Ankündigung einer öffentlichen Volksversammlung der USPD Karlsruhe zum Jahrestag der Revolution, 9. November 1919, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS X 1263.

Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD)

Bereits Mitte 1916 hatte der preußische Gesandte in Karlsruhe nach Berlin berichtet, dass die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft, mit deren Gründung sich am 24. März 1916 die Spaltung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) ankündigte, auf einer Versammlung im April 1917 in Karlsruhe nur 17 Teilnehmer hatte anlocken können. Auch an der konstituierenden Versammlung der USPD in Karlsruhe im Mai 1917 nahmen nur 24 Personen teil. Mitte Juni soll die Partei dann aber schon über 100 Mitglieder gehabt haben. Treibende Kräfte der USPD in Karlsruhe waren die drei vormaligen Sozialdemokraten Jakob Trabinger, Bernhard Kruse und Georg Dietrich, die bereits Anfang 1915 einen sofortigen Frieden gefordert hatten. Die Verurteilung des Karlsruher USPD-Führers, des Schlossers Hans Heindl, "wegen erschwerten Einbruchdiebstahls zu 5 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust" Ende September schadete der neuen Partei erheblich, zumal auch die Karlsruher Gewerkschaftsführung auf Seiten der MSPD stand. Dennoch gehörten mit Hans Brümmer und Adolf Schwarz, beide Mannheim, zwei USPDler der Vorläufigen Volksregierung an.

Die unterschiedlichen Ausrichtungen der Parteimitglieder traten bald offen zu Tage, die spätere Aufspaltung in Sozialdemokraten und Kommunisten deutete sich bereits an. Hans Brümmer warb am 24. November 1919 auch um das Vertrauen in die neue Regierung, Dr. Knud Ahlhorn, Schriftsteller aus München und zeitweise Chefredakteur der am 1. Januar 1919 gegründeten Parteizeitung Sozialistische Republik, trat am 27. Dezember dagegen für die Räterepublik ein.

Am 16. Februar 1919 hielt die USPD in Karlsruhe ihren ersten Landesparteitag ab. Dieser bestimmte Karlsruhe zum Parteisitz und den Karlsruher Metallarbeiter Bernhard Kruse zum Ersten Vorsitzenden, der 1920 auch Parteisekretär der badischen USPD wurde. 1919 veranstaltete die Ortsgruppe Karlsruhe 19 öffentliche, 18 Mitglieder- und etliche Bezirksversammlungen. Mitte Februar hatte die Ortsgruppe circa 500 Mitglieder, womit sie aber deutlich hinter der stärksten badischen Ortsgruppe der USPD in Mannheim mit rund 3.000 Mitgliedern zurückblieb. Ein "Aktionsausschuss zur Einigung des Proletariats", der sich Mitte des Jahres 1919 unter dem maßgeblichen Einfluss der USPD gebildet hatte, stieß bei der SPD auf heftigen Widerstand und blieb dem sozialdemokratischen Volksfreund zufolge ohne greifbaren Erfolg. Eine Demonstration am 13. Juni gegen das Todesurteil für den Kommunisten Lewiné in München, zu dem der Aktionsausschuss der USPD und der KPD aufgerufen hatte, soll aber recht gut besucht gewesen sein, wobei die Zahlenangaben zwischen 2.000 und 8.000 schwanken. Kommunalpolitisch tat sich in der USPD neben Jakob Trabinger noch Hermann Jung als Stadtrat 1919/20 hervor, bevor er zur SPD wechselte. Bernhard Kruse gehörte dem Stadtverordnetenvorstand vom 27. Mai 1919 an.

Die USPD dominierte bis zur Vereinigung ihres linken Parteiflügels mit der KPD Ende 1920 eindeutig das äußerste linke Parteienspektrum in Karlsruhe. Bei der Reichstagswahl 1920 erzielte die USPD mit 18,4 Prozent der Stimmen ihr bestes Ergebnis vor allem auf Kosten der SPD und wurde drittstärkste Partei in Karlsruhe. Am 20. September 1920 sprach sich aber eine Mitgliederversammlung mehrheitlich für den Anschluss an die Kommunistische Internationale und den Zusammenschluss mit der KPD aus. Die Urwahl zu dieser Frage am 17. Oktober endete mit einem Sieg (274 : 35) der Befürworter des Anschlusses. Diese Linie setzte sich dann auch auf dem Offenburger Parteitag am 24. Oktober 1920 durch. Am 18. und 19. Dezember fand dann der Vereinigungsparteitag der USPD und der KPD im Elefanten in Karlsruhe statt, der Mannheim als Vorort, d. h. Sitz der Bezirksleitung, der KPD mit 52 zu 38 Stimmen festlegte.

Wahlergebnisse USPD %
Nationalversammlung (Baden) 1919, 5. Januar 3,8
Nationalversammlung (Reich) 1919, 19. Januar ---
Reichstag 1920, 6. Juni 18,4
Landtag 1921, 30. Oktober 4,2
Ernst Otto Bräunche 2021

Quelle

Sozialistische Republik, StadtAK Ze 32.

Literatur

Ernst Otto Bräunche: „Eine neue Zeit der Freiheit ist angebrochen“ – Politik und Parteien in der Weimarer Republik, in: Ernst Otto Bräunche/Frank Engehausen/Jürgen Schuhladen-Krämer (Hrsg.): Aufbrüche und Krisen. Karlsruhe 1918-1933, Karlsruhe 2020, S. 89-115, S. 30-33 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 35).