Großherzogin Luise, um 1900, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS I 404.

Luise Marie Elisabeth von Baden, geb. von Preußen

Großherzogin, * 3. Dezember 1838 Berlin, † 23. April 1923 Baden-Baden, ev., ∞ 20. September 1856 Großherzog Friedrich I., 3 Kinder.

Die Tochter von Prinz Wilhelm von Preußen, dem späteren Kaiser Wilhelm I., und Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach wurde neben dem üblichen Privatunterricht nachdrücklich für die "fürstlichen Tugenden" einer karitativen Tätigkeit vorbereitet, die zu einem ihrer Lebensprinzipien wurde. Die Ehe mit Friedrich von Baden sollte das Verhältnis zu Preußen durch verwandtschaftliche Bande verbessern, da König Wilhelm I. einst als "Kartätschenprinz" die badische Revolution 1848/49 niedergeschlagen hatte.

Neben Großherzog Friedrich wurde Luise bald zum Inbegriff einer Landesmutter, denn sie gründete mit dem Badischen Frauenverein 1859 eine umfängliche Hilfsorganisation als Vorläufer der Rotkreuzschwesternschaft. Der Frauenverein, den sie mit ausgezeichnetem Gedächtnis und Eloquenz führte, vereinigte nicht nur, wie seinerzeit üblich, Damen der Oberschicht, hier wirkten Frauen aus allen Kreisen mit und sorgten vor allem für die Ausbildung von Krankenschwestern. Dieser Tätigkeitsbereich wurde mit der Genfer Konvention abgestimmt, der Baden 1864 beitrat. Luises liberal-konservative Gesinnung bestimmte den Verein, der Distanz zur aufkommenden Frauenbewegung hielt.

Da Friedrich I. ein liberales Preußen als einzige Führungsmacht für ein vereinigtes Deutschland sah, war die Belastung des Fürstenpaares umso größer, als Baden 1866 bundestreu gegen Preußen Krieg führen musste. Demgegenüber stellte die bedeutende Rolle, die Friedrich I. bei der Reichsgründung einnahm auch für Luise, die immer wieder auch an Audienzen ihres Mannes teilnahm und einen nicht unbedeutenden Einfluss auf ihn hatte, einen Höhepunkt dar.

Der Sohn Ludwig starb mit 22 Jahren in demselben Jahr 1888, als Luise ihren Vater und ihren Bruder Friedrich III. verlor. Nach Großherzog Friedrichs Tod 1907 behielt Luise das Schloss in Karlsruhe als Wohnsitz. Hier erlebte sie im November 1918 das Ende der Monarchie und floh aus Sorge vor einem Aufstand mit Sohn Friedrich II. und seiner Familie sowie Tochter Victoria, Königin von Schweden, die ihrer Mutter beistehen wollte. Seit 1919 lebte sie im Schloss Baden-Baden.

1917 verlieh die Universität Heidelberg Luise als "hoher Schützerin des Roten Kreuzes" die Ehrendoktorwürde. Bereits zu Lebzeiten wurde die Luisenstraße 1874 nach ihr benannt. Die einst verehrte Landesmutter wurde bei ihrem Mann und Sohn im Mausoleum in Karlsruhe bestattet.

Leonhard Müller 2012

Literatur

Annette Borchardt-Wenzel: Die Frauen am badischen Hof. Gefährtinnen der Großherzöge zwischen Liebe, Pflicht und Intrigen, 2. überarb. Aufl., Gernsbach 2010.