in der Frühzeit der Stadt strebte. Angesichts der technischen und vor allem finanziellen Schwierigkeiten musste man noch lange mit Lösungen vorlieb nehmen, die den Anforderungen der wachsenden Stadt nicht gerecht werden konnten. Zunächst behalf man sich mit dem kleinen Hafen des Dörfchens Schröck. Der 1833 anlässlich der Hafeneröffnung zu Ehren des regierenden Großherzogs in Leopoldshafen umbenannte Ort verfügte aber nur über sehr bescheidene Hafenanlagen. Die Waren mussten zudem auch noch nach der Einführung des Eisenbahnverkehrs mit Pferdefuhrwerken transportiert werden.

1862 versprach die Ausbaggerung des kleinen Hafens Maxau endlich Abhilfe. Mit über 200.000 Tonnen Umschlag war der Hafen 1899 aber an einer Kapazitätsgrenze angelangt, die ohne umfassende Ausbauten nicht mehr überschritten werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Würfel allerdings schon in eine andere Richtung gefallen. Auch die politische Großwetterlage hatte eine nicht unwesentliche Rolle gespielt: nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 war durch die Annexion Elsass-Lothringens ein wirtschaftlicher Großraum entstanden, dessen weitere Entwicklung einen Ausbau der Schifffahrt auf dem Rhein oberhalb von Mannheim geradezu zwingend erforderte. Deshalb vereinbarten Stadt und Staat 1896, "einen mit der Eisenbahn und der Wasserstraße des Rheins in unmittelbarer Verbindung stehenden, der Großschiffahrt dienenden Hafen in der Niederung westlich von Mühlburg" zu bauen. Nach nur zweieinhalbjähriger Bauzeit unter der Leitung des Ingenieurs Max Honsell, von dem auch die Idee stammte, wurde der Hafen am 1. Mai 1901 eröffnet.

Über einen kleinen Vorhafen am Rhein gelangten die Schiffe in einen rechtwinklig zum Rhein angelegten Stichkanal, der in gerader Linie ins Mittelbecken, nach Süden ins Südbecken und nach Norden in einen kleinen Petroleumhafen führte. Zum Bau des Rheinhafens hatte die Stadt 1898 von den eigenständigen Gemeinden Bulach, Daxlanden und Knielingen, verschieden große Gemarkungsgebiete nach einem Zwangsabtretungsverfahren bekommen. Das städtische Elektrizitätswerk in der Honsellstraße lieferte zwar seit März 1901 Strom, die für den Hafenbetrieb erforderlichen Hochbauten wurden aber erst 1901/02 fertig gestellt: Die Werfthalle I Ende Juni 1901, das Verwaltungsgebäude im September 1901 und das Getreidelagerhaus im Frühjahr 1902. Auch die technischen Geräte und Installationen wie Kräne, Elevatoren und die für den Kohletransport wichtige Hochbahn waren erst nach und nach einsatzbereit. Die offizielle Einweihung fand am 27. Mai 1902 im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Regierungsjubiläum von Großherzog Friedrich I. statt.

Ausgelegt war der Hafen auf zunächst 300.000 Tonnen jährlich, die bereits im dritten Betriebsjahr erreicht waren, 1913 war mit knapp 1,5 Millionen Tonnen die vorläufige Höchstmarke erreicht. Hauptumschlag war die Kohle mit 53 %, gefolgt von Holz mit 20 % und Getreide mit 9 %. Versorgt wurde nicht nur Baden, sondern auch Württemberg, wohin 28 % der Güter gingen und die Schweiz mit 14 %. Bereits 1903 wurden eine zweite Werfthalle errichtet und erste Überlegungen über den Bau eines Nordbeckens angestellt. Da im Petroleumhafen so gut wie kein Umschlag stattfand, wurde dessen Betrieb eingestellt und sein Becken 1910/11 zum Nordbecken verlängert (Einweihung am 24. Juni 1913). Die anhaltende Nachfrage nach Grundstücken führte ab Sommer 1913 zum Bau des Südwestbeckens, dessen Fertigstellung sich aber wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs im August 1914 bis zum Frühjahr 1916 hinauszögerte. Die 1908 gegründete Rheinische AG für Braunkohlebergbau und Brikettfabrikation (RAG) hatte schon vorab einen Vertrag über ein 25.000 Quadratmeter großes Hafengrundstück abgeschlossen, auf dem sie zum 1. Mai 1916 die größte europäische Umschlaganlage für Braunkohle in Betrieb nahm. Weitere Handelsfirmen, die sich am Südwestbecken niederließen, waren Haniel, Röchling und Raab Karcher; letztere nahm 1927 die erste Tankanlage im Rheinhafen in Betrieb, gefolgt von Rhenania-Ossag in Kooperation mit Shell im Dezember 1928, woraus sich der bis heute für den Rheinhafen wichtige Mineralölverkehr entwickelte.

Der Umschlag erreichte schon im Ersten Weltkrieg nicht mehr den Vorkriegshöchststand und sank nach Kriegsende rapide ab. Im Jahr 1922 erholte sich der Umsatz zwar wieder, um 1923 dann aber wegen der Ruhrkrise und der Besetzung des Karlsruher Rheinhafens durch französische Truppen wieder stark zurückzugehen. Erst 1924 setzte ein erneuter Aufschwung ein. Selbst in den Weltwirtschaftskrisenjahren 1929 bis 1932 blieb der Aufwärtstrend erhalten, was nicht zuletzt an der 1930 abgeschlossenen Rheinregulierung der Strecke Mannheim-Sondernheim lag. 1928 war Karlsruhe der fünftgrößte deutsche Rheinhafen.

Mitte der 1930er-Jahre erhielt der Rheinhafen durch die Verbreiterung des Stichkanals und den Bau des Beckens V, das parallel zum Südwestbecken angelegt wurde, seine endgültige Gestalt. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933, die den Aufbau kriegswirtschaftlich wichtiger Betriebe im Grenzland verboten, ließ den Umschlagverkehr im Rheinhafen dann drastisch sinken. Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs (August/September 1942 sowie Herbst/Winter 1944/45) zerstörten große Teile des Rheinhafens und der dortigen Industrieanlagen. Ende Januar 1945 kam der Hafenbetrieb vollständig zum Erliegen.

Fehlende Arbeitskräfte, Mangel an Baumaterial und die Begünstigung des Mannheimer Hafens durch die US-amerikanische Militärregierung verzögerten den Wiederaufbau des Rheinhafens. Dennoch wurde bereits 1948 beim Güterumschlag wieder die Millionengrenze erreicht. Aber erst 1949 begann der eigentliche Wiederaufbau der Hafenanlage, deren umliegendes Industriegebiet durch die Geländeauffüllung vor allem mit dem innerstädtischen Trümmerschutt erheblich erweitert werden konnte. Ende der 1950er-Jahre waren die Vorkriegsergebnisse mit mehr als drei Millionen Tonnen Umschlag dann wieder erreicht und übertroffen. Firmenneuansiedlungen und -neugründungen, die keinen wasserseitigen Umschlagplatz benötigten, trugen dazu bei, dass sich der Rheinhafen in den 1960er-Jahren zu einem der führenden europäischen Binnenhäfen entwickelte. 1990 wurde gar ein neuer Rekord mit nahezu 12 Millionen Tonnen aufgestellt. Damit war der Rheinhafen Karlsruhe zweitgrößter europäischer Binnenhafen und größter Ölbinnenhafen und gehört auch heute noch zu den zehn führenden.

Katja Förster 2019

Literatur

Rheinhafen Karlsruhe. 1901-2001, hrsg. von Stadtarchiv Karlsruhe und Rheinhäfen Karlsruhe durch Ernst Otto Bräunche, Karlsruhe 2001 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 22).