Bankhaus Ignaz Ellern

1881 eröffnete der 1856 in Fürth geborene Ignaz Ellern, dessen früh verstorbene Mutter der jüdischen Unternehmerfamilie Feuchtwanger angehörte, in der Karl-Friedrich-Straße 6 ein Bank- und Wechselgeschäft. Anfängliche Unterstützung erhielt er durch seine Onkel Amson, Benjamin und Gabriel Feuchtwanger, Inhaber des Fürther Bankhauses „Gebrüder Feuchtwanger“, in dem Ignaz Ellern seine Ausbildungszeit absolviert hatte. Zwar erlangte die Karlsruher Bank nicht die Bedeutung der beiden jüdischen Bankhäuser Veit L. Homburger (seit 1854) und Straus & Co. (seit 1870), die zu den wichtigsten badischen Privatbanken zählten, sie konnte sich aber relativ schnell als mittelständische lokale Privatbank etablieren.

1898 gab Ellern vermutlich aus Platzgründen die exponierte Lage seines Geschäfts direkt am Marktplatz auf und zog in die Karl-Friedrich-Straße 2. Von da an ist der Kaufmann Siegfried Stern als Prokurist der Bank in den Adressbüchern dokumentiert. Von 1904 bis 1922 befand sich das Geschäft im Haus des jüdischen Rechtsanwalts Albrecht Kusel am Friedrichsplatz 10. Unter der Leitung von Ignaz Ellerns Sohn Hermann Ellern und dessen Schwager Emanuel Forchheimer, die das Bankgeschäft seit 1. Juli 1919 als offene Handelsgesellschaft führten, erwarb das Bankhaus 1922 von Viktor Merkle senior die Häuser Kaiserstraße 160 und 162, in denen es noch im selben Jahr ihre Geschäftsräume bezog.

Der 1892 in Karlsruhe geborene Hermann Ellern hatte zunächst seine Lehrzeit bei den bekannten Banken E. & L. Wertheimer in Frankfurt a. M. und Samuel Montagu & Co. in London absolviert, bevor er dann in das väterliche Unternehmen eingestiegen war, in dem seit 1908 sein Schwager Emanuel Forchheimer neben Stern, der 1912 aus dem Unternehmen ausschied, Prokurist war. Von Sommer 1917 bis Jahresende 1918 zeichnete Forchheimer allein für die Bankgeschäfte verantwortlich, da Ignaz Ellern im Juli 1917 verstorben war und Hermann Ellern, der als Sanitätsunteroffizier des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 111 bei der Somme-Schlacht 1916 in britische Gefangenschaft geraten war, erst Ende 1918 nach Karlsruhe zurückkehrte. Zum Jahresende 1918 wurde das Bankgeschäft in eine offene Handelsgesellschaft übergeführt, der ab 28. Juni 1919 Ellern und Forchheimer als gleichberechtigte Partner vorstanden.

Für den überzeugten Zionisten Hermann Ellern, der seit einer 1931 unternommenen Palästinareise ohnehin die Übersiedlung nach „Erez Israel“ ins Auge gefasst hatte, wurde die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 auslösendes Moment für diesen Schritt. 1933/34 gründete er in Tel Aviv die Ellern’s Bank Ltd., über die ein Großteil des Haavara-Transfers abgewickelt wurde. Das Karlsruher Bankhaus wurde unter der Leitung Forchheimers zunächst als offene Handelsgesellschaft fortgeführt und erst mit Wirkung zum 1. Januar 1936 in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt, an der Forchheimer als persönlich haftender Gesellschafter sowie ein Kommanditist beteiligt waren. Zunehmende Repressalien durch das NS-Regime, das der Bank illegale Devisenverschiebungen nach Palästina unterstellte, gipfelten in der mehrwöchigen Verhaftung des Bankdirektors, der Aberkennung der Eigenschaft als Devisenbank und den Zerstörungen im Zuge des Novemberpogroms 1938. Zum 31. Dezember 1938 musste die Kommanditgesellschaft aufgelöst und die Liquidation durch Forchheimer eingeleitet werden. Die Pianistin Amelie Klose, Tochter des Kunstmalers Wilhelm Klose, erwarb kurz darauf das Eckhaus Kaiserstraße 160, in dem noch 1939 das Bankgeschäft K. Feuchter & Co. den Betrieb aufnahm.

Katja Förster 2020

Quellen

GLA 237 Zug. 1967-19/341 f., 349-353; Karlsruher Adressbücher 1882 ff. https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/bestaende/adressbuecher.de (Zugriff am 23. Dezember 2020).

Literatur

Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung, hrsg. von Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt, Karlsruhe 1990 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 8) https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmoP43xhW57iB/Juden%20in%20Karlsruhe.pdf (Zugriff am 23. Dezember 2020); Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 9) https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmoP9qYDUkksg/Hakenkreuz_und_Judenstern.pdf (Zugriff am 23. Dezember 2020); Heike Specht: Die Feuchtwangers. Familie, Tradition und jüdisches Selbstverständnis im deutsch-jüdischen Bürgertum des 19. und 20. Jahrhunderts, Göttingen 2006; Marco Wottge: "Arisierung" in der Zeit des Nationalsozialismus in Karlsruhe, Karlsruhe 2020 (= Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 20).