Günther Klotz um 1965, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 379.

Günther Klotz

Ingenieur, Oberbürgermeister, * 21. März 1911 Freiburg, † 7. April 1972 Karlsruhe, kath., ∞ 1938 Hanna Beringer, kinderlos.

Als einer von drei Brüdern der Familie eines sozialdemokratischen Oberinspektors der städtischen Straßenbahn besuchte Klotz in Freiburg die Schule bis zur mittleren Reife; 1928-1931 Lehre als Zementeur; 1931-1935 Studium am Badischen Staatstechnikum in Karlsruhe; 1935-1939 Bauingenieur beim Tiefbauamt der Stadt. Dem wachsenden Druck, in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) einzutreten, entzog sich Klotz durch den Wechsel zur Karlsruher Baufirma Jordan. Für diese baute Klotz bis 1942 Straßen und Flugplätze in Österreich und arbeitete danach mit der Firma im Auftrag der dem Reichsminister für Bewaffnung und Munition unterstehenden Organisation Todt in Frankreich und Italien.

Vom Militärdienst freigestellt und von Kriegsgefangenschaft verschont, kehrte Klotz in die Stadt zurück und setzte sein Organisationstalent, seine Tatkraft und seine Weitsicht für den Wiederaufbau von Karlsruhe ein. Als Vertreter der Firma Jordan wurde Klotz einer der Chefs der Aufräumungs-Arbeitsgemeinschaft-Karlsruhe, die systematisch die Trümmer aus der Stadt räumte. Früher als in anderen Großstädten waren so in Karlsruhe die Voraussetzungen für den Wiederaufbau geschaffen. Ab 1948 vertrat Klotz als Nachrücker die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) im Gemeinderat und stellte sich 1952 erfolgreich zur Wahl als Oberbürgermeister. Seine Wiederwahl 1958 erfolgte ohne Gegenkandidaten mit 99,7 % bei einer Wahlbeteiligung von 61%.

Die 18-jährige Amtszeit von Klotz war geprägt vom Wiederaufbau und Ausbau der früheren Landeshauptstadt: Es entstanden 53.000 Wohnungen in Neubaugebieten am Stadtrand oder in Trabantensiedlungen wie der Waldstadt; Stadtsanierungen in Mühlburg und der Altstadt wurden realisiert bzw. begonnen; der Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur dienten der Ausbau der Kriegsstraße, die Schlossplatzunterführung samt Tiefgarage und der Kauf der Albtalbahn sowie deren Verknüpfung mit dem städtischen Liniennetz; die Ansiedlung zweier Ölraffinieren am Rhein und weiterer Industriebetriebe sowie des Kernforschungszentrums in Karlsruhe stärkten die Wirtschaftskraft und den Forschungsstandort. Das 250-jährige Stadtjubiläum 1965 und die Bundesgartenschau 1967 gehörten zu den Höhepunkten seiner Amtszeit. Als der Gemeinderat 1968 die Veranstaltung einer weiteren Bundesgartenschau ablehnte, reifte in ihm auch wegen sich ändernder politischer Verhältnisse der Entschluss, 1970 nicht für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Sein autokratischer Führungsstil - gerne betonte er, dass auch die Demokratie Muskeln brauche - hatte sich überholt.

Als Klotz starb, war er wegen seiner Volkstümlichkeit und seines schlagfertigen Humors eine allseits geschätzte Persönlichkeit. Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen etwa für seine Bemühungen um die Aussöhnung mit Frankreich durch eine der ersten deutsch-französischen Städtepartnerschaften mit Nancy und mit den ehemaligen Karlsruher Juden durch die Einrichtung der Gedenkstätte in Gurs waren Anerkennung für seine Leistungen. Die Stadt zeichnete ihn 1970 mit der Ehrenbürgerwürde aus und gab der großen Grünanlage an der Alb den Namen Günther-Klotz-Anlage.

Manfred Koch 2012

Quelle

StadtAK 7/Nl 4/Klotz.

Literatur

Manfred Koch: Trümmerstadt – Residenz des Rechts – Zentrum der Technologieregion. Wechselvoller Weg in die Gegenwart, in: Karlsruhe. Die Stadtgeschichte, Karlsruhe 1998, S. 520-648; Klaus E. R. Lindemann: Günther Klotz. OB mit Herz und Humor. Mit einem Porträt von Josef Werner, Karlsruhe 1971; Heinz Schmitt: Klotz, Günther, Oberbürgermeister von Karlsruhe, in: Baden-Württembergische Biografien, Bd. II, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1999, S. 270 f.