Einladungsplakat der BVP zur politischen Aussprache am 19. Juni 1959 im kleinen Saal der Karlsruher Stadthalle, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS X 2323.

Badische Volkspartei

Die Badische Volkspartei (BVP) war eine politische Partei in Baden-Württemberg. Gegründet wurde sie am 5. Juni 1959 in Karlsruhe. Die Mitglieder der BVP, die überwiegend aus dem christdemokratischen Lager kamen, verstanden die Parteineugründung als Rekonstituierung der von Leo Wohleb von 1945-1947 geführten Badisch Christlich-Sozialen Volkspartei (BCSV). Sie forderten als Reaktion auf die Hinhaltepolitik der CDU-geführten baden-württembergischen Landesregierungen von Gebhard Müller und Kurt Georg Kiesinger im Hinblick auf den noch ausstehenden Volksentscheid über den Verbleib Badens im Südweststaat dessen sofortige Durchführung.

Um reelle Chancen auf das Überspringen der 5%-Hürde zu haben, schloss sich die BVP zur Landtagswahl 1960 mit der Deutschen Partei (DP) zusammen. Offiziell als DP/BVP antretend, wurde sie auf dem Wahlschein als DP aufgeführt und erreichte bei der Wahl im Mai 1960 1,6 % der abgegebenen gültigen Stimmen. Das beste Ergebnis erzielte das Bündnis in Südbaden mit 4,3 %. In Nordbaden erhielt es 1,8 %. Maria Wohleb, die Witwe des früheren südbadischen Staatspräsidenten, bekam in Freiburg-Stadt 9,2 % der Stimmen. Bereits im November 1959 waren Mitglieder der BVP bei den Gemeinderatswahlen in Baden-Württemberg angetreten. In Karlsruhe gelang der BVP mit 6,8% der Einzug in den Gemeinderat. Das Mandat wurde bis 1965 von Heinrich Berggötz wahrgenommen.

Mit dem deutlichen Votum der badischen Bevölkerung für den Verbleib Badens in Baden-Württemberg im Juni 1970 war für die BVP das politische Ende gekommen. Folgerichtig löste sie sich im folgenden Jahr auf. Die meisten Mitglieder fanden in der CDU ihre neue alte parteipolitische Heimat.

Gründungsvorsitzender der BVP war der Karlsruher Oberstudienrat Robert Albiez (1922-2013, 1950-1959 CDU, ab 1972 wieder CDU), der als Mitglied des Heimatbundes Badenerland zu den führenden Köpfen der Bewegung für die Wiederherstellung eines eigenständigen Landes Baden gehörte. Ab 1960 hatte der aus Südbaden stammende spätere Oberstudiendirektor Karl Glunk (*1925) den Parteivorsitz inne. Landesgeschäftsführer der Partei war von 1959-1970 Heinz Dörr.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 69 Heimatbund Badenerland, 69 Badische Volkspartei.

Literatur

Robert Albiez: Sachwalter des Mehrheitswillens. Der Heimatbund Badenerland von 1952-61 und der politische Lösungsversuch durch die Badische Volkspartei bei der Landtagswahl 1960, in: Der überspielte Volkswille. Die Badener im südwestdeutschen Neugliederungsgeschehen (1945-1970). Fakten und Dokumente, hrsg. von Robert Albiez/Karl Glunk/Paul-Ludwig Weinacht, Baden-Baden 1992², S. 98-183; Manfred Koch: Karlsruher Chronik. Stadtgeschichte in Daten, Bildern, Analysen, Karlsruhe 1992, S. 319 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 14).