Einweihung der Kapelle auf dem Friedhof Nordweststadt, 1986, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A51/101/6/27.
Werbass-Gedenkstein, 1985, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A49/104/1/35.

Friedhof Nordweststadt

In der Anfangszeit der Nordweststadt wurde der Friedhof in Mühlburg genutzt. Dieser war jedoch für eine Belegung aus zwei Stadtteilen nicht konzipiert und wurde daher bald zu klein. Da Bestattungen auf dem Hauptfriedhof als zu weit entfernt für die Bewohner der Nordweststadt angesehen wurden, erkannte ein 1975 vorgelegtes Gutachten von Gadso Lammers, damals Ordinarius für Städtebau am Institut für Städtebau und Landesplanung an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe, die Notwendigkeit eines eigenen Friedhofs für die Nordweststadt und die Neuordnung der Karlsruher Friedhofbezirke. Daraufhin schrieb die Stadt den Ideenwettbewerb „Friedhof Nordwest“ aus, für den 16 Arbeiten eingereicht wurden.

Als Sieger aus diesem Wettbewerb ging der Entwurf des Karlsruher Landschaftsarchitektenbüros Klahn und Singer hervor, an dem auch der Karlsruher Bildhauer Jürgen Goertz als Berater beteiligt war. Der Entwurf sah eine Gesamtanlage zwischen der Bundestraße 36 und der Hertzstraße in Höhe der Dürkheimer Straße vor, die aus drei je einen Hektar großen, in sich geschlossenen Teilfriedhöfen besteht, die wiederum in einen sieben Hektar großen Park eingebettet und durch ein Wegenetz miteinander verbunden sind. Die Grundidee des Entwurfs besteht darin, sich den Bedingungen einer stets ungewissen Zukunft einerseits und der nicht vorhersagbaren Bevölkerungsentwicklung andererseits immer wieder anzupassen und das Gelände abschnittsweise erschließen zu können. Der Friedhof wurde durch diese architektonische Besonderheit überregional bekannt und fand in der Fachwelt bundesweite Anerkennung.

Nachdem Ende 1982 mit dem Bau des ersten Teilfriedhofs mit 1.300 Gräbern begonnen worden war, konnte dieser im April 1985 fertiggestellt werden. Es folgten nach zweijähriger Bauzeit die Einweihung der von dem Architekten Stephan von Freydorf entworfenen Kapelle/Aussegnungshalle im April 1986 und die Segnung der durch Spenden finanzierten Friedhofsglocke mit Turm im November 1988. Im Oktober 1995 wurde der zweite Teilfriedhof mit 2.000 Grabstätten fertiggestellt. Der dritte Bauabschnitt kann nach Bedarf erschlossen werden. Die einzelnen Teile des Friedhofs sind von zwei Meter hohen geschwungenen Granitsteinmauern umschlossen, die an ihrer Innenseite halbkreisförmige Kolumbarienmauern aus Granit tragen.

Bereits vor der Eröffnung des Friedhofs Nordweststadt wurde am 20. Oktober 1984 am Südeingang ein Gedenkstein der Ortsgemeinschaft Werbass aufgestellt. Werbass (heute Vrbas, Serbien) ist ein Ort in der Batschka. Einige der Batschka-Deutschen und ihre Nachkommen haben nach Kriegsende in der Nordweststadt eine neue Heimat gefunden. Der Gedenkstein bildet eine Brücke in die Vergangenheit und steht als Gedenken an jene, die während der Flucht und Vertreibung umkamen und keine Gräber fanden.

René Gilbert 2019

Quelle

StadtAK 8/ZGS 3.2.

Literatur

Edeltraud Götze (Red.): Die Karlsruher Nordweststadt. Geschichte und Geschichten eines Stadtteils, hrsg. von der Bürgergemeinschaft Nordweststadt e. V., Karlsruhe 2015, S. 74; https://www.karlsruhe.de/b4/buergerdienste/bestattungen/friedhoefe/fried-nord/fried-nordwest.de (Zugriff am 17. September 2019).