Richtfest für die Kirche St. Josef, 1956, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A4/34/7/3.

St. Josef

Die Kirche St. Josef ist eine katholische Kirche in Grünwinkel (Eichelbergstraße 1). Die im Dezember 1956 geweihte Kirche entstand nach Plänen des Architekten Werner Groh, der in den 1950er- und 1960er-Jahren eine Reihe an Kirchenbauten in Karlsruhe schuf.

Der Weg zum Bau der Kirche begann bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts. 1859 forderte das Erzbischöfliche Dekanat von der badischen Regierung die Errichtung einer eigenen Kirche in und für Grünwinkel, da die von der Gemeinde Daxlanden betreuten Grünwinkler Katholiken bis dahin ihre Gottesdienste in der Maria-Hilf-Kapelle (Albkapelle) oder in der Valentinskirche in Daxlanden feiern mussten und dies wegen der stetig steigenden Zahl an katholischen Gläubigen in Grünwinkel nicht länger akzeptabel sei. An diesem Zustand änderte sich aber zunächst nichts. 1886 kam Grünwinkel zum Seelsorgebezirk Mühlburg, wo im Jahr zuvor die Kirche St. Peter und Paul fertig gestellt worden war. Als die Zahl der Katholiken in Grünwinkel Ende des 19. Jahrhunderts auf über 1.000 gestiegen war, initiierten die Grünwinkler Gemeindemitglieder selbst einen neuen Versuch. Maßgeblichen Anteil am Gelingen dieses Projekts hatte die Unternehmerfamilie Sinner, die 1898 ein Areal von 6.000 Quadratmetern zur Errichtung einer Kirche und eines Pfarrhauses an der heutigen Zeppelinstraße 42 zur Verfügung stellte. Mithilfe eines Kirchenbaufonds konnte im Herbst 1908 schließlich das als Notkirche konzipierte Gotteshaus St. Josef eingeweiht werden. Im Folgejahr wurde Grünwinkel nach Karlsruhe eingemeindet und die Gemeinde erhielt den Status einer Kuratie, die Vorstufe einer Pfarrei.

Obgleich St. Josef für maximal acht Jahre als Kirche dienen sollte, kam es erst in den 1930er-Jahren zu Überlegungen für einen Neubau, denen der Zweite Weltkrieg ein vorläufiges Ende setzte. Ende 1949 wurde die Gemeinde St. Josef zur Pfarrei erhoben. Pfarrer Theodor Söhner gelang es nach Verhandlungen mit der Stadtverwaltung, ein geeignetes Grundstück als Standort eines Kirchenbaus zu erhalten.

Der erste Spatenstich zum Bau von St. Josef fand am 31. August 1955 statt. Am 16. Dezember 1956 wurde das Bauwerk seiner Bestimmung übergeben. St. Josef war damit der abgesehen von der als Notkirche 1949 von Otto Bartning gebauten Friedenskirche erste Kirchenneubau in Karlsruhe nach dem Zweiten Weltkrieg. Pfarrer Söhner dachte indes bereits weiter und strebte den Ausbau des Geländes zu einem Gemeindezentrum mit Pfarrhaus, Bibliothek, Kindergarten, Jugendräumen und einem Pflegeheim an. Bis 1959 konnten alle diese Einrichtungen geschaffen werden.

Ende 1997 verlor St. Josef mit Bruno Servatius ihren letzten eigenen Gemeindepfarrer. Der allgemeine Mangel an katholischen Geistlichen führte 2003 zu Einrichtung der Seelsorgeeinheit Karlsruhe-Südwest, zu der neben St. Josef die Heilig-Geist-Gemeinde in Daxlanden sowie die Gemeinde St. Thomas Morus in Oberreut gehören.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 229/36287, 357/1890.

Literatur

Eduard Jüngert: Die katholische Gemeinde, in: Manfred Fellhauer/Manfred Koch/Gerhard Strack (Hrsg.): Grünwinkel – Gutshof, Gemeinde, Stadtteil, Karlsruhe 2009, S. 325-360, hier S. 338-356; Günter Frank [u. a.] (Hrsg.): Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge, Ubstadt-Weiher 2015, S. 158 f.; Richard Gäckle: Grundsteinlegung für die St. Josefskirche vor 60 Jahren, in: Grünwinkler Geschichte/n (10) Dez. 2015, S. 145-160, hier S. 158 f. [Beilage im Grünwinkler Anzeiger Nr. 109 vom Dezember 2015].