Schwimmunterrichts-Bescheinigung für August Hoffmann im Friedrichsbad, 1911, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oX 3.

Friedrichsbad

Am 7. Juli 1888 nahm in der Kaiserstraße 136 das Friedrichsbad als private Anstalt seinen Betrieb auf. Es verfügte über die erste Schwimmhalle in der Stadt und in Süddeutschland. Bauherr war der Dekorationsmaler Karl August Lepper, Architekt war Gustav Ziegler. Durch einen Vorraum gelangte man in eine Halle mit Kassettendecken aus Beton auf eisernen Bögen, in der sich das 22 Meter lange und 16,4 Meter breite Schwimmbecken umgeben von 60 Umkleidekabinen befand. In einem Duschraum standen 12 Doppelduschen zur Verfügung. Über der Schwimmhalle standen Wannenbäder I. und II. Klasse nach Geschlechtern getrennt zur Verfügung. Die hinteren Räume des Zwischengeschosses waren Fango-Behandlungen vorbehalten. Auf dem Flachdach über der Kurabteilung befand sich das Sonnenbad mit zwei Duschen.

Obwohl das Bad sehr gut angenommen wurde, musste es aus finanziellen Gründen schon im zweiten Winter schließen, konnte aber mit städtischen Zuschüssen weiter betrieben werden. Dafür bot Lepper Schulbäder zu 6 Pfennig und einen "billigen Nachmittag" an. 1897 gab es circa 100.000 Nutzungen des Bades. Mit der Eröffnung sank die Zahl der Wannenbäder im städtischen Vierordtbad deutlich.

1898 kam das Angebot von Wannenbädern III. Klasse hinzu, 1906 wurde das Schwimmbecken tiefer gelegt, womit der Besitzer auf die neue Konkurrenz im Vierordtbad reagierte, das seit 1902 auch über ein Schwimmbad verfügte. 1911 bot Lepper das Bad der Stadt zum Kauf an, da er angesichts des geplanten Rheinhafenbades zu starke Konkurrenz befürchtete, was diese aber ablehnte. Als das Rheinhafenbad schließlich 1915 öffnete, kam es nicht zum befürchteten Rückgang.

Als Gotthold Lepper, Erbe des Friedrichsbads, dieses Anfang 1920 verkaufen wollte, griff die Stadt am 1. Juni zu, da dies einem Bedürfnis der Karlsruher Bevölkerung entspreche und ansonsten die Schließung drohe. 1928 wurden in der Kurabteilung neben Fangobehandlungen Schwefelbäder und elektrische Heißluftbehandlungen angeboten. Zwei Jahre später hatte das Bad mit knapp 220.000 Bädern im Jahr einen Überschuss von mehr als 10.000 Mark erwirtschaftet, wozu 117.570 Schwimmbäder, 91.433 Wannenbäder, 1.150 Kohlensäurebäder, 193 Schaumbäder, 2.701 Kneippgüsse, 1862 Fangobäder, 780 elektrische Lichtbäder und 3.359 Kurbäder beitrugen. Zu den Besuchern gehörten 9.338 Schüler und 16.781 Mitglieder von Sportvereinen.

In der Wirtschaftskrise nach 1929 konnten diese Zahlen nicht mehr gehalten werden und stiegen erst Mitte der 1930er-Jahre wieder. Das Bad wurde bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen und im Februar 1952 abgerissen. An seiner Stelle entstand der Passagehof mit Parkplätzen bei der Kaiserpassage.

Ernst Otto Bräunche 2015

Quellen

StadtAK 3/B 40, S. 244-250; 8/ZGS 68a; Verwaltungsberichte der Landeshauptstadt Karlsruhe 1928-1938, Karlsruhe 1929 ff.

Literatur

Karl August Lepper: Das Friedrichsbad, in: Hygienischer Führer durch die Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe. Festschrift zur XXII. Versammlung des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege, Karlsruhe 1897, S. 279-283.