Carl Hermann Krabbes

Künstler und Professor, * 17 Mai 1840 Leipzig, † 30. Mai 1920 Illenau-Achern, ev., ∞ 1884 Meta Dorothee Friederike Schönfelder.

Carl Hermann Krabbes' Vater war Hausmeister bei Albert Dufour-Féronce, dem Spross einer alteingesessenen Leipziger Großkaufmannsfamilie hugenottischer Abstammung, wodurch vielleicht schon früh Hermann Krabbes' Interesse für die Schönen Künste geweckt wurde. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung zum Zeichner und Lithografen an der Leipziger Akademie (heute Hochschule für Grafik und Buchkunst). Seit 1859/60 hielt er als freischaffender Lithograf Sehenswürdigkeiten in und um Leipzig und Dresden fest. Auf Dauer scheint ihn das grafische Metier nicht befriedigt zu haben, so dass er 1868/69 Privatschüler des bekannten Aquarellisten und Architekturmalers Carl Werner wurde, der vor seiner Niederlassung in Leipzig im Jahre 1856 eineinhalb Jahrzehnte in Italien gelebt und gearbeitet hatte. 1870/71 setzte Krabbes seine künstlerische Ausbildung noch an der Wiener Kunstakademie bei Albert Zimmermann, einem ausgewiesenen Landschafter, fort. 1872 kehrte er wieder in seine Geburtsstadt zurück, wo er vor allem als Privatlehrer für landschaftliches Zeichnen und Aquarellieren den Lebensunterhalt verdiente.

Am 19. Dezember 1873 erfolgte seine Berufung als Professor für Freihandzeichnen und Aquarellieren an die Polytechnische Schule in Karlsruhe; zum 15. April 1874 trat Krabbes seinen Dienst an der dortigen Abteilung für Architektur an. Seit 1875 war er in den Überblicksschauen des Karlsruher Kunstvereins regelmäßig mit Arbeiten vertreten, die ihn als Perfektionisten der Aquarelltechnik auswiesen. Sein Wissen und Können wurden auch am Großherzoglichen Hof geschätzt: Großherzog Friedrich I. übertrug ihm die künstlerische Ausbildung seiner Tochter Viktoria, der künftigen Königin von Schweden. Auch mit Oberbaudirektor Josef Durm, der nur die besten ihres Faches zu seinen Bauprojekten heranzog, kam es wiederholt zu einer Zusammenarbeit: 1896 führte Krabbes für den Neubau des Erbgroßherzoglichen Palais, 1898 für den Erweiterungsbau des Palais Bürklin und für den Festsaal des neuen Aula- und Hörsaalbaues der Technischen Hochschule Karlsruhe Aquarelle aus. Die Wandbilder zeigten in der Regel Motive aus Italien, das er zu Studienzwecken wiederholt bereiste, oder aus Ägypten, wo er 1892 mehrere Monate verweilte. Für seine Verdienste als Lehrer und Künstler wurden ihm mehrere Auszeichnungen verliehen, darunter die kleine goldene Medaille für Kunst der Berliner Kunstakademie (1888), das Ritterkreuz des königlich schwedischen Nordstern-Ordens (1892), das Ritterkreuz vom Orden Berthold des Ersten (1911) und das Kommandeurkreuz 2. Klasse des Zähringer Löwenordens.

Eine chronische Bronchitis mit Lungenemphysem, rheumatische Beschwerden und ein erschöpftes Nervensystem führten seit Mitte der 1890er-Jahre zu regelmäßigen Kuraufenthalten, bevorzugt im Gebirge. Auf sein Ansuchen wurde er zum 1. Oktober 1911 in den Ruhestand versetzt.

Katja Förster 2020

Quellen

GLA 235/13353; Chronik der Landeshauptstadt Karlsruhe für die Jahre 1920-1923, Jg. 36-39, Karlsruhe 1930, S. 81, Band zum Download (PDF) (Zugriff am 16. September 2022); Hermann Krabbes †, in: Karlsruher Tagblatt vom 10. Juni 1920 .