Ansicht der Valentinskirche, 1955, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A3/68/2/31A.

St. Valentin

Die Valentinskirche, die katholische Kirche im Karlsruher Stadtteil Daxlanden (Inselstraße 25), geht auf eine ältere Kirche zurück. Das erste Gotteshaus, das als Namenspatron den Heiligen Valentin (und die Heilige Barbara) erhielt, war die Daxlander Kapelle, die 1463 zur Pfarrkirche erhoben worden war, wodurch Daxlanden den Status einer eigenen Pfarrei erhielt. Um 1500 wurde die Kapelle bei einer Überschwemmung Daxlandens zerstört. Unter Federführung eines gewissen Peter Kalman kam es bis etwa 1510 zur Errichtung einer neuen Kirche, die diesmal aus Stein gebaut wurde und einen freistehenden Turm hatte.

Eine weitere Überschwemmung zerstörte 1651 jedoch auch diese Kirche. Mit den anschließend zusammengetragenen Trümmern wurde eine Notkirche errichtet, die nach einem kirchlichen Visitationsbericht aus dem Jahr 1701 "sehr baufällig, eng und äußerst unwürdig" sei. Verschiedene Personen, darunter der Pfarrer von Daxlanden und der Amtmann von Ettlingen, sandten daraufhin offizielle Bittschreiben an den Bischof von Speyer und die badische Regierung, eine neue Kirche bauen zu lassaen. Doch erst nach dem Einsturz der Notkirche wurde 1713 der markgräfliche Hofbaumeister Johann Michael Ludwig Rohrer mit dem Neubau einer Kirche beauftragt. Diese heute älteste katholische Kirche im Stadtgebiet konnte am 16. Juni 1715, einen Tag vor der Gründung Karlsruhes, eingeweiht werden, wobei die Beseitigung offensichtlicher Baumängel erst 1727 abgeschlossen wurde. In jenem Jahr erhielt Daxlanden auch wieder einen eigenen Pfarrer, nachdem die Gemeinde um 1690 mit der Pfarrei Mörsch vereinigt worden war und dieser Pfarrverband, zu dem auch Forchheim gehörte, 1727 aufgelöst wurde. 1755 bekam der Turm nach Plänen von Johann Peter Ernst Rohrer (1690-1762), dem Bruder von Johann Michael Ludwig, einen neuen Turmhelm.

Aufgrund der steigenden Zahl der Gemeindemitglieder musste 1834/35 das Kirchenschiff des Barockbaus nach Plänen von Johann Ludwig Weinbrenner, einem Neffen Friedrich Weinbrenners, um zwei Fensterachsen nach Westen verlängert werden. Es entstand dadurch eine neue Hauptfassade, die durch vier Pilaster in drei Längsfelder gegliedert ist. Des Weiteren wurde eine Empore auf vier dorischen Säulen eingebaut, die bei der von 1964-1966 durchgeführten purifizierenden Renovierung zum Teil wieder entfernt wurde. Doch auch die vergrößerte Valentinskirche bot den Gläubigen um 1900 erneut zu wenig Raum, sodass ein Plan zum Bau einer weiteren katholischen Kirche in Daxlanden ausgearbeitet wurde. Dieses neue, heute zweitgrößte katholische Gotteshaus in Karlsruhe, wurde auf den Namen Heilig-Geist-Kirche geweiht und entstand von 1910-1913.

Zusammen mit dem 1980 eingeweihten Gemeindezentrum St. Barbara und der Heilig-Geist-Kirche gehört St. Valentin heute zur Heilig-Geist-Gemeinde, die seit 2003 Teil der Seelsorgeeinheit Karlsruhe-Südwest ist. Die Kirche ist Kulturdenkmal nach § 28 Übergangsregelung Denkmalschutzgesetz.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 229/17207, 229/17209; StadtAK 8/StS 20/2381, 32/252; Datenbank der Kulturdenkmale https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/detail.php?id=00136 (Zugriff am 3. November 2017).

Literatur

Werner Burkart, Erich Höll: Die katholische Kirche, in: Bürgerverein Daxlanden (Hrsg.): Daxlanden – Die Ortsgeschichte, Karlsruhe 2007, S. 433-466, hier S. 434-453; Franz Scherer, Barbara Jäger, Thilo Nechau: Der Kreuzweg in St. Valentin Daxlanden, Regensburg 2008; Manfred Fellhauer: Carlsruher Blickpunkte – Ein barockes Kleinod, in: Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge Nr. 106 vom 20. März 2015; Manfred Fellhauer: Die Kirche St. Valentin zu Daxlanden, Karlsruhe 2015 (= Häuser- und Baugeschichte Bd. 15); Gerhard Kabierske: Kath. Kirche St. Valentin, Inselstraße 25, in: Karlsruhe – Stadtgeschichte, St. Valentin, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/kulturdenkmale/denkmaltag_archiv/denkmaltag_2004/daxlanden-knielingen/valentin.de (Zugriff am 25. Oktober 2015).