Luftbild des Gartenschaugeländes im Stadtgarten und Zoo, 1967, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIIIa 22.
Schlossgartenbahn ("Bähnle"), 1967, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 125/5.
Blick auf Stadtgartensee mit Gondoletta, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIc 156.

Bundesgartenschau

Die Bundesgartenschau fand vom 14. April bis 23. Oktober 1967 statt. Veranstalter waren die Stadt und der Zentralverband des Deutschen Gemüse-, Obst- und Gartenbaus Bonn. Die organisatorische und wirtschaftliche Vorbereitung und Ausführung oblag der Ausstellungs- und Kongress GmbH Karlsruhe. Die Vorbereitungen hatten 1962 begonnen, als die Stadt einen Ideenwettbewerb ausschrieb. Im Januar 1963 wurde das Gartenbauamt eingerichtet und Robert Mürb als sein Leiter und als Chefplaner für die Bundesgartenschau eingesetzt.

Bei der Bewerbung um die Bundesgartenschau stand die Neugestaltung der citynahen Grünflächen (Zoo und Stadtgarten, Schlossgarten, Schlossplatz, Botanischer Garten und Fasanengarten) im Zentrum der städtebaulichen Maßnahmen, um den gewachsenen Ansprüchen an das städtische Grün, insbesondere als Erholungsflächen, gerecht zu werden.

Die Ausarbeitung des Vorentwurfs für Stadtgarten und Zoo übernahm das Städtische Gartenbauamt in Zusammenarbeit mit dem Preisträger Jürgen Klahn. Die Gestaltung des Schlossplatzes sowie die Umgestaltung des Botanischen Gartens lag in den Händen der französischen Gartenarchitekten Jacques Sgard und Gilbert Samel. Die Umgestaltung des Schlossgartens übernahm die Architekten-Arbeitsgemeinschaft Herbert W. Dirks, Johannes P. Hölzinger und Gottfried Kühn. Im Schlossgarten wurden durch Architekt Johannes P. Hölzinger und Kinetiker Hermann Göpfert außerdem Schwerpunkte in Form von Lichtgarten, Garten der Steinernen Säulen, Garten der tanzenden Wasserwände und Wassergarten geschaffen.

Der Schlossgartensee wurde um das Achtfache vergrößert und erhielt für die Dauer der Schau ein Seerestaurant. Eine Schlossgartenbahn verband den Schlossgarten mit dem Fasanengarten. Eine Aufwertung erfuhr der Schlossplatz durch die 260 Meter lange Unterführung des Straßenverkehrs und die Tiefgaragen, mit denen der ruhende Verkehr völlig von diesem Platz verschwand und eine nur noch durch den Zirkel unterbrochene Fußgängerverbindung zur Kaiserstraße möglich wurde.

Neu geschaffen bzw. neu gestaltet wurden im Stadtgarten der Rosengarten, der Konzertgarten mit Seebühne und Musikpavillon, der Japangarten, ein Kinderspielplatz mit Kinderautobahn, eine Rasengolfanlage und ein Staudengarten sowie der Garten Baden-Baden am Südeingang.

Mit dem Ausbau von Stadtgarten und Zoo gingen Hochbaumaßnahmen einher: Bauten am Nord- und Südeingang des Stadtgartens, Umbau der Arkaden am Südeingang und Ausbau der Eingänge mit Kassenhäuschen und Zoobauten. Die Nancyhalle mit Restaurant konnte 1966 kurz vor der Bundesgartenschau fertiggestellt werden. Als Attraktion stand auf dem Festplatz ein 100 Meter hoher Aussichtsturm.

Tiefbaumaßnahmen waren der Ausbau der Seen und die Kanalverbindung zwischen Ludwig- und Schwanensee, der Bau der Tiergartenbrücke und einer Fußgängerbrücke über den Stadtgarten und einer Holzbrücke über den Verbindungskanal zwischen den beiden Seen. Für den Stadtgartensee wurden eine Gondoletta und ein Wasserspiel eingerichtet.

Die Bundesgartenschau wurde von 6.374.879 Personen besucht, davon 2, 7 Millionen auswärtige Besucher. Bis heute ist die Bundesgartenschau als eine der schönsten, sicher aber als größte Veranstaltung in der Geschichte der Stadt in Erinnerung geblieben. Viel von dem, was für die Gartenschau geschaffen wurde, trägt bis heute zur Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt bei.

Für alle Baumaßnahmen und den Betrieb der Bundesgartenschau mussten 38,5 Millionen Mark ausgegeben werden. Nach Abzug der Einnahmen von knapp 11 Millionen und dem staatlichen Zuschuss von knapp 8 Millionen Mark blieben etwa 19 Millionen Mark, die die Stadt aufwenden musste.

Angelika Sauer 2012

Quellen

Klaus E. R. Lindemann: Die Verwirklichung einer Idee. 25 Jahre Bundesgartenschau. Eine Dokumentation, Karlsruhe 1977; Bundesgartenschau Karlsruhe 1967. Schlussbericht, Karlsruhe 1970.

Literatur

Manfred Koch: Trümmerstadt, Residenz des Rechts, Zentrum der Technologieregion, in: Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt/Christina Wagner: Karlsruhe. Die Stadtgeschichte, Karlsruhe 1998, S. 519-673, hier S. 616-618; Uta Schmitt: Der Stadtgarten in Karlsruhe. Ein historischer Streifzug, Karlsruhe 2007, S. 85-96 (= Häuser- und Baugeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 6).