Aufnahme vor 1896, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVb 169.

Denkmal für die Opfer des Theaterbrands

Auf dem Friedhof an der Kapellenstraße (heute Alter Friedhof), von 1848 bis circa 1960 nordwestlich der Gruftenhalle, seit circa 1960 vor der Gruftenhalle.

Am 28. Februar 1847 wurde das von Friedrich Weinbrenner entworfene Hoftheater bei einem Brand fast vollständig zerstört. Unter großer Anteilnahme des Fürstenhauses und der Einwohnerschaft fand am 4. März 1847 die Beisetzung der Überreste der 63 Verunglückten auf dem Friedhof an der Kapellenstraße (heute Alter Friedhof) statt. Für die insgesamt acht Särge waren zwei Gräber nordwestlich der Gruftenhalle ausgehoben worden. Nur wenige Tage nach der Beisetzung gab Großherzog Leopold von Baden bekannt, dass er für die Opfer des Theaterbrands ein Denkmal errichten werde. Bildhauer Franz Xaver Reich, der bereits 1845/46 das Standbild für das 1855 auf dem Ettlinger-Tor-Platz errichtete Georg-Ludwig-Winter-Denkmal entworfen hatte, wurde mit der Konzeption des Ehrenmals betraut. Der Anfang August 1847 mit Reich geschlossene Vertrag enthielt bereits genaue Angaben über die anzufertigende Engelsfigur aus Carrara-Marmor „zweiter Sorte“ und den dazugehörigen Unterbau aus hellem Granit, dessen Ausführung Werkmeister Johannes Belzer in Weisenbach übertragen wurde.

Am 9. November 1848 wurde das Denkmal, welches auf einer kleinen Anhebung über den beiden Gräbern platziert worden war, im Beisein von Oberbürgermeister Jakob Malsch, Vertretern des Gemeinderats, Beauftragten des Großherzogs und Angehörigen der Opfer enthüllt. Auf einem hohen, rechteckigen Postament mit quaderförmiger Basis und zweistufigem Unterbau erhebt sich auf einer marmornen Plinthe eine anmutig gestaltete Engelsfigur in antikisierendem Gewand. Körperhaltung und Gestik drücken verschiedene Aspekte der Trauer aus: Das nach vorn geneigte Haupt mit dem verinnerlichten Blick suggeriert tiefste Anteilnahme am Schicksal der zu Füßen der Figur Ruhenden, deren Namen, ehemals in vergoldeten Lettern, auf den beiden Sockelseiten zu lesen sind. Die mit einem Palmenzweig nach unten zu den Verunglückten deutende linke Hand und die nach oben zum Himmel zeigende rechte Hand weisen auf die Erlösung der Verstorbenen durch Gott hin. In die Vorderseite des Postaments ist die Widmungsinschrift, in die Rückseite der Name des Stifters eingraviert.

Auf Anordnung Großherzog Leopolds wurde die Grabstätte 1850 mit einem stattlichen Geländer eingefasst. Bis 1871 war der Landesfürst, danach die Stadt für die Instandhaltung des Denkmals zuständig. Der Bau einer Turnhalle für die Schillerschule in der Kapellenstraße 11 zu Beginn der 1960er-Jahre machte die Versetzung des „Grabdenkmals“ vor die Gruftenhalle notwendig. In diesem Zuge wurde vermutlich die Einfriedung entfernt. 2007 wurde die Engelsfigur restauriert und dabei die mittlerweile fehlende linke Hand ohne Palmzweig und die zur Hälfte abgeschlagenen Finger der rechten Hand ergänzt.

Katja Förster 2015

Literatur

Gerlinde Brandenburger: Denkmal für die Opfer des Theaterbrands, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl. Karlsruhe 1989, S. 237-241 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7) http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmmY1PdXpuoNV/Denkm%C3%A4ler%20Brunnen%20und%20Freiplastiken%20in%20Karlsruhe%201715-1945.pdf (Zugriff am 28. Juli 2016).