Blick auf das DEA-Scholven-Werk, um 1963, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA V V 1825.

MiRO

Die Mineralölraffinerie Oberrhein GmbH & Co. KG (MiRO) ist mit einer Rohölverarbeitungskapazität von 14,9 Millionen Tonnen im Jahr nach der Rheinland-Raffinerie in Köln die zweitgrößte deutsche Raffinerie. Das dazugehörige Tanklager mit einer Kapazität von 730.000 Kubikmetern für Rohöl und von 3,9 Millionen Kubikmetern für Fertigprodukte ist das größte in Deutschland.

Die Geschichte der Erdölverarbeitung in Karlsruhe begann 1957/58, als die DEA-Scholven AG und die Esso AG an die Karlsruher Stadtverwaltung herantraten mit dem Vorhaben, je eine Raffinerie nördlich des Rheinhafens bauen zu wollen. Der damalige Oberbürgermeister Günther Klotz stand diesen Plänen sehr aufgeschlossen gegenüber und trieb deren Realisierung voran. Im Herbst 1962 erreichte die aus Marseille kommende Rohölleitung Société du Pipeline Sud-Européen (SPSE) die Fächerstadt, wodurch die beiden Raffinerien im Frühjahr 1963 ihren Betrieb aufnehmen konnten.

Da die deutschen Raffinerien in den 1990er-Jahren im Zuge der europäischen Marktentwicklung in Bedrängnis gerieten, entschlossen sich die Gesellschafter der Esso und der Oberrheinischen Mineralölwerke GmbH (OMW), die 1969 aus der DEA hervorgegangen war, im Frühjahr 1996 zum Zusammenschluss beider Raffinerien. Am 1. Oktober 1996 wurde die Fusion zur MiRO vollzogen. 1997 erfolgte durch eine Rohrleitungsbrücke und eine Straßenbrücke über die Alb die Verbindung der beiden bis dahin räumlich nur durch die Alb getrennten Werksgelände (458 Hektar).

An der MiRO beteiligt sind die Shell Deutschland Oil GmbH mit 32,25 %, die Esso Deutschland GmbH mit 25 %, die Ruhr Oel GmbH mit 24% sowie die Phillips 66 Continental Holding GmbH mit 18,75 %. Die MiRO beschäftigt heute rund 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und verarbeitet jährlich 15,5 Millionen Tonnen Rohöl, das hauptsächlich aus Osteuropa, Zentralasien und Afrika stammt. Angeliefert wird es über die oben genannte Pipeline und die Transalpine Ölleitung GmbH (TAL) aus Triest. Die Raffinerie stellt unter anderem Propan, Butan, Benzin, Diesel, Heizöl, Bitumen und Schwefel her. 2013 produzierte sie 5 Millionen Tonnen Benzin und 6,6 Millionen Tonnen Diesel, womit jeder dritte in Deutschland verbrauchte Liter Kraftstoff aus Karlsruhe stammt. 2010 startete die MiRO gemeinsam mit den Stadtwerken Karlsruhe ein Umweltprojekt zur Einsparung von Kohlendioxid, in dem sie ihre Prozesswärme von jährlich 40 Megawatt in das städtische Fernwärmenetz einspeist und damit mehrere tausend Haushalte mit Wärme versorgt.

René Gilbert 2015

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 3765-3767, 8/ZGS 80.

Literatur

Jürgen Schuhladen-Krämer: Aus Ruinen in die Spitzengruppe der Binnenhäfen, in: Rheinhafen Karlsruhe 1901–2001, hrsg. von Stadtarchiv Karlsruhe und Rheinhäfen Karlsruhe durch Ernst Otto Bräunche, Karlsruhe 2001, S. 163-236, hier S. 210-222 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 22); René Gilbert: Günther Klotz – Die politische Biographie eines badischen Kommunalpolitikers, Karlsruhe 2014, S. 196-204 (= Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 14); Manuel Schreiber: Die Karlsruher Rheinhäfen, in: Atlas Karlsruhe – 300 Jahre Stadtgeschichte in Karten und Bildern, hrsg. von Ernst Otto Bräunche/Caroline Kramer/Peter Ludäscher/Angelika Zibat/Dorothea Wiktorin, Köln 2014, S. 144 f.