Evangelische Kirche Hohenwettersbach, 1999, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Erbacher 3436.

Evangelische Kirche Hohenwettersbach

Nachdem Herzog Ulrich von Württemberg 1536 das Kloster Herrenalb in Besitz genommen und in den dazugehörigen Orten die Reformation eingeführt hatte, gehörte Hohenwettersbach, das damals noch Dürrenwettersbach hieß, zur Pfarrei Grünwettersbach. 1706 kaufte Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach nach einem Rechtsstreit von der Witwe des markgräflichen Oberstallmeisters Michael Angelo Terzy von Kronental die Güter der Gemarkung, auf der er ein kleines Lustschloss bauen und einen Dorfbrunnen errichten ließ. Das fortan Hohenwettersbach genannte Dorf schenkte er 1714 seiner aus einer nicht standesgemäßen Verbindung entstammenden Tochter Karolina Luisa von Wangen und ließ die dortige evangelische Gemeinde von Durlach aus verwalten. Darüber hinaus verbot er den Dorfbewohnern den auswärtigen Kirchgang nach Grünwettersbach und Wolfartsweier und verfügte, dass alle zwei Wochen ein Pfarrer aus Durlach den Gottesdienst in Hohenwettersbach feiern solle. Wegen des fehlenden Gotteshauses wurde dieser in einer Gesindestube des herrschaftlichen Wohnhauses des schwäbischen Adelsgeschlechts Schilling von Canstatt abgehalten. Dieses verfügte nach der Hochzeit Karolinas mit dem markgräflichen Obermarschall und Obervogt Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt († 1743) ab 1725 über die Grundherrschaft in Hohenwettersbach. Nach einigen Jahren empfand Schilling von Canstatt das Fehlen einer Kirche als unbefriedigend und beschloss den Bau des ersten Gotteshauses in Hohenwettersbach. Dieses wurde nach Plänen von Johann Heinrich Arnold an der Dorfstraße errichtet und konnte 1742 fertiggestellt werden. Es hatte eine Länge von 16,80 Meter, eine Breite von 8,90 Meter, eine Höhe (mit Dachreiter) von 14,50 Meter und verfügte über eine kleine Orgel und Glocken sowie über rund 200 Sitzplätze.

Im Dezember 1839 wurde die Kirche durch einen Brand, ausgelöst vermutlich durch Arbeiten eines Uhrmachers im Kirchturm am Vortag, bis auf die Grundmauern zerstört. Durch Bereitstellung von 1.800 Gulden aus der Landesbrandkasse konnte der Wiederaufbau der Kirche bereits im September 1841 abgeschlossen werden. Die dabei eingebaute Glocke blieb bis 1950 in Betrieb, ehe sie mit einer von der Gemeinde Grünwettersbach abgekauften Glocke zu einer kleinen Taufglocke verschmolzen wurde. Im selben Jahr kam es zur Anschaffung der mittleren, 1961 zum Kauf einer dritten Glocke. Zwischen 1965 und 1968 fanden umfangreiche Arbeiten im und am Kirchengebäude statt, so die Renovierung des Innenraums, die Ausstattung des Altarraums mit einem schlichten Altartisch, die Erneuerung des Zifferblatts der Kirchturmuhr mit vergoldetem Zeiger sowie der Bau einer Sakristei. 1999 erfolgten eine weitere grundlegende Renovierung des Kircheninnenraums und die Neugestaltung des Altarraums mit dem Altarbild Pfingsten durch Veronika Olma, die 1982-1988 in Karlsruhe Kunst und Kunstgeschichte studiert hat.

Im Gemeindeleben kommen der Veranstaltungsreihe Kleinkunst im Kirchenkeller (seit 1995), der Kinder- und Jugendarbeit sowie dem Kirchenchor (seit 1921) und dem Gospelchor (seit 1997) besondere Bedeutung zu. Organisatorisch ist die evangelische Kirche Hohenwettersbach seit 1989 Teil der Kirchengemeinde Hohenwettersbach-Bergwald.

René Gilbert 2019

Quellen

GLA 229/45446; StadtAK 8/StS 18 A 48.

Literatur

100 Jahre selbständige Gemeinde Hohenwettersbach. Festschrift zur 100-Jahr-Feier am 18. und 19. Juli 1964, S. 39 f.; Ferdinand Leikam: Die Kirchen in Hohenwettersbach, in: Hohenwettersbach – Streifzüge durch die Ortsgeschichte, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe und der Ortsverwaltung Hohenwettersbach durch Anke Mührenberg, Karlsruhe 2012, S. 45-47; Michael Trensky: Hohenwettersbach Evangelische Kirche, Karlsruhe 2014; Jürgen Krüger: Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge, hrsg. von Günter Frank u. a., Ubstadt-Weiher 2015, S. 242 f.