Plan des Alten Friedhofs, 1845, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XV 461.
Ansicht von Süden mit Friedhofskapelle, Stahlstich, 2. Hälfte 19. Jh., Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVc 29.
Blick auf einige Gräber auf dem Alten Friedhof, 1953, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A2/98/5/19.
Grabzeichen in der Gruftenhalle, 1959, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 4/6.

Alter Friedhof

Der Alte Friedhof wurde im Sommer 1781 im Lohfeld südöstlich der Kapellenstraße in der Oststadt angelegt. Das Areal diente zunächst als Grabstätte für die Karlsruher Reformierten und Katholiken sowie für alle Christen aus dem Dörfle. Nach der Schließung des Gottesackers der Lutheraner am Marktplatz 1804 wurde der Alte Friedhof offiziell zum einzigen christlichen Friedhof der Stadt erklärt. 1818 fand die erste Erweiterung der Grabanlagen statt, 1838 die zweite. Am östlichen Ende des Friedhofs erfolgte 1823 die Anlage des alten jüdischen Friedhofs, der 1896 geschlossen wurde. 1833 wurde das Leichenhaus errichtet, 1837-1842 die Friedhofskapelle im neugotischen Stil mit 17 Grüften von Friedrich Eisenlohr. Der Bau der 71 Meter langen und 33 Grüfte umfassenden Gruftenhalle 1841/42 durch den Hof- und Stadtbaumeister Karl Kuentzle bildete den Abschluss des Friedhofgeländes.

In einigen der Grüfte ruhen bekannte Persönlichkeiten wie Carl Friedrich Nebenius, Sigismund von Reitzenstein, Ludwig Georg Winter oder Heinrich Hübsch. Auf dem Areal befinden sich bis heute mehrere Denkmäler wie das Theaterbrand-Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des Brands im Großherzoglichen Hoftheater 1847, das Preußendenkmal für die während der Revolutionskämpfe 1849 in Baden gefallenen preußischen Soldaten sowie zwei Denkmäler für die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 an Kriegsfolgen gestorbenen deutschen und französischen Soldaten, von letzterem ist nur noch der Sockel erhalten.

Nach einer dritten Friedhofserweiterung 1867 und dem absehbaren Platzmangel entschied der Karlsruher Gemeinderat im April 1872, den Friedhof in das Gewann Am Schalterhaus zu verlegen. Mit der Eröffnung des Hauptfriedhofs am 16. November 1874 wurde der Alte Friedhof geschlossen. Weitere Beisetzungen fanden dort freilich noch bis 1882 statt. 1897 erhielt das Gelände den Namen Lutherplatz. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann man mit der Umgestaltung des Friedhofs in einen Park. Um Verwechslungen mit dem Martin-Luther-Platz in Grötzingen zu vermeiden, wurde das Areal nach der Eingemeindung Grötzingens 1974 nun auch offiziell in Alter Friedhof umbenannt, der heute als Grünanlage mit Sport- und Spielplatz dient.

René Gilbert 2014

Literatur

Karl Zahn: Gräber, Grüfte, Trauerstätten. Der Karlsruher Hauptfriedhof, Karlsruhe 2001, S. 37-76 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 24).