Plan mit dem Titel "Grundriß der Ämter Durlach, Mühlburg, Graben und Staffurth samt der ganzen Situation, kolorierte Zeichnung, aufgemessen von Joh. Michael, Lieut. unter dem Durlach. Regiment. Copiert von J. F. von Bazendorff 1714", Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 10.

Stadtgründung

Begonnen hat die Geschichte der Stadt am 17. Juni 1715 mit der Grundsteinlegung zum Turm des Residenzschlosses des Markgrafen Karl Wilhelm von Baden-Durlach. Nach der Zerstörung von Schloss und Stadt Durlach durch französische Truppen während des Pfälzischen Erbfolgekrieges im Jahr 1689 hatte der Vater des Stadtgründers, Markgraf Friedrich Magnus, mit dem Wiederaufbau seines Schlosses in Durlach begonnen, der aber nur schleppend voran ging. Zum einen fehlten die Geldmittel, zum anderen gab es Widerstände der Durlacher Bürgerschaft gegen einen Neubau im Stile des Residenzschlosses Versailles, wie es der Sonnenkönig Ludwig XIV. quasi als Vorbild für ähnliche, dem absolutistischen Selbstverständnis verpflichtete Bauten, wenige Jahre zuvor hatte errichten lassen. Grundsätzlich waren auch die topographischen Voraussetzungen in Durlach nicht sehr geeignet für solche Planungen. Wann aber der Entschluss des Markgrafen feststand, die Wiederaufbaupläne in Durlach nicht weiter zu verfolgen, sondern ein neues Schloss zu bauen, ist eben sowenig eindeutig zu beantworten wie die Frage, ob Markgraf Karl Wilhelm tatsächlich bereits frühzeitig die Anlage einer Stadt oder gar einer neuen Residenzstadt mit beabsichtigt hatte.

Karlsruhe entstand aber offensichtlich unter dem maßgeblichen Einfluss des Ende Januar 1715 in markgräfliche Dienste getretenen Kammerprokurators Johann Georg Förderer von Richtenfels. Dieser hatte schon in dem 1709 erschienenen "Politischen Lustgarten" für eine merkantilistische Wirtschaftspolitik geworben. Eine neue Stadt mit großzügigen Aufnahmebedingungen zog auch Zuwanderer aus anderen Territorien an und erhöhte so die Wirtschaftskraft des Landes. Sein Dienstantritt im Januar 1715 und eine Randbemerkung des Markgrafen auf einem Gesuch eines an der Schlossbaustelle ansässigen Wirtes um Erlass des Ohmgeldes vom 17. Juli 1715, mit dem Karl Wilhelm um Vorschläge Förderers und des Schlossbaumeisters Löwencron für die Anlage modellmäßiger Häuser bittet, sprechen dafür, dass diese Entscheidung schon vor der Grundsteinlegung des Schlosses, spätestens aber im zeitlichen Umfeld des 17. Juni gefallen war.

In dem Protokoll des mit der Grundsteinlegung des Schlosses gegründeten Ordens der Treue heißt es, dass der Markgraf sich entschlossen habe, "zu dero künfftigen Ruhe und Gemüthsergötzung eine fürstliche Residenz in dem sogenannten Haartwald, nahe bey Mühlburg, aufzubauen." In dem am 24. September des Jahres erlassenen Gründungsaufruf Karlsruhes wird dann schon ausdrücklich von einen "bey und neben Dero Neu Erbauenden Lust-Hauß Carols-Ruhe" anzusiedelnden Ort gesprochen. Aus diesem Ort wurde 1718 nach der Verlegung der markgräflichen Behörden von Durlach nach Karlsruhe die neue baden-durlachsche Residenzstadt.

Ernst Otto Bräunche 2015

Quelle

Der Privilegienbrief von 1715 für die Siedler in Karlsruhe, in: Blick in die Geschichte, 17. Dezember 2004, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick65/privilegienbrief (Zugriff am 30. Septmber 2016).

Literatur

Christina Müller: Karlsruhe im 18. Jahrhundert. Zur Genese und sozialen Schichtung einer residenzstädtischen Bevölkerung, Karlsruhe 1992, S. 38-47 (= Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 1); Ernst Otto Bräunche: Vom markgräflichen "Lust-Hauß" zur großherzoglichen "Haupt- und Residenzstadt". Die Entwicklung der Residenz Karlsruhe zwischen 1715 und 1918, in: Kurt Andermann (Hrsg.): Residenzen. Aspekte hauptstädtischer Zentralität von der frühen Neuzeit bis zum Ende der Monarchie, Sigmaringen 1992, S. 199-222 (= Oberrheinische Studien Bd. 10).