Ansicht des Rathausturms von 1958, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A5/66/3/8.

Amtsgefängnis Rathaus

Nach dem Erlass des Organisationsrescripts vom 26. November 1809 und der Zuweisung der Kriminaluntersuchungen an das jeweilige Amt benötigten sowohl das Karlsruher Stadtamt als auch das Landamt dringend ein Gefängnis. Dieses war im 1805 begonnenen, größtenteils aber erst 1821-1825 nach Plänen von Friedrich Weinbrenner ausgeführten Rathausneubau vorgesehen. Als Pendant zur gegenüberliegenden Stadtkirche plante Weinbrenner das Rathaus von Anfang an mit einem Turm, den die Stadt aus Kostengründen strikt ablehnte. Erst als Weinbrenner im letzten Entwurfsstadium 1821 das Gefängnis im Turm anordnete, wurde dessen Ausführung genehmigt. 25 Zellen (12 für Militär-, 13 für Zivilpersonen) umfasste der Turm, in dem sich vom 3. bis zum 8. Turmgeschoss je vier Zellen auf einer Etage befanden. Die Wohnung des Gefangenenwärters, die sich über das zweite Turmgeschoss und einen Teil des angeschlossenen Südwestflügels erstreckte, verfügte noch über "2 besondere bürgerliche Gefängniszimmer".

1833 verkaufte die Stadt den Rathausturm bis auf den so genannten Hochwächterturm, dessen Mietzins mit der Gefangenenwärterwohnung im zweiten Stock des südwestlichen Rathausflügels verrechnet wurde, an den Staat. Der 1842 vom Stadtamtsgericht geforderten Erweiterung des Gefängnisses, das seit 1854 über 27 Zellen im Turm verfügte, wurde erst 1864 Folge geleistet, als das Justizministerium den zweiten und dritten Stock des nordwestlichen Rathausflügels, letzterer hatte bis dahin der Gewerbeschule gedient, von der Stadt für 520 Gulden jährlich mieten konnte und auf eigene Kosten zwölf Gefängniszellen einrichtete. Zellen im Turm und Flügelbau waren stets ausgelastet.

Mit der Eröffnung des neuen Amtsgefängnisses I in der Akademiestraße 2 (später Nr. 4) 1877 verlangte der Stadtrat vom Justizministerium zwar die sofortige Freigabe der angemieteten Gefängnisräume im Nordwestflügel des Rathauses, diese erfolgte aber erst nach der Erweiterung des Amtsgefängnisses I 1890. Mit der Eröffnung des neuen Amtsgefängnisses II (heute Justizvollzugsanstalt) in der Feuerbachstraße 4 (heute Riefstahlstraße 9) 1897 wurde das alte Amtsgefängnis bis auf vier Arrestzellen im Rathausturm zur Nutzung durch das im Rathaus befindliche Großherzogliche Bezirksamt aufgelöst. Der Rathausturm ging noch im selben Jahr zum Preis von 20.000 Mark wieder in städtisches Eigentum über. Zwischen Bezirksamt, Amtsgericht und dem neu eröffneten Amtsgefängnis II verkehrte ab 1897 zweimal am Tag ein Gefangenentransport.

Katja Förster 2015

Quellen

GLA 234/12827, 13503-13520, 13554; StadtAK 1/BOA 1363, 8/PBS XV 830.