Luftbildaufnahme vom Ettlinger-Tor-Platz, um 1961, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 3/II/25.

Ettlinger-Tor-Platz

Die Anfänge des Ettlinger-Tor-Platzes, eines halbkreisförmigen, von Bäumen gesäumten Platzes, gehen mit der südlichen Stadterweiterung auf der Grundlage des 1797 von Friedrich Weinbrenner entworfenen General-Bauplans einher. Mit der Herstellung der Kriegsstraße ab 1796, dem Bau des neuen Ettlinger Tors 1803-1805 und der gleichzeitigen Anlage der Ettlinger Straße entstand südlich des Stadttors ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, in den noch der ältere, südwestlich verlaufende Weg, die spätere Beiertheimer Allee, einmündete. Für die weitere Entwicklung des Platzes spielte der nach Plänen von Friedrich Eisenlohr 1841-1843 an der Südwestseite der Kriegsstraße errichtete Bahnhof eine entscheidende Rolle. Die von Ost nach Südwest verlaufende Gleisanlage stand nämlich bis 1913 einer befriedigenden Stadterweiterung nach Süden im Wege.

Durch den Abbruch des Ettlinger Tors 1872 verlor die zentrale Nord-Süd-Achse (Via Triumphalis) ihre südliche Fassung und ging nun nahtlos in den Platz über. Am südöstlichen Ende der Karl-Friedrich-Straße entstand bis 1875 der Malsch-Brunnen, der allerdings kein gleichgewichtiges Pendant zum 1877 eröffneten Hotel Germania darstellte. Auf der gegenüberliegenden Seite setzten das Georg-Ludwig-Winter-Denkmal (1855-1964) und das Kriegerdenkmal der Stadt Karlsruhe (1877-1963) verhaltene Akzente. Mit der 1902 getroffenen Entscheidung, den Bahnhof an die südliche Stadtperipherie zu verlegen, setzten konkrete städtebauliche Überlegungen über die künftige Gestaltung des Platzes ein. Aber weder die Wettbewerbe von 1904/05 und 1912 noch die vom Architekturbüro Curjel & Moser zwischen 1908 und 1911 im Auftrag der Stadt entwickelte Plankonzeption führten zu einem Ergebnis.

1912 forderte die Stadt den Münchner Architekten Theodor Fischer, Preisrichter bei beiden Wettbewerben, auf, seine Vorstellungen zur Bebauung des Ettlinger-Tor-Platzes und des Festplatzes zu skizzieren. Fischer, strikter Gegner eines städtebaulichen Schematismus, verschob bei seinem Konzept den Ettlinger-Tor-Platz aus der Mittelachse nach Südwesten, um eine Fortführung der Via Triumphalis, wie sie Curjel & Moser und andere Kollegen vorgesehen hatten, zu unterbinden. Während Fischer beim geplanten Landesmuseum und Landesgewerbeamt entlang der Ettlinger Straße die Bauflucht des Vierordtbads berücksichtigte, ordnete er südwestlich davon die Ausstellungshalle und insbesondere das Konzerthaus frei an, wodurch sich der Festplatz, der sich zur Beiertheimer Allee hin öffnete, unregelmäßig gestaltete. Mit der Planung von Ausstellungshalle und Konzerthaus, die für das 200-jährige Stadtjubiläum 1915 dringend benötigt wurden, beauftragte die Stadt Curjel & Moser.

1924 wurde ein beschränkter Wettbewerb über die weitere Gestaltung des Ettlinger-Tor-Platzes ausgeschrieben, den Hermann Billing mit seinem neoklassizistischen Bebauungsplan für sich entschied. In den folgenden Jahren überarbeitete Billing mehrmals die Aufrisse des Plans, von dem nur der Wohnblock Ecke Beiertheimer Allee/Hermann-Billing-Straße (1928/29) und das Gebäude der Reichspostdirektion (1935-1938) realisiert wurden. 1947 wurde sein Ettlinger-Tor-Platz-Entwurf, den Reichsstatthalter Robert Wagner und Oberbürgermeister Friedrich Jäger als Vorhof eines riesigen Gauforums protegiert hatten, endgültig verworfen.

Als Zeichen des gesellschaftspolitischen Neuanfangs trat an die Stelle von Antikenrezeption, Axialität und Symmetrie der von frei stehenden und mit Grünanlagen umgebenen Gebäuden charakterisierte offene Stadtraum. Historische Bausubstanz musste moderner Architektur weichen, das kriegszerstörte Hotel Germania dem Friedrich-List-Gymnasium (1955-1958), der alte Bahnhof mit den 1933/34 errichteten Markthallen dem Neubau des Badischen Staatstheaters (1970-1975) sowie der Malsch-Brunnen und das Gartengelände des ehemaligen Markgräflichen Palais dem Postscheckamt (1973-1975). Weitere platzgestaltende Maßnahmen waren der von der Ettlinger Straße zurückgesetzte Wohnblock der Volkswohnung (1959/60), das Hochhaus des Badenwerks (heute Landratsamt) auf dem Gartengelände der ehemaligen Villa Klose (1963-1966), der Ausbau der Kriegsstraße mit sechsspuriger Unterführung unter der Achse von Karl-Friedrich- und Ettlinger Straße (1963-1965) sowie der von dem Rottweiler Bildhauer Erich Hauser mit spiralförmiger Oberflächenmodellierung und großem Wasserbecken gestaltete Theatervorplatz.

Die in den 1960er-Jahren parallel zur Kriegsstraße angelegte Fußgängerunterführung zur Verbindung der westlichen und östlichen Platzhälfte stellte sich als Fehlplanung heraus und diente dem Musikclub Substage von den frühen 1990er-Jahren bis 2004 als Veranstaltungsort. Die 1998 aufgestellte Ettlinger-Tor-Skulptur von Andreas Helmling musste 2011 dem Bau des Stadtbahntunnels weichen und kehrt voraussichtlich nach 2020 an den Ettlinger-Tor-Platz zurück. Von 2003-2005 entstand an der nordwestlichen Platzecke das ECE-Center sowie von 2009/10 an der südöstlichen Ecke von Kriegs- und Ettlinger Straße der Informationspavillon zur Kombilösung K-Punkt. Nach der Fertigstellung des Tunnels sollen Baumreihen der Kriegsstraße den Charakter einer Allee verleihen.

Katja Förster 2015

Literatur

Gerhard Kabierske: Ettlinger Tor, in: Stadtplätze in Karlsruhe, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Manfred Koch, Karlsruhe 2003, S. 82-103 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26); KASIG – Karlsruher Schieneninfrastruktur GmbH: Die neue Kriegsstraße, http://www.diekombiloesung.de/kombiloesung/kriegsstrasse.html (Zugriff am 22. Juni 2015).