Najaden-Brunnen um 1896, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVa 1320.

Najaden-Brunnen

Schlossplatz, in der Mitte der Anlagen auf der Ost- und Westseite des Platzes.

Im Zuge der zwischen 1813 und 1820 erfolgten Neugestaltung des Schlossplatzes nach Plänen des großherzoglichen Gartendirektors Johann Michael Zeyher entstanden an der West- und Ostseite des Paradeplatzes zwei identische Grünanlagen. Vierreihige Baumalleen fassten die trapezförmigen Terrains ein, die im Inneren mit Rasen begrünt und in der Mitte jeweils durch einen Najaden-Brunnen akzentuiert waren. Ein vermutlich 1813 angefertigter Vorentwurf von unbekannter Hand zeigt bereits die endgültige Konzeption des figurativen Brunnenstocks. Friedrich Weinbrenner, der als Baudirektor auch für die Brunnenanlagen verantwortlich zeichnete, beauftragte Hofbildhauer Joseph Kayser mit der Übertragung des Entwurfs in ein Modell. Dieses diente wiederum dem erst 19-jährigen Bildhauer Aloys Raufer als Vorlage für die zwei aus hellen Sandsteinblöcken herauszuarbeitenden monumentalen Brunnenplastiken.

Die Arbeit ging nur schleppend voran und auch die instabilen politischen Verhältnisse bis zur Neuregelung der europäischen Grenzen auf dem Wiener Kongress sowie die Neukonzeption der zwei Bassins nach 1816 verzögerten die für Mai 1814 geplante Fertigstellung der Brunnenanlagen bis zum Jahresende 1817.
Die Figurengruppen, die im Zentrum großer kreisrunder Bassins aufgestellt sind, zeigen jeweils drei überlebensgroße Frauengestalten, die Schulter an Schulter den Brunnenstock umstehen. Mit erhobenem linken Arm tragen sie über ihren Köpfen eine kreisrunde Wasserschale, über deren Rand das Wasser wie ein transparenter Schleier in das Bassin hinab fällt, während sie mit ihrer rechten Hand nach ihrem antikisierenden Gewand greifen. Zu ihren Füßen sind kleinere Felsblöcke aus Tuffstein angeordnet, die mit Schilf, Moos und Farnen bepflanzt das Postament der Figuren – einen rechteckigen Sockel mit runder Plinthe – verbergen. Die Figuren stellen Najaden dar – nach der griechischen Mythologie Nymphen, die in Quellen, Flüssen, Sümpfen, Teichen und Seen leben und über das Wasser wachen.

Die Najaden-Brunnen waren zunächst an das Brunnenhaus in der Lammstraße angeschlossen, das aber weder über den erforderlichen Druck noch über die nötige Wassermenge verfügte. Daher konnten die Brunnen erst mit der Inbetriebnahme des Hofwasserwerkes 1866 ihre volle Wirkung entfalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die bewachsenen Felsblöcke im Zentrum des Beckens entfernt; der massive Sockel steht seitdem in auffallendem Kontrast zu dem filigran gestalteten Figurenensemble. Für die Bundesgartenschau 1967 wurden die Bassins erneuert, wobei man ihre identische Ausformung aufgab.

Katja Förster 2014

Literatur

Gerhard Kabierske: Najaden-Brunnen, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl. Karlsruhe 1989, S. 162-166 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7) https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmmY1PdXpuoNV/Denkm%C3%A4ler%20Brunnen%20und%20Freiplastiken%20in%20Karlsruhe%201715-1945.pdf (Zugriff am 23. Dezember 2020).