Johannes Brümmer, 1918, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIV 186 (Ausschnitt).

Johannes (Hans) Brümmer

Schmied, Gewerkschafter, Politiker, * 13. Dezember 1886 Tauberbischofsheim, † 19. Dezember 1966 Oberaichen/Stadt Leinfelden-Echterdingen/Lkr. Esslingen, ev., ab 1919 freireligiös, ∞ 1. Hedwig Freudenberger (1887-1944), 3 Söhne, 2. 1954 Elsa Koch († 1984).

Johannes Brümmer, Sohn eines Schmieds, machte bei seinem Vater eine Lehre zum Wagen- und Hufschmied. Auf der anschließenden Walz lernte er gewerkschaftlich organisierte Berufskollegen kennen und trat 1904 dem Verband Deutscher Schmiede (VDS) bei. Seit 1906 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), wurde Brümmer 1907 Bevollmächtigter der Ortsverwaltung Mannheim des VDS und nach dem Aufgehen des VDS im Deutschen Metallarbeiterverband (DMV) ab 1912 des DMV. Während des Ersten Weltkriegs war Brümmer bis 1917 Soldat. Als Kritiker der Burgfriedenspolitik trat er 1916 aus der SPD aus und wurde Mitbegründer der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Mannheim. Wegen eines Streikaufrufs wurde er 1918 erneut zum Kriegsdienst eingezogen.

Am 9. November 1918 organisierte Brümmer in Karlsruhe die Bildung eines Arbeiter- und Soldatenrats und gehörte als Minister für militärische Angelegenheiten der Vorläufigen badischen Volksregierung an. Nach der Niederlage der USPD bei der Wahl zur badischen Nationalversammlung erklärte Brümmer am 7. Januar 1919 seinen Rücktritt und konzentrierte sich verstärkt auf die gewerkschaftliche Tätigkeit. 1919-1927 war er hauptamtlicher Bevollmächtigter des DMV in Mannheim, 1927-1933 Bezirkssekretär des DMV in Stuttgart. Politisch engagierte sich Brümmer als Stadtverordneter in Mannheim (1920-1927) sowie nach seinem Wiedereintritt in die SPD 1923 als Mitglied des Badischen Landtags (1925-1928). Nach der Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten im Mai 1933 wurde Brümmer entlassen, verhaftet und 1934 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Zur Sicherung des Lebensunterhalts ging er bis 1945 verschiedenen illegalen Tätigkeiten nach und blieb in Kontakt mit Gewerkschaftsfunktionären.

Nach Kriegsende gehörte Brümmer zu den führenden Persönlichkeiten beim Wiederaufbau der Gewerkschaften in Südwestdeutschland. Von Mai 1945 bis Dezember 1949 amtierte er als Vorstandsmitglied des Gewerkschaftsbunds Württemberg-Baden sowie von 1946-1949 als Vorsitzender des Industrieverbands Metall Württemberg-Baden. Als Vertreter der Gewerkschaften gehörte Brümmer 1946 der Vorläufigen Volksvertretung für Württemberg-Baden an. 1948 wurde Brümmer neben Wilhelm Petersen und Walter Freitag einer von drei Vorsitzenden der IG Metall der britischen Zone. 1950 wurde er im Amt bestätigt und blieb Co-Vorsitzender für die Bundesrepublik Deutschland mit Freitag (bis 1952) und danach bis 1956 mit Otto Brenner. Nach seinem Ausscheiden blieb Brümmer gewerkschaftlich und politisch aktiv und amtierte bis 1965 als Mitglied des Kontrollausschusses der IG Metall sowie als Stadtrat in Leinfelden-Echterdingen 1957-1966.

René Gilbert 2016

Quellen

GLA 231/10956 fol. 68-69; Archiv der IG Metall, Frankfurt am Main.

Literatur

Kurt Thomas Schmitz: Brümmer, Hans, in: Baden-Württembergische Biographien Bd. 1, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1994, S. 45-47; Siegfried Mielke/Stefan Heinz: Johann (Hans) Brümmer (1886-1966), Deutscher Metallarbeiterverband, Industriegewerkschaft Metall, in: Funktionäre des Deutschen Metallarbeiterverbandes im NS-Staat, hrsg. von Siegfried Mielke, Berlin 2012, S. 182-187 (= Gewerkschafter im Nationalsozialismus Bd. 1).